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Düsseldorf: Abiturienten finden die Regeln für die Mottowoche zu streng

Schulen in Düsseldorf : Abiturienten finden die Regeln für die Mottowoche zu streng

Die Zeiten, in denen Abiturienten in ihrer letzten Woche an der Schule Mobiliar beschädigten und Unterricht im Lärm wummernder Bässe unterging, sind vorüber. Dafür sorgen frühzeitige Absprachen und klare Regeln.

Ein paar lange Gesichter gab es am Donnerstag bei den Abiturienten des Gerresheimer Gymnasiums am Poth. „Wir wollten die Klassen der Jüngeren stürmen, aber die Lehrer haben viele von uns eingefangen und in den Unterricht zurückgeholt“, sagt Valentina Kramer. Als sie selbst in der fünften Klasse war, sei alles viel entspannter gewesen. „Damals wurden alle auf den Schulhof geholt und hatten einen Riesen-Spaß.“

Auch ein Auto, aus dem die Bässe mal so richtig wummern sollten, wurde an den Rand des Schulhofs verbannt. Und das Motto für einen der Mottotage („Asis versus Reiche“) sei gestrichen. „Wir sollten uns nicht lustig machen über junge Leute, die das Abitur nicht erreichen können“, erläutert Valentina. Diesen Punkt versteht sie. „Aber insgesamt würde ich mich über etwas mehr Freiheit freuen.“

Das sieht Moritz vom Luisen-Gymnasium in der City genauso. „Es gibt Zettel, auf denen auch Eltern unterschreiben müssen, dass sie bei mutwilligen Zerstörungen haften“, sagt der 18-Jährige. Gemeinsam mit anderen aus der Q2 hat er sich an diesem Dienstag landestypisch verkleidet. „Nationalitäten“ lautet das Motto. Die Stimmung unter den Mit-Abiturienten sei gut. „Aber je mehr sanktioniert wird, desto mehr verfestigt sich der Eindruck, dass die Schulleitung uns nicht wirklich vertraut.“

Für härtere und besser kontrollierte Regeln in den alljährlichen Mottowochen hatte es in den vergangenen Jahren gute Gründe gegeben. So war 2016 der Hausmeister des Comenius-Gymnasiums in Oberkassel überfallen und verletzt worden. Er hatte die Jugendlichen, die – so die Vermutung – auf eine andere Schule gingen, zuvor aufgefordert, das Gelände zu verlassen.

Drei Jahre zuvor hatten Angehörige des Abiturjahrgangs am Kaiserswerther Fliedner-Gymnasium in den Fluren mit Feuerlöschern Schaum versprüht, Einrichtungsgegenstände waren zu Bruch gegangen. Auch „Besuche“ zwischen nahe gelegenen Schulen sorgten immer mal wieder für Ärger. In der Folge hatten einige Schulen entschieden, den Abi-Gag zu verbieten.

Doch inzwischen ist es ruhiger geworden. Sind die 17- und 18-Jährigen angepasster, mehr an glitzernden (und teuren) Abibällen als am generationstypischen Aufbegehren interessiert? „Das glaube ich nicht“, sagt Schuldezernent Burkhard Hintzsche. Dagegen spreche unter anderem das Engagement der Heranwachsenden für „Fridays for Future“. „Die hängen sich rein, wenn es um wichtige Ziele geht.“ Dass es ruhiger zugehe, habe wohl andere Gründe.

Das schätzt Ralf Schreiber, Leiter des Goethe-Gymnasiums und Sprecher dieser Schulform, ähnlich ein: „Wir führen bereits im Vorfeld viele Gespräche miteinander, beteiligen die Schüler, Jahrgangsstufenleiter und Oberstufen-Koordinatoren.“ Am Ende stünden dann klare Regeln: kein Alkohol, keine Drogen, keine Beschädigungen, keine Ehrverletzung. „Und die klare Ansage: Wird das missachtet, werden die restlichen Mottowochen eben abgesagt.“