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Dormagen: Schüler übers Internet bedroht

Dormagen : Schüler übers Internet bedroht

Der Dormagener Schüler Dennis L. wird seit Wochen im Internet von einem Mitschüler heftig bedroht. Seine Mutter hat inzwischen Anzeige erstattet. Dennis will die Schule wechseln. Doch das gestaltet sich schwierig.

Als Dennis L. (11) am Karfreitag im Internetportal SchülerVZ seinen Freund entdeckt, will er ihm eine Buchstabenfolge zur Begrüßung schicken. Es ist ein Erkennungszeichen unter den Jungen. Dennis klickt das Profil des Freundes an, drückt die Enter-Taste — und merkt zu spät, dass er in der Zeile verrutscht ist. Die Nachricht geht an einen Mitschüler an der Realschule am Sportpark, der schon wenig später eine wütende Nachricht zurückschreibt. "Er hat gesagt, dass ich mich noch wundern werde", erzählt der Elfjährige. Dennis' Entschuldigung wird nicht akzeptiert. Es sei jetzt sein Pech, habe der Mitschüler geantwortet.

Angst auf dem Schulweg

Seitdem begleitet Dennis auf dem Schulweg die Angst. Er hält Abstand. Am Montag vor zwei Wochen erhält der Schüler dennoch die nächste mit Schimpfwörtern gespickte Nachricht: "Morgen schlag ich dich, dass du im Krankenhaus liegst und stirbst." Bei Dennis' Mutter Carolin L. reißt jetzt der Geduldsfaden. Sie geht zur Polizei und erstattet dort Anzeige gegen den Mobber wegen Bedrohung und Beleidigung. Man habe ihr dort sehr geholfen, sagt Carolin L..

Eine Patentlösung auf das so genannte Cyber-Mobbing hat aber auch die Polizei nicht. "Dass Kriminalkommissariat Kriminalprävention/Opferschutz steht für Gespräche zur Verfügung", sagt Sprecher Bernd Hübner. Zudem müsse unterschieden werden, ob es sich um Mobbing oder nur eine Streiterei handele. Der Fall Dennis, das gesteht aber auch Hübner ein, habe eine andere Qualität.

Ein Einzelfall ist er nicht. Laut einer Online-Studie der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft aus dem Jahr 2007 sind die Täter zu 70 Prozent männlich und zwischen elf und 20 Jahre alt. Konsequenzen müssen sie oft nicht fürchten. Auf der Internetseite Klicksafe.de, die auf eine EU-Initiative zurückgeht, heißt es: "Stellt sich heraus, wer hinter der Schikane steckt, so hat das meist keine gravierenden Folgen für den Täter. Jugendliche wüssten oftmals nicht (...) welchen Schaden sie im Internet anrichten könnten."

Inzwischen ist der Konflikt auch bei der Schulleitung angekommen. "Das Problem ist im privaten Bereich entstanden", sagt Leiterin Bettina Mazurek, die auf eine Schlichtung zwischen beiden Parteien setzt. "Die Mediatoren stehen bereit, eine Möglichkeit wäre es, die Kontrahenten zusammenzubringen", sagt sie. Mithilfe ausgebildeter Lehrer hätten Konflikte in der Vergangenheit beigelegt werden können. Doch auch Bettina Mazurek erklärt: "Wir müssen sehen, wie wir Dennis Schutz angedeihen lassen."

Für Carolin L. ist das keine Option. Sie will ihren Jungen, der seit zwei Wochen krank geschrieben ist, auf eine andere Schule schicken. Am liebsten auf die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule. Doch der Wechsel auf eine andere Schulform gestaltet sich schwierig. So bleibt Carolin L. nur die Hoffnung: "Man hat mir gesagt, ich stehe auf der Warteliste der Schule an erster Stelle."

Der Nachname der Familie wurde von der Redaktion entfernt.

(NGZ)