Dormagen: Wird aus Kirche Supermarkt?

Dormagen: Wird aus Kirche Supermarkt?

Vor wenigen Wochen fand in der Johanneskirche in Hackenbroich der letzte Gottesdienst statt. Jetzt steht das Gebäude leer – und die evangelische Kirche will das Grundstück verkaufen. Was dort entstehen soll, ist umstritten.

Vor wenigen Wochen fand in der Johanneskirche in Hackenbroich der letzte Gottesdienst statt. Jetzt steht das Gebäude leer — und die evangelische Kirche will das Grundstück verkaufen. Was dort entstehen soll, ist umstritten.

Hackenbroich Es ist das zweite Gotteshaus, das die evangelische Kirche in Dormagen innerhalb weniger Jahre aufgibt: Die Markuskirche in Horrem wurde abgerissen, dort baute das evangelische Sozialwerk ein Seniorenzentrum. Seit wenigen Tagen steht jetzt auch die Johanneskirche leer, nachdem sie entwidmet worden war. Während in Horrem vor allem die Trauer der Gemeindemitglieder um den Verlust ihrer Kirche im Vordergrund stand, zeichnet sich in Hackenbroich ein Konflikt um die weitere Nutzung des Grundstücks ab. Eigentlich hatte die evangelische Kirche geplant, sich die Horremer Lösung zum Vorbild zu nehmen, damit dort, wo bisher Christen Gottesdienste feierten, auch weiterhin soziales Leben im Vordergrund steht. Die Rede war beispielsweise von seniorengerechten Wohnungen. Doch die Vermarktungssituation an diesem Standort scheint so schwierig zu sein, dass die Kirche jetzt auch über ganz andere Lösungen nachdenkt.

Im Rathaus liegt jetzt die Voranfrage für den Bau eines Discount-Marktes mit 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche vor. "Das hat uns doch sehr überrascht", sagt Ralf Schenk, Leiter der Bauaufsicht. Und die Stadt ist alles andere als begeistert. Das Planungsrecht an diesem Standort müsse in jedem Fall angepackt werden, sagt Schenk. Denn zurzeit dürfen dort Kirchen und Gebäude stehen, die kirchlichen Zwecken dienen. Wenn das Gelände verkauft und anderweitig genutzt werden soll, muss diese Vorgabe geändert werden. Während er sich Wohnbebauung gut vorstellen kann, hält er einen Supermarkt jedoch für alles andere als geeignet. "Das Grundstück grenzt direkt an ein reines Wohngebiet", sagt er. Ein Markt mit geplanten 134 Stellplätzen sei für die Nachbarn eine zu große Belastung. Und eine bereits geplante Lärmschutzwand würde ihre Wohnqualität ebenfalls einschränken. Außerdem seien negative Auswirkungen auf das benachbarte Einkaufszentrum Moselstraße zu befürchten. Ein weiterer Supermarkt für Hackenbroich sei sicherlich eine Überlegung wert. "Aber nicht an dieser Stelle", so Schenk. Die Stadt wolle jetzt das Gespräch mit der Kirchengemeinde suchen, um andere Lösungen zu finden.

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Und das wird nicht so einfach, meint der evangelische Pfarrer Frank Picht. "Uns wären seniorengerechte Wohnungen oder eine andere soziale Nutzung auch lieber, aber der einzige Investor, den ein von uns engagierter Makler bis jetzt präsentieren konnte, wollte einen Discounter bauen", sagt er. Wenn die geplanten Wohnungen für ältere Menschen am Kreiskrankenhaus gebaut würden, sehe er keinen weiteren Bedarf für ein ähnliches Projekt an dieser Stelle. Deshalb müsse die Kirche flexibel bleiben, denn: "In erster Linie müssen wir dieses Grundstück überhaupt einmal loswerden — und zwar zu einem marktgerechten Preis", sagt Picht. Die schlechteste Entwicklung sei sicherlich, wenn dort über Jahre eine Brachfläche entstehen würde. "Gerade in Hackenbroich wäre so ein toter Punkt gar kein guter Zustand", so der Pfarrer.

Deshalb will er die Stadt — auch auch die Dormagener Kommunalpolitiker — davon überzeugen, das Planungsrecht an diesem Standort nicht zu eng zu fassen. "Wenn ein Discounter nicht erwünscht ist, können wir damit leben", betont er. "Aber es darf kein Beschluss gefasst werden, der die Möglichkeiten an dieser Stelle so einengt, dass wir keine realistische Chance haben, einen Käufer zu finden."

(RP)
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