Wesel: Realschule sieht Gesamtschule in der Pflicht

Wesel: Realschule sieht Gesamtschule in der Pflicht

Im Streit um die 23 Schüler ohne einen Schulplatz meldet sich nun Ina Gaastra, Leiterin der Realschule.

Mit deutlichen Worten hat sich gestern Ina Gaastra, Leiterin der Konrad-Duden-Realschule, gegen die Aufnahme der 23 Weseler Kinder ausgesprochen, die von der Gesamtschule Lauerhaas nach derzeitigem Stand nicht aufgenommen werden sollen. Gaastra fordert die Gesamtschulleitung auf, die Kinder zu beschulen. Ihre Schule wiederum sei nicht die richtige für diese Kinder: "Um den Kindern, die eine reine Hauptschulempfehlung haben, einen Schulabschluss zu ermöglichen, ist es zwingend erforderlich, dass diese Kinder auf der Gesamtschule untergebracht werden, sagt Ina Gaastra. "Einer großen Schule ist mit Sicherheit auch zuzumuten, eine Überhangklasse zu bilden, wie wir es auch tun."

Grund für diese deutliche Positionierung war eine Aussage von Gesamtschuleltern, die von der Realschule die Aufnahme der Schüler gefordert hatten - verwiesen hatten diese Eltern darauf, dass die Realschule doch einen Hauptschulzweig habe. Diese Darstellung der Eltern nannte Ina Gaastra "sachlich falsch". Die Regelung nach § 132c, die eine Unterrichtung von Hauptschülern an der Realschule vorsieht, sei ab Klasse sieben gedacht und dies für jene Schüler, bei denen nach der Erprobungsstufe absehbar ist, dass sie den Realschulabschluss nicht schaffen. Eine Aufnahme solcher Schüler schon in Klasse fünf im System sei nicht vorgesehen, rechtlich sogar nicht möglich, argumentiert Gaastra. "Eine reine Auffangklasse dürfen wir nicht bilden", sagte Gaastra, die mit ihren Konrektoren Heike Böken-Heinemann und Harald Welz informierte.

Unterdessen hat Wesels Schuldezernent Rainer Benien auf Anfrage bekräftigt, dass die Stadtverwaltung der Politik für den Schulausschuss eine neunzügige Gesamtschule Lauerhaas empfehlen werde. In Abwägung aller Faktoren - Raumangebot, Personal, Schulform - sei die Gesamtschule geeigneter, so Benien. Die Situation ist verfahren, am Donnerstag (16.30 Uhr, Rathaus) will die Politik diskutieren; und schon jetzt zeichnet sich ab, dass eine große Zahl an Eltern und Schülern dieser Sitzung beiwohnen wird. Das politische Linksbündnis hatte Wesel in die missliche Lage manövriert, als es das Auslaufen einer Haupt- und einer Realschule beschloss. Die Auswirkungen zeigen sich nun: Für 23 Schüler, laut Gaastra haben davon 17 eine Hauptschulempfehlung und sechs nur eingeschränkte Realschulempfehlung, findet sich im Weseler Schulsystem kein Platz. Die Gesamtschuleltern wehren sich gegen die Aufnahme, die Platzkapazitäten reichten nicht.

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Vor einer Woche hatte die Realschule die 23 Familien informiert: 17 von 23 betroffenen Familien kamen. Dort habe man auf die Gefahr hingewiesen, dass die Kinder mit Hauptschulempfehlung oder eingeschränkter Realschulempfehlung fortlaufend Misserfolge an der Schule erleiden könnten. Wenn diese Schüler später in Klasse sieben oder acht jeweils einmal sitzenbleiben, würden sie nach der Klasse acht ohne Abschluss gehen können. Rechtlich gilt zwar freie Schulwahl: Die Grundschulempfehlung ist nicht bindend. Laut Gaastra will aber keiner der betroffenen Eltern das Kind auf die Realschule schicken. Wegen des langen Fahrtweges scheide für die Eltern auch die Gesamtschule in Dingden aus.

Die Realschule habe schon jetzt eine Überhangklasse, wegen der Inklusionskinder werde man im Sommer vier Züge mit jeweils 24 Kindern bilden. Das sind zwar kleine Klassen. Der Puffer sei aber nötig, weil auch scheiternde Kinder vom Gymnasium aufgenommen werden müssten. Die Realschule wehrte sich auch gegen die Darstellung der Gesamtschulpflegschaft, dass die Schule am Lauerhaas anteilig mehr Flüchtlinge und Inklusionskinder aufnehme. Die Realschule habe anteilig genauso viele Flüchtlingskinder und Inklusionskinder, so Gaastra. Sie und ihre Konrektoren weisen darauf hin, dass die Schulleiter aller Weseler Schulformen vor der Erweiterung der Gesamtschule Lauerhaas um eine Planung der Gestaltung der Schullandschaft gebeten worden waren. Handstreichartig habe aber die Politik den Beschluss einer Gesamtschulerweiterung gefällt, ohne auf die Argumente der Experten einzugehen. Wenn perspektivisch die nächste Gesamtschule gegründet wird, werde das Auswirkungen auf alle Schulen haben, letztlich auch auf die Realschule, sagt Harald Welz. Ob dies das Ende der Duden-Realschule bedeutet? Auch das schloss das Schulleitungsteam gestern nicht aus.

(RP)