Düsseldorf: Obdachlose vom NRW-Forum kommen in Einfamilienhäuser in Hamm unter

Ungewöhnliche Lösung in Düsseldorf : Obdachlose vom NRW-Forum ziehen in Häuser mit Garten

Stadt und Obdachlosenhilfe haben sich eine ungewöhnliche Lösung für die Obdachlosen am Düsseldorfer NRW-Forum ausgedacht: Sie werden samt Hunden in zwei leerstehende Häuser in Hamm einquartiert. Nun erklärten die Beteiligten, wie es dazu kam.

Kai freut sich. „Aber klar“, sagt er. Am Freitagmorgen zieht er um. Zusammen mit fünf weiteren Männern, zwei Frauen und (je nach Darstellung) fünf bis sechs Hunden, die bisher in einem Camp aus Zelten am NRW-Forum übernachteten. Es geht in zwei Einfamilienhäuser nach Hamm. Jedes ist 120 Quadratmeter groß, hat einen Garten mit alten Bäumen, vier Zimmer, einen Gemeinschaftsraum und eine Küche. Rudimentär möbliert werden sie auch sein.

Die beiden Häuser in Hamm sind die Antwort der Stadt auf ein Problem, das den ganzen Winter diskutiert wurde: Manche Bürger fühlten sich von den Obdachlosen am NRW-Forum gestört. Zwischendurch hängte das Ausstellungshaus Zettel auf: Das Camp werde bald nicht mehr geduldet. Nach öffentlichem Protest wurde das Ultimatum wieder zurückgenommen. Man werde die Zeltbewohner zumindest so lange in Ruhe lassen, hieß es von Seiten der Stadt, bis die Winterversorgung der Obdachlosen mit Notschlafstellen ende – am 15. April.

Auch die Zeltbewohner selbst wünschten sich eine andere Unterbringung. „Demnächst wäre ja die Schikane durch das Ordnungsamt wieder losgegangen“, sagt Kai. Allerdings wollte die Gruppe, deren ältestes Mitglied 40 Jahre alt sein soll, zusammenbleiben – und auch die Hunde nicht aufgeben. Damit fielen alle Standard-Angebote der Düsseldorfer Obdachlosenhilfe weg.

„Wir haben nun nach drei Monaten Beratung eine Lösung gefunden, die sich so zu Anfang niemand hätte vorstellen können“, verkündete Stadtdirektor Burkhard Hintzsche am Donnerstag. Die Gruppe kommt in den zwei Häusern unter, die der Stadt gehören. Zuvor waren diese zur Unterbringung von Flüchtlingsfamilien genutzt worden, dann für die Betreuung unbegleiteter Minderjähriger. „Die Häuser waren zuletzt nicht in einem Zustand, dass man sie einfach hätte vermieten oder anderweitig nutzen können“, betont Miriam Koch, Leiterin des Amts für Migration und Integration.

Seit etwa einer Woche werde an dem Haus eifrig gearbeitet, erzählt Clarissa Schruck, die sich vonseiten der Diakonie um das Projekt kümmert. „Es werden neue Scheiben eingesetzt, eine Grundreinigung war nötig, gerade sind die Maler zugange.“ Am Freitagmorgen stellt die Diakonie den neuen Bewohnern dann ein Auto mit Fahrer zur Verfügung. Am NRW-Forum hat sich tatsächlich so einiges angesammelt, die Zeltbewohner haben bereits mehrere Umzugskartons mit ihrer persönlichen Habe gefüllt. „Die Gruppe war bass erstaunt“, sagt Schruck. „,Ist das wirklich wahr?’, haben sie gefragt. Und auch schon überlegt, wer welches Zimmer bekommt.“

Dass diese Obdachlosen nun in Hamm untergebracht werden, ist eine unkonventionelle Lösung. So gibt es keinen Mietvertrag. Auch darüber, wer die laufenden Kosten trägt, wird offenbar noch verhandelt. „Das ist kein zukünftiges Modell für Düsseldorf“, betont Stadtdirektor Hintzsche. Es handele sich um eine individuelle Lösung für diese spezifische Gruppe. Falls sich weitere Obdachlose am NRW-Forum ansiedelten, würden sie – jedenfalls in den Sommermonaten – dort nicht geduldet.

Den Obdachlosen in Hamm soll nun durch Sozialarbeit geholfen werden. Für immer sollen sie nicht umsonst in den Häusern wohnen. Aktuell wird nach einer Sozialarbeiterin gesucht, die sie betreut. Die Stelle ist auf zwei Jahre ausgelegt.

110419 2 HŠuser fŸr die Obdachlosen Všlklinger Strasse 109A Foto: Andreas Bretz. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Unsere Autorin findet den Ansatz der Stadt lobenswert, weil mutig .

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