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Düsseldorf: Streit um Zaun gegen Wohnungslose am Worringer Platz

Streit am Worringer Platz in Düsseldorf : „Dieser Zaun ist menschenverachtend“

Der Streit um den Zaun auf dem Worringer Platz, der die Drogenszene von einer Pizzeria fernhalten soll, spitzt sich zu. Der Raum für Wohnungslose werde in der Stadt immer kleiner, mahnt die Drogenhilfe. Probleme nähmen dadurch zu.

Die Auseinandersetzung um den Zaun auf dem Worringer Platz verschärft sich. Drogenabhängige, Streetworker, Vertreter von Hilfsorganisationen und Bezirksbürgermeisterin Annette Klinke (Grüne) haben am Donnerstag gegen die Ausgrenzung der Drogen- und Wohnungslosenszene auf dem Platz nahe des Hauptbahnhofs protestiert. Das Problem aber, so mahnen die Sozialarbeiter, sei ein stadtweites und ein politisches.

Auf dem Worringer Platz hat der Betreiber einer Pizzeria einen großen Teil der Fläche mit einem Zaun abgesperrt. Wegen des „zunehmenden sozialen Drucks“ sah er seinen Betrieb gefährdet; Fäkalien, benutzte Spritzen und kaputte Glasflaschen fand er immer wieder rund um seine Imbissbude. Mit Zustimmung der Stadtverwaltung hat er darum eine Terrasse eingezäunt. Der Drogenszene, für die der Worringer Platz ein wichtiger Treffpunkt ist, fehlt damit aber ein Aufenthaltsort. Nahezu alle Bänke sind nicht mehr für die Öffentlichkeit nutzbar. „Dieser Zaun ist menschenverachtend“, sagt Hubert Ostendorf von der Obdachlosenhilfe Fiftyfifty.

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„Suchtkranke Menschen werden bei der Stadtplanung nicht berücksichtigt“, sagt Michael Harbaum von der Drogenhilfe, die ihre Beratungs- und Konsumräume in direkter Nähe betreibt. „Und nun wundert man sich, dass es zu Konflikten kommt.“ Die Szene am Worringer Platz etwa sei keineswegs homogen, hier träfen ganz unterschiedliche Gruppen aufeinander. Nehme man ihnen den Platz, erhöhe sich das Konfliktpotenzial, es komme schneller zu Auseinandersetzungen, sagt Harbaum. Die Wohnungslosen wichen in Hauseingänge aus, Drogenabhängige konsumierten häufiger offen statt versteckt. „Verdrängung löst das Problem nicht.“

Der Zaun am Worringer Platz sei ein weiteres, sehr eindeutiges Signal an Drogenabhängige und Wohnungslose, dass sie dort nicht willkommen seien. Es sei bei Weitem nicht das einzige Zeichen dieser Art. „Das ist ein jahrelanger Prozess, vor dem wir immer gewarnt haben“, sagt Harbaum. Mit dem Platz vor dem Immermannhof und dem Postpost-Gelände seien bereits zwei wichtige Aufenthaltsorte verschwunden. Der Worringer Platz sei bislang einer der wenigen Plätze gewesen, an denen die Betroffenen sich aufhalten konnten. Weiter zugespitzt habe sich die Situation auch durch geringere Kapazitäten von Hilfseinrichtungen seit Beginn der Corona-Pandemie. Spätestens im Herbst brauche es eine innenstadtnahe Einrichtung als Treffpunkt für die Szene, findet Harbaum.

„Diese Entwicklung macht uns große Sorgen“, sagt Bezirksbürgermeisterin Annette Klinke. Auch Umgestaltungen des Heinrich-Heine-Platzes und des Vorplatzes am Hauptbahnhof seinen in der Planung, auch dies seien ähnliche Treffpunkte. „Wir müssen eine Platznutzung für alle hinbekommen“, sagt die Grünen-Politikerin. Für den Zaun auf dem Worringer Platz habe die Stadtverwaltung zwar die Zustimmung gegeben, diese sei aber an allen politischen Gremien vorbeigegangen, sagt Klinke. Weder sei die Umzäunung ein Thema in der Bezirksvertretung gewesen, noch habe der kriminalpräventive Rat etwas von der Entscheidung gehört. Auch mit der Drogenhilfe oder den Streetworkern von Axept habe es keine Gespräche gegeben.

Erst als der Zaun schon stand, machte eine Anfrage der Grünen im Stadtrat die Hintergründe öffentlich. Planungsdezernentin Cornelia Zuschke verteidigte das als Teil einer wirksamen Sozialkontrolle. Die Glasbausteine und die Baumgruben würden als Drogendepots genutzt. Mit einer eingezäunten Terrasse bestehe die Hoffnung, dass sich das Umfeld belebt und durchmischt, der Platz weniger verwahrlost, heißt es aus dem Rathaus.

Wie verhärtet die Fronten auf dem Worringer Platz mittlerweile sind, zeigte sich am Donnerstag ganz deutlich. Fiftyfifty hatte direkt am Zaun neue Sitzgelegenheiten aufgestellt. Dort führte das Füttern von Tauben zu einem so heftigen Streit, dass eine Frau aus der Gruppe der Suchtkranken den Betreiber der Pizzeria körperlich angriff. Die Drogenabhängigen und Wohnungslosen fühlen sich ihres Lebensmittelpunktes beraubt, der Gastronom fürchtet um die Existenz seines Betriebs. Die Bänke wurden schließlich auf die andere Seite des Platzes verschoben. Damit noch einmal alle Parteien ins Gespräch kommen, soll es nun einen runden Tisch geben. Das hatte Bürgermeister Josef Hinkel (CDU) nach dem Streit am Donnerstag angekündigt.