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Düsseldorf: Die Stadt der Zukunft ist gemischt

Düsseldorfs City : Wie die Handelsstadt der Zukunft aussieht

Während der stationäre Einzelhandel in die Krise rutscht, stellt sich die Frage nach der Entwicklung der Innenstädte immer dringender. Experten aus der Branche sowie aus der Stadtverwaltung Düsseldorf geben bereits eine eindeutige Antwort.

„Sind unsere Städte noch zu retten?“, hatte der in Düsseldorf lebende Philosoph Richard David Precht in seiner jüngsten Fernsehsendung provokant gefragt und damit eine Debatte aufgegriffen, die in der Landeshauptstadt als so genanntem Oberzentrum erst recht geführt wird. Was heißt es, wenn der stationäre unter dem Druck des online abgewickelten Handels wegbricht? Wie bleiben Innenstädte attraktive Anziehungspunkte – anstatt sich zu leeren? 

Antworten darauf haben am Donnerstag die Teilnehmer einer Diskussion gefunden, zu der die Akademie der Immobilienwirtschaft digital geladen hatte. Mit dabei war auch Düsseldorfs Planungsdezernentin Cornelia Zuschke, die Einblick in ihre Zukunftskonzepte gab. In großer Einigkeit mit den Vertretern der Branche machte sie sich stark für eine gesunde Mischung. Weg von der Monokultur, hin zu einer „multifunktionalen Stadt“, in der Arbeit, Freizeit und Wohnen zusammenwachsen.

Zum Gelingen müsse die Stadt zu einem „Reallabor“ werden, in dem Dinge ausprobiert werden und in dem der Handel sich wie immer in seiner Geschichte mitwandele und „so selbst zum Wandel wird“.

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Auch Christine Hager, Vorsitzende des Vorstands des German Council of Shopping Places und Managing Director der Redos-Gruppe, forderte mehr Experimente ein und betonte, dass Shopping in Zukunft nur eine von vielen Optionen in der Innenstadt und in Einkaufscentern sein könne. „Mixed used“ gab sie als Schlagwort vor. Ein wichtiger Faktor sei mehr Entertainment und nicht mehr nur die Bowlingbahn im Keller. Diesen Ansatz sah auch Joanna Fisher, CEO ECE-Marketplaces (unter anderem Bilker Arcaden), so. Handel sei auch im Einkaufscenter zwar der Kern, der müsse aber mit mehreren Faktoren ergänzt werden. Sie gab allerdings zu bedenken, dass solche Konzepte in einer Mall viel leichter umzusetzen seien als in einer Innenstadt mit vielen verschiedenen Vermietern.

Denn sind Eigentümer überhaupt zu Experimenten und damit niedrigeren Mieten bereit? Fisher betont, dass das schon heute der Fall sei, wenn das Konzept eine entsprechende Langfristigkeit verspreche. Und Beraterin Anette Schubert, Inhaberin Fidus Real Estate, empfiehlt zudem, auch hier Dinge etwa mit Pop-up-Stores auszuprobieren. Der Trend gehe schon heute zu umsatzbasierten Verträgen und kürzeren Laufzeiten. Zuschke spitzt die Lage der Eigetümer da sogar mit der Alternative „Leerstand oder Experiment“ zu. Politik und Verwaltung könnten da unterstützend eingreifen, Konzepte fördern.

Zumal eine weitere Nutzung stärker in die City zurückkehren könne: Wohnen. Hierzu passe bereits der Trend, der ins Zentrum zurückkehrenden Nahversorger. Ein weiterer Aspekt der Stadt der enormen Vielfalt – mit Kitas, Schulen, Kultur, Gesundheitsangeboten, neuer Mobilitätskonzepte für kurze Wege, mit Plätzen von hoher Aufenthaltsqualität und einer zurückkehrenden Produktion. Sie verwies etwa auf das Projekt für „Vertical Farming“ am Carlsplatz. Auch das Erstarken der Fahrradindustrie sei schon zu bemerken. Die Innenstadt werde im Zuge von immer mehr politischen Demonstrationen sogar wieder zu einer Agora.

Für Zuschke geht es bei der Stadt der Zukunft am Ende um das Zusammenkommen all dieser Nutzungen der Innenstadt. Es gehe darum, gute Plätze zu kreieren, um eine Art „erweiterte Wohnung, ein Stück Heimat“.

Bei der Umsetzung, wie von Zuschke beschrieben, auf Beteiligung der Bürgerschaft zu setzen, ging Dirk Hünerbein, Director of Development Germany, Unibail-Rodamco-Westfield, allerdings nicht weit genug. Er forderte eine Institutionalisierung der Zusammenarbeit von Eigentümern, Politik sowie Mieter und Nutzer an einem Tisch, moderiert von Profis. „Dialog ist da zu wenig“, sagte er.

Hünerbein betonte zudem, dass die Bedeutung von Ankermietern als Anziehungspunkte in einer Stadt noch weiter gefasst werde müsse. Er empfahl etwa, dass sich die Kirchen und Kultureinrichtungen viel stärker im öffentlichen Raum zeigen sollten. Bezogen auf den Handel ergänzte Fisher von ECE, dass extrem dynamisch auf die Nachfrage der Menschen reagiert werden müsse und statt eines Ankermieters neue Kombinationen von Angeboten gefunden werden müssten. „Hier ist bei Eigentümern und Städten hohe Flexibilität gefragt.“

Für Städte wie Düsseldorf müssen die Sorgenfalten laut Beraterin Schubert übrigens nicht ganz so ausgeprägt sein. „In den großen Metropolen sind die Selbstheilungskräfte sehr ausgeprägt, sie werden weiter wachsen und attraktiv bleiben.“ Kritischer sehe sie da die Lage in kleinen und mittelgroßen Städten.