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Interview: "Wir sitzen in Dormagen wie eine Spinne im Netz"

Interview : "Wir sitzen in Dormagen wie eine Spinne im Netz"

Interview mit Peter-Olaf Hoffmann (CDU) über Stärken, Schwächen und Chancen seiner Stadt – und ein ereignisreiches Jahr nach der Wahl zum Bürgermeister.

Interview mit Peter-Olaf Hoffmann (CDU) über Stärken, Schwächen und Chancen seiner Stadt — und ein ereignisreiches Jahr nach der Wahl zum Bürgermeister.

Seit rund einem Jahr führt Peter-Olaf Hoffmann die Stadt als Bürgermeister. Heiko Schmitz sprach mit dem CDU-Politiker und Verwaltungschef über die künftige Entwicklung Dormagens, Stärken und Schwächen der Stadt sowie über ihr politisches und gesellschaftliches Leben.

Herr Hoffmann, wie würden Sie Dormagen in drei Worten beschreiben?

Peter-Olaf Hoffmann Für mich persönlich ist die Stadt vor allem Heimat. Dazu fallen mir die Begriffe "Vielfalt" und "liebenswert" ein.

Was sind für Sie die schönsten Seiten der Stadt. Was muss man sehen?

Hoffmann Sicher Zons, den Tannenbusch und Kloster Knechtsteden.

Ihr Vorgänger Heinz Hilgers hat gesagt, Dormagen bilde die goldene Mitte zwischen Köln und Düsseldorf. Sehen Sie das auch so?

Hoffmann Nein, das würde ich nicht sagen. Wir sitzen eher wie eine Spinne im Netz: Um uns herum spielt sich das großstädtische Leben ab mit seiner einzigartigen Infrastruktur.

Was bedeutet das für Dormagen?

Hoffmann Eine große Chance ist, den Menschen Wohnraum zu bieten: Hier lebt man klein- oder mittelstädtisch, aber auch ländlich. Man ist in 20 Minuten in Köln oder Düsseldorf. Wir bieten aber auch in Dormagen und in der nahen Umgebung zehntausende Arbeitsplätze — das ist der Grund für die niedrige Arbeitslosenquote. Wir haben eine hervorragenden Straßen-, Schienen- und durch das UCT-Terminal in Stürzelberg sogar Wasseranbindung — welche Stadt in unserer Größe kann das schon bieten?

Welche Stärken hat Dormagen noch?

Hoffmann Unsere Infrastruktur bei Schulen- und Bildungseinrichtungen. Und eine Kölner Straße mit wenig Leerständen, die von den Dormagenern viel kritischer gesehen wird als von Besuchern.

Gibt es auch strukturelle Probleme?

Hoffmann Sicher die Tatsache, dass wir keine Bewegungsmöglichkeit nach Osten haben — mit dem Piwipper Bötchen bekommen wir künftig zumindest wieder eine touristische Verbindung nach Monheim. Dazu kommt, dass auch unsere Bevölkerung altert und die Großstädte durch ihren Nahverkehr für Ältere oft attraktiver sind — die Alterung der Gesellschaft ist das Zukunftsthema Nummer eins.

Sie sprachen auch von Arbeitsplätzen...

Hoffmann ...da sind wir in der Tat noch zu Chempark-lastig. Wir als Stadtverwaltung sind der zweitgrößte Arbeitgeber. Es wurde früher versäumt, Gewerbegebiete in ausreichender Größe anzulegen. Dazu kommt, dass wir Auskiesungsgebiet und Wasserschutzzone sind und daher Beschränkungen bei der Entwicklung von Gewerbegebieten unterliegen. Finanzpolitische Sicherheit wird es auf Dauer nur geben, wenn wir die Einnahmen aus der Gewerbesteuer erhöhen können.

Sie sind seit einem Jahr Bürgermeister — was ist Ihnen gelungen, was nicht?

Hoffmann Gelungen ist mir, stabile politische Verhältnisse zu schaffen — eine Koalition aus CDU, FDP und Grünen, die gemeinsame Ziele verfolgt. Und das in einer Stadt, in der es schwer ist, absolute Mehrheiten zu erzielen — die gab es hier nur einmal von 1999 bis 2004. Außerdem bin ich froh, die Haushaltssicherung vermieden zu haben durch den Doppelhaushalt. Jetzt heißt es sparen. Dann werden wir Erfolge sehen, die uns politisch handlungsfähig bleiben lassen.

Was hat nicht funktioniert?

Hoffmann Ich hätte gerne gesehen, dass wir einen weiteren Beigeordnenten bekommen. Jetzt hoffe ich, dass wir durch den neuen Dezernenten entlastet werden. Bürgermeister und Kämmerer dürfen nicht nur Sachbearbeiter sein.

Sie reagieren mit einer "Jamaika-Koalition" - ein Modell für andere?

Hoffmann Es kommt immer auf die handelnden Personen an. Die Chemie muss stimmen. Es braucht gegenseitiges Vertrauen und Verlässlichkeit. In den Kommunen wird ja nicht ideologisch Politik gemacht, auch wenn jeder aufgrund seines Parteiprogramms Schwerpunkte setzt. Entscheidend ist, dass alle an der Entwicklung der Stadt arbeiten.

Welches sind die wichtigsten Projekte bei der Stadtentwicklung?

Hoffmann Sicher der neue Flächennutzungsplan und die Erschließung neuer Gewerbegebiete. Dazu ein Anschluss an die A57 im Norden. Und mehr zentrumsnahe, altengerechte Wohnungen.

Ist Dormagen denn auch für die Jungen und Familien attraktiv?

Hoffmann Ja, wir legen seit langem großen Wert auf die Förderung von Familien, zum Beispiel mit unserem Babybegrüßungspaket. Dazu kommen Freizeitangebote, die ländliche Umgebung, Jugendzentren in jedem Ortsteil und ein großes Angebot an Wohnraum — angefangen von der 60 000 Euro-Eigentumswohnung in Hackenbroich bis hin zu schönen Eigenheimen in allen Stadtteilen.

Treten Sie 2015 nochmal an?

Hoffmann Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe großen Spaß an der Arbeit und eine leistungsfähige Verwaltung, in der ich auch mit Kollegen gut zusammenarbeite, die ein anderes Parteibuch haben.

Welche Rolle spielt das Schützenwesen in Dormagen?

Hoffmann Traditionspflege ist wichtig und ein unverzichtbares Element des Miteinanders. Dahinter steckt ja letztlich ein Wertebewusstsein: Wir wollen Gutes an die nächste Generation weitergeben. Wichtig ist vor allem das gesellschafts- und sozialpolitische Engagement der Schützen, aber auch vieler anderer Ehrenamtler.

Sie leben in Stürzelberg...

Hoffmann ... seit 38 Jahren, seit ich verheiratet bin....

...was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Hoffmann Ich sage nur: Schützenwesen. Den Karneval hab ich aufgegeben, früher war ich sogar Prinz und Büttenredner.

Nochmal zum Thema Köln und Düsseldorf: Trinken Sie Alt oder Kölsch?

Hoffmann Ich habe mich von Ausnahmen abgesehen vom reinen Alt- zum Kölschtrinker entwickelt.

(NGZ)