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DHC Rheinland: Das Himmelfahrtskommando endet

DHC Rheinland : Das Himmelfahrtskommando endet

Noch drei mal sechzig Minuten tragen Kai Wandschneider und Thomas Dröge die sportliche Verantwortung beim Handball-Bundesligisten DHC Rheinland. Zeit, mit beiden ein Fazit unter ein bewegtes Kapitel der Dormagener Handballgeschichte zu ziehen.

Heute in Wetzlar, am kommenden Freitag zu Hause gegen den SC Magdeburg und am 4. Juni in Hannover sitzen Kai Wandschneider (51) und Thomas Dröge (49) noch gemeinsam auf der Bank des DHC Rheinland. Mit dem Zwangsabstieg aus der Ersten Liga geht eine Ära zu Ende, schließlich trug Kai Wandschneider zehneinhalb Jahre als Trainer Verantwortung, so lange wie kein anderer Handball-Lehrer in der Dormagener Geschichte. Zeit, im Gespräch mit beiden ein Fazit zu ziehen unter das wohl bewegteste Kapitel in drei Jahrzehnten Profi-Handball in Dormagen.

Herr Dröge, Herr Wandschneider, mit welchen Gefühlen verlassen Sie Dormagen?

Thomas Dröge Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Trotz allem waren es für mich viereinhalb schöne Jahre. Das schönste daran war die enge Verbundenheit, in der der Trainer und ich zusammengearbeitet haben.

Kai Wandschneider Um für mich persönlich ein Fazit zu ziehen, brauche ich erst einmal Abstand. Das, was hier in den letzten ein, zwei Jahren passiert ist, ist nicht so einfach zu verarbeiten. Was uns beide angeht, kann ich nur sagen: Die Zeit der Zusammenarbeit mit Thomas Dröge war die erfolgreichste Zeit in meinen zehneinhalb Jahren in Dormagen, und das ist kein Zufall.

Können Sie den Zwiespalt der Gefühle näher beschreiben?

Dröge Das mit dem lachenden Auge sind die schönen Erinnerungen, die bleiben: Der Aufstieg und dass wir es geschafft haben, trotz nicht gerade einfacher Umstände drei Jahre in der Ersten Liga zu bestehen. Insgesamt bin ich jetzt 15 Jahre in verantwortlicher Position in der Ersten Liga tätig gewesen, darauf bin ich schon ein bisschen stolz. Das mit dem weinenden Auge hat vor allem damit zu tun, dass die Strukturen leider nicht so waren, dass wir alle unsere Kompetenz einbringen und alle unsere Ideen umsetzen konnten.

Wandschneider Bei mir sieht das ähnlich aus. In meiner persönlichen Entwicklung als Trainer waren die zehn Jahre hier die wichtigste und prägendste Zeit. Unter anderen Voraussetzungen als den momentanen hätte ich mir durchaus vorstellen können, noch weitere zehn Jahre zu bleiben. Doch leider fiel mein Engagement in eine Zeit, die von der wirtschaftlichen Entwicklung her die schlechteste war. Spätestens mit dem Ausstieg von Bayer war das doch hier ein Himmelfahrtskommando, auf das wir uns eingelassen haben.

Wie geht es weiter, mit Ihnen und dem Dormagener Handball?

Dröge Ich kann noch nicht genau sagen, was ich mache. Sehr wahrscheinlich kehre ich in meine thüringische Heimat zurück, hoffe aber, weiterhin im Handball arbeiten zu können.

Wandschneider Ich muss mich erst einmal erholen. Die letzten zwei Jahre haben einen zermürbt, auch körperlich. Ich bin platt, es zwickt hier und es zwickt da, weil man unter ständiger Anspannung gelebt und gearbeitet hat. Ich denke, da brauche ich erst mal einige Monate, um davon runter zu kommen, deshalb bin ich eigentlich auch ganz froh, dass ich noch kein neues Engagement habe.

Das Kapitel Dormagen ist für Sie definitiv abgeschlossen?

Wandschneider Was eine vertragliche geregelte Arbeit angeht, ja. Da gibt es für mich auch kein Zurück. Emotional werde ich sicher noch lange dem Dormagener Handball verbunden sein, so lange ich auch kein Engagement habe, bestimmt auch das eine oder andere Spiel mir anschauen. Und wenn mein Nachfolger, wer immer das sein wird, einen Rat braucht, stehe ich ihm gerne zur Verfügung.

Volker Koch führte das Gespräch

(NGZ)