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NRW-Forum Düsseldorf: Macht Alain Bieber doch weiter?

NRW-Forum in Düsseldorf : Macht Alain Bieber doch weiter?

Überraschende Kehrtwende in Düsseldorf: Die Politik redet mit dem Direktor des NRW-Forums über eine Verlängerung seines Vertrags. Die wütende Abschieds-Ankündigung hat offenbar vieles in Bewegung gebracht.

In einem wütenden Interview hat Alain Bieber mit der Düsseldorfer Kulturpolitik abgerechnet – nun stehen die Zeichen überraschend doch wieder auf eine Fortsetzung seiner Arbeit als Direktor des NRW-Forums. Der Aufsichtsrat hat sich nach Informationen unserer Redaktion am Freitag mit breiter Mehrheit für eine Zukunft mit Bieber ausgesprochen, bei einem Abendessen mit OB Thomas Geisel und CDU-Politiker Marcus Münter zeigte dieser sich daraufhin am Montag bereit zu Gesprächen.

Im März hatte der 40-Jährige im Interview mit unserer Redaktion beklagt, dass er zu wenig politischen Rückhalt für seine Arbeit wahrnimmt. Er vermisse in Düsseldorf „den Mut zur Erneuerung, die Aufgeschlossenheit gegenüber ungewöhnlichen Experimenten, zeitgenössischen Kulturdiskursen und der Digitalisierung“, war sein bitteres Fazit nach vier Jahren im Amt. Bieber hat sich mit Ausstellungen und Veranstaltungen zu Zeitgeist-Themen wie Selfies oder Pizza einen Namen gemacht, die Kulturszene aber auch gespalten. Der größte Erfolg bei den Besuchern war eine Ausstellung, die der Satiriker Jan Böhmermann mit kuratierte.

Biebers Äußerungen lösten offenbar Widerspruch unter den Kulturpolitikern aus, die sich und die Stadt anders wahrnehmen. Geisel und die Ratsleute von SPD und FDP hatten sich ohnehin für eine weitere Amtszeit von Bieber ausgesprochen, nun hat auch die CDU-Opposition Bieber den Rücken gestärkt und sich für Gespräche über eine Fortsetzung ausgesprochen. Zwei unabhängige Experten im Aufsichtsrat betonten ebenfalls, dass Bieber mit seinem Schwerpunkt auf Digitalisierung und ein jüngeres Publikum genau das Konzept umsetzt, für das er geholt worden war.

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Der Aufsichtsrat stellte sich schließlich geschlossen hinter die Ausrichtung des Hauses und die Person Bieber. Nur Clara Gerlach (Grüne), die immer wieder Biebers Arbeit kritisiert hat, votierte dagegen. Sie werde sich aber seine Ideen anhören und hoffe auf eine „schlüssige Gesamtkonzeption“, sagte sie auf Nachfrage. Bei der Abstimmung über die Frage, ob über einen neuen Vertrag verhandelt werden soll, enthielt sich zudem ausgerechnet Kulturdezernent Hans-Georg Lohe.

Oberbürgermeister Thomas Geisel zeigt sich zufrieden mit der Wendung. „Ich freue mich, wenn Alain Bieber sein kreatives Engagement für die Düsseldorfer Museumslandschaft fortsetzt“, sagt Geisel, der sofort angekündigt hatte, mit ihm noch einmal zu sprechen. „Der Aufsichtsrat hat noch nicht entschieden, aber wie es aussieht, kann ein drohender Verlust für die kulturelle Vielfalt unserer Stadt abgewendet werden.“ CDU-Kulturpolitiker Marcus Münter sagt, er halte den von Bieber eingeschlagenen Weg für gut, findet es aber auch wichtig, dass sich das Haus in den kommenden Jahren weiterentwickelt. „Ich möchte über eine Fokussierung des Programms sprechen.“

Hintergrund für Biebers Kritik waren auch einige politische Konflikte gewesen, in denen er sich zu wenig unterstützt fühlte. Als er ein neues Fotofestival für die Stadt kuratieren sollte, kam es zum Bruch mit dem privat organisierten Photo Weekend. Aus Teilen der Kulturszene stand Bieber zudem unter Beschuss, als bei einer Ausstellung fast keine Künstlerinnen beteiligt waren. Die Grünen machten das zum Thema im Kulturausschuss. Dazu kam in diesem Winter der Konflikt um die Wohnungslosen, die im Ehrenhof campieren.

Bieber selbst sagte am Donnerstag nur, es habe eine „gute Aussprache“ gegeben. Entschieden sei noch nichts. „Wir sind aber wieder im Gespräch.“