Dormagen: Trickbetrug: Schon vier Opfer

Dormagen : Trickbetrug: Schon vier Opfer

Vier Dormagener wurden in diesem Jahr bereits Opfer von Trickdiebstahl. Meist in der verkehrsgünstig gelegenen Postbankfiliale Römerstaße. Wahrscheinlich sind es Banden, die Kinder auf ältere Leute ansetzen.

Den 26. April 2012 hat Hermann Harig bis heute nicht vergessen. Damals ist der rührige CDU-Kommunalpolitiker Opfer von Trickbetrügern geworden, als er in der Postfiliale an der Römerstraße Geld am Automaten abholen wollte. Der Schaden für den 74-Jährigen: 1000 Euro. "Heute gehe ich immer drinnen an den Schalter, wenn ich Geld abheben will." Harig ist kein Einzelfall, innerhalb von acht Tagen gab es in diesem Monat zwei weitere Trickbetrügereien, einer davon konnte im allerletzten Moment verhindert werden. Eine Konsequenz: Die Postbank will kurzfristig Veränderungen an ihren Automaten vornehmen.

Die Masche ist immer die gleiche. Harig beschreibt: "Als ich die EC-Karten in den Schlitz gesteckt und meine Geheimzahl eingetippt habe, taucht plötzlich ein Junge rechts neben mir auf. Der hält mir eine Zeitschrift vor die Nase, will irgendetwas wissen." Von links bedrängt ihn zugleich ein zweiter Junge, drückt blitzschnell die 1000-Euro-Taste und entnimmt das Geld. Dann flüchtet das Duo. "Es ging alles furchtbar schnell."

Harig ist kein Einzelfall. Mitte des Monats ist es eine 64-Jährige, die von zwei Kindern (Junge und Mädchen, acht bis zwölf Jahre alt) bedrängt wird. Sie ruft zwar laut nach der Polizei, doch zu spät: Die hohe Auszahlungssumme wird eingegeben und das Geld gestohlen. Und am Dienstag verhindern das potenzielle Opfer, ein 64-Jähriger, und ein Zeuge ganz knapp den Trickdiebstahl. Aber nicht immer ist es die Postbank-Filiale.

Anfang des Monats warnt die Commerzbank mit Hinweisen im Fenster vor Trickbetrügern, weil mehrfach Jungen versucht haben, Kunden am Geldautomaten abzulenken.

Bei der Postbank hat man die Problematik offenbar erkannt: "Wir arbeiten an Maßnahmen", sagt Pressesprecher Ralf Palm. "Wir planen Veränderungen an den Geldautomaten. Spruchreif ist noch nichts, aber voraussichtlich schon im November könnten sie greifen." Ob es (auch) eine Videoüberwachung geben wird, ließ Palm offen: "Wir haben alles in der Diskussion." Dass es bei der Postbank als einzige Bank in der Umgebung die Möglichkeit gibt, auf dem Display die 1000-Euro-Taste zu drücken und sie daher bevorzugtes Ziel der Trickbetrüger ist, hält Polizei-Sprecherin für "Spekulation".

Die Polizei reagiert mit verstärkten Kontrollfahrten in Bereich Römerstraße. Drawe empfiehlt, auf den Sicherheitsabstand am Geldautomaten zu achten, sich dort nicht ablenken zu lassen und im Zweifelsfall schnell den Vorgang abzubrechen. "Wenn schnell die 110 angerufen wird, haben wir die Chance, die Täter zu erwischen." Geklärt ist noch keiner der vier Dormagener Trickdiebstahl-Fälle.

(NGZ/rl/top)
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