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Dormagen: SPD will Insekten in Dormagen schützen

Dormagen : SPD will Insekten in Dormagen schützen

Der drastische Rückgang von Arten wie Wildbienen, Schmetterlingen, Nachtfaltern und Co. ist wissenschaftlich belegt. Die Sozialdemokraten möchten dieser Entwicklung mit einfachen Maßnahmen auf kommunaler Ebene begegnen.

Der Naturschutzbund in Deutschland (NABU) spricht von erschreckenden Ergebnissen. Gemeint sind die Daten, die ehrenamtlich tätige Insektenforscher seit 1989 über einen Zeitraum von gut 25 Jahren bei Erhebungen an mehr als 60 Standorten gesammelt haben. Sie belegen einen Rückgang von mehr als 75 Prozent an Biomasse bei Fluginsekten - und zwar nicht nur bei den seltenen oder ohnehin schon gefährdeten Arten, sondern bei den Insekten insgesamt.

Besorgniserregend ist das deshalb, weil das ökologische Gleichgewicht durch diese Veränderungen gestört wird. Insekten dienen nicht nur anderen Arten wie zum Beispiel Vögeln als Nahrung, sondern spielen zum Teil durch die Bestäubung eine wichtige Rolle für die Sicherung landwirtschaftlicher Erträge und für den Erhalt von Wildpflanzen. Die Dormagener SPD will den Tieren und dem Ökosystem helfen und hat jetzt die Anlage von Insektenwiesen in Dormagen beantragt.

Dass auch kleinere Maßnahmen, die auf den lokalen Raum beschränkt sind, Sinn machen, wird durch eine Aussage des Naturschutzbundes bestätigt: "Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob die Insektenwelt in Schwierigkeiten steckt, sondern wie das Insektensterben zu stoppen ist", heißt es auf dessen Internetseite. Carsten Müller, SPD-Ratsmitglied und Vorsitzender des Dormagener Planungs- und Umweltausschusses, glaubt, dass Hilfe für Insekten "mit vergleichsweise geringen Mitteln" auf kommunaler Ebene möglich ist.

"So kann auf ausgesuchten Flächen eine extensive und damit insektenfreundliche Pflege erfolgen, die mit der Aussaat passender Samenmischungen gebietsheimischer Wildblumen und Wildgräser unterstützt wird", meint Müller. Und zählt aus seiner Sicht dafür geeignete Areale auf: "Bestimmte Kreisverkehre, Randstreifen und ungenutzte Grünflächen könnten so bewirtschaftet werden, dass sie sich zum Lebensraum für Insekten entwickeln."

Der SPD-Politiker schlägt vor, dass die Technischen Betriebe Dormagen (TBD) und das Umweltteam der Stadt noch in diesem Jahr in Frage kommende Flächen bewerten und auswählen, "so dass bereits ab 2019 mit der Umsetzung begonnen werden kann".

Beraten werden soll über den Antrag in der nächsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses, der nach Karneval, am 20. Februar, wieder tagen wird (ab 17.30 Uhr im Ratssaal).

Müllers Parteikollegin Sonja Kockartz-Müller, planungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, äußert in diesem Zusammenhang noch einen weiteren Wunsch. "Das Projekt muss nachhaltig angelegt werden, so dass die für die Insekten zur Verfügung gestellten Flächen auf längere Zeit reserviert, die Anzahl erweitert und die notwendige Pflege mit aufgenommen werden kann."

Die Bürgerschaft würde sie gerne in die Projekte und Aktionen einbinden. Kockartz-Müller: "Schulen, Kindergärten, Initiativen und Privatpersonen sollen bei der Anlage von Insektenwiesen und auch von Insektenhotels mit einbezogen werden." Ein besonderer Anreiz schwebt ihr ebenfalls vor: Ideen und Projekte könnten dann auch mit dem kommenden Nachhaltigkeitspreis prämiert werden, schlägt sie vor.

Unterdessen war im vergangenen Sommer und Frühherbst in Zons eine Untersuchung gelaufen, die sich ebenfalls mit Insekten beschäftigte, wenn auch nicht mit deren dramatischem Rückgang. Konkret ging es dabei vielmehr um eine Bestimmung derjenigen Arten, die sich die Mauerkronen und deren spezielle Bedingungen als Lebensraum aussuchen. Und da bot sich der Ring um die mittelalterliche Zollfeste natürlich als Forschungsraum für die Erhebung an.

Zwei Fallen waren dazu auf der Mauerkrone angebracht worden, in der sich die Insekten sammelten, eine davon am Parkplatz hinter dem Kreismuseum. Das Projekt war vom Entomologischen Verein in Krefeld initiiert und vom Landschaftsverband Rheinland gefördert worden. Diplom-Biologe Michael Stevens von der Biologischen Station Knechtsteden hatte die Untersuchung an der Schnittstelle Denkmalpflege/Naturschutz geleitet.

Ein erstes, durchaus unerwartetes Ergebnis der Analyse teilte er gestern auf Anfrage unserer Redaktion mit. In einer der Fallen sei ein Spinnenläufer gefunden worden, berichtete Stevens. Das sei ungewöhnlich. Denn der "scutigera coleoptrata", so die lateinische Bezeichnung des Hundertfüßers mit den extrem langen Beinen, sei auf der Zonser Mauer nicht zu erwarten gewesen.

"Meines Wissens ist das der bisher einzige Freilandfund des Spinnenläufers außerhalb von Großstädten, in denen ja klimatisch etwas andere Bedingungen herrschen als im ländlichen Raum", sagte Stevens. Die gesamte Auswertung der Erhebung liegt noch nicht vor. Vielleicht fördert sie ja weitere Überraschungen zutage.

(ssc)