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Ex-Buchhändler Stephan Thönneßen schlichtet Streitigkeiten in Dormagen

Schiedsmann in Dormagen : Ex-Buchhändler schlichtet Streitigkeiten

Der ehemalige Weltklasse-Fechter des TSV Bayer ist zum neuen Schiedsmann in Dormagen gewählt worden.

Den Menschen Frieden bringen – ein wenig so könnte man die zukünftige Rolle von Stephan Thönneßen in Anlehnung an das bevorstehende Weihnachtsfest beschreiben. Er tritt Anfang nächsten Jahres das Amt des Schiedsmannes an. Konflikte durch Vermittlung beizulegen, wird seine Aufgabe sein. Thönneßens Zuständigkeit umfasst dabei den Bezirk Dormagen I, der Mitte, Horrem, Rheinfeld, Zons, St. Peter und Stürzelberg einschließt. „Es reizt mich, Leute dazu zu bringen, sich zu einigen“, schaut der 56-Jährige mit Neugier auf seine neue Aufgabe.

Stephan Thönneßen ist stadtbekannt, weswegen auf eine Vorstellung in der Sitzung des Stadtrates, der ihn am 13. Dezember einstimmig wählte, getrost verzichtet werden konnte. 21 Jahre lang führte der ehemalige Weltklasse-Säbelfechter und Olympia-Teilnehmer (Seoul 1988) die Buchhandlung „seitenweise“ an der Kölner Straße, nach der Schließung im Januar 2016 dann noch eineinhalb Jahre das Café mit gleichem Namen. Im Herbst 2017 hieß es: Alles auf Anfang, Neustart und der Plan B.

„Die Jahre der Selbständigkeit waren eine tolle Zeit, und ich wollte wieder etwas finden, was mir Spaß macht“, erinnert sich Thönneßen. Die Methode der Findung benennt er so: „Rumfragen und Probieren.“ Zwölf Monate und einige Praktika im sozialen Bereich später arbeitet der gelernte Buchhändler heute Vollzeit als Gruppenleiter in der beruflichen Bildung bei der Gemeinnützige Werkstätten Neuss GmbH (GWN). Sein Job: Menschen mit psychischen Erkrankungen auf das Berufsleben vorzubereiten. „Bücher begleiten mich auch dort“, lächelt Stephan  Thönneßen, denn die GWN unterhält in Neuss-Allerheiligen eine Buchbinderei und betreibt dort auch Lager und Versand für alle Publikationen der NRW-Landeszentrale für politische Bildung.

Seiner neuen Aufgabe als ehrenamtlicher Schiedsmann begegnet der frühere Spitzensportler mit Respekt und Offenheit. Einen Koffer voll hilfreicher Techniken zu gewaltfreier Kommunikation nach Marshall Rosenberg und Wegen der Mediation bringt Thönneßen schon mit. Er hat in den vergangenen Monaten aus Interesse viele Seminare und Workshops belegt. Konnte durch einen Freund beim Täter-Opfer-Ausgleich hospitieren. Dass er nun Gelegenheit bekommt, diese Erfahrungen „offiziell“ anzuwenden, sei eher dem Zufall geschuldet: „Meine Partnerin zeigte mir den Zeitungsartikel, dass ein neuer Schiedsmann gesucht wird, und ich habe mich spontan beworben.“ Dienstherr des Schiedsmannes ist das Amtsgericht Neuss, vor dem Thönneßen noch vereidigt wird, bevor er sein Amt ausüben kann. Eine Fortbildung für Schiedsleute wird folgen. „Ich möchte, dass die beteiligten Parteien ihre Phantasie spielen lassen, welche Möglichkeiten zur Einigung es gibt“, beschreibt der 56-Jährige seine Herangehensweise. Er ist sicher: „Das wird eine spannende Sache.“

Einen „Nebenjob“ hat Stephan Thönneßen übrigens auch noch  - und zwar als „KulTour-Taxifahrer“. Ein Angebot des Dormagener Reiseveranstalters Kultour&Natour, für das sich Thönneßen hin und wieder hinters Lenkrad eines Neunsitzers klemmt und mit allein nicht mobilen, meist älteren Gästen Theateraufführungen oder Opern im Umkreis von Dormagen besucht. Dafür hat er eigens den Personenbeförderungsschein gemacht.