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Corona in Düsseldorf: 110-Betrüger und falsche Polizisten schlagen zu

110-Trick : Polizei warnt Senioren vor dreisten Corona-Betrügern

Seit Ostern haben in Düsseldorf vermehrt sogenannte 110-Betrüger zugeschlagen. Laut Polizei erbeuteten sie in wenigen Tagen hohe Summen. Jetzt versuchen die Ermittler auf neuen Wegen, die Opfer zu warnen - nämlich über Freunde, Bekannte und Verwandte.

Düsseldorf Seit Ostern ist die Zahl der Anzeigen wegen Betrugsversuchen am Telefon in Düsseldorf drastisch gestiegen. Allein seit vergangenem Freitag (17. April) wurden rund 100 Strafanzeigen gestellt. Meist blieb es beim Versuch. Das ist bei solchen Delikten normal. In den Fällen, in denen die Verbrecher Erfolg haben, erbeuten sie hohe Summen.

Basierend auf einem der jüngsten Fälle hat die Polizei ein abgewandeltes Vernehmungsprotokoll eines Geschädigten veröffentlicht. Beim Lesen wird deutlich: Die Anrufer gehen psychologisch höchst geschickt vor. In diesem Fall suggerierten sie einem Düsseldorfer Senioren, sie hätten bei einem Einbrecher einen Zettel mit seinem Namen gefunden. Sein Geld sei auf der Bank nicht sicher. Mit vielen Details überzeugen sie den anfänglich skeptischen Mann, 10.000 Euro abzuheben. Noch perfider: Sie bringen ihn dazu, bei einer Seniorin in Neuss eine Tasche mit Wertsachen abzuholen und mitsamt seinem eigenen Geld auf einem Parkplatz zu deponieren. Erst als sie ihn überreden wollen, ein weiteres Konto zu leeren, klärt ihn seine Enkelin über die Masche auf. Doch da ist er schon viel Geld los.

Genaue Größenordnungen will die Polizei nicht nennen. Sprecher Kim Freigang macht aber sehr  deutlich, dass es aktuell um außergewöhnlich hohe Schadenssummen geht,  insbesondere auf die kurze Zeit gerechnet. Hinzu komme vermutlich eine hohe Dunkelziffer. Eine Vergleichszahl: Mindestens 689.000 Euro erbeuteten Betrüger 2019 bei Düsseldorfer Senioren. In der Polizeistatistik für 2020 wird dieser Wert sehr deutlich übertroffen werden – das steht schon heute fest.

Ein halbes Dutzend Polizeimitarbeiter waren deshalb am Freitagmittag im Linksrheinischen unterwegs, verteilten Flyer und führten Info-Gespräche. Die Zielgruppe: alle Menschen, die zum Zuhören bereit waren. „Wir sprechen heute das Umfeld der Opfer an – Angehörige, Freunde, Bekannte. Jeder, der einen Menschen kennt, der ins Visier der Betrüger geraten könnte, sollte ihn  eindringlich warnen“, so Polizeisprecher Freigang.

Mit unterwegs war auch Kriminalhauptkommissar Reinhard Busch aus der Beratungsstelle in der Luisenstraße. Einer über 90-Jährigen überreicht er am Barbarossaplatz einen Flyer. „Die Masche kenne ich aus dem Fernsehen“, erklärt die Dame sofort. „Ich habe die Tage gerade bei der Polizei gemeldet, dass mich in kurzen Abständen jemand angerufen und gefragt hat: Haben Sie ein Sparbuch?“ Drei Mal habe es solche Anrufe gegeben. „Lassen Sie sich auf kein Gespräch ein“, warnt Busch sie. „Man muss leider heutzutage manchmal unhöflich an der Tür oder am Telefon sein.“ Die Kampagne der Polizei heißt passend dazu „Düsseldorf legt auf“.