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Missionsmuseum in Dormagen: Exotische Tierpräparate in Knechtsteden

Kloster Knechtsteden : Aug’ in Aug’ mit dem Knechtstedener Hai

Ob Hai, Hyäne oder (Stachel-)Hummer – im Kreuzgang des Klosters Knechtsteden sind viele, teils exotische Tiere zu bewundern. Die Schätze aus dem ehemaligen Missionsmuseum werden bis 31. Dezember täglich von 12 bis 18 Uhr gezeigt. Dann „tauchen“ sie wieder ab.

Noch tummeln sich Affe, Kugelfisch, Leopard, Bär und Faultier direkt neben Schlangenhäuten, Krokodilzähnen und einem Gnu-Kopf: Die Exponate aus dem 1995 geschlossenen Missionsmuseum der deutschen Spiritaner in Knechtsteden sind größtenteils gut 100 Jahre alt, wirken aber höchst lebendig. Und vereinen auf engstem Raum die Tierwelt mehrerer Kontinente. Denn die Missionare brachten die Tiere von ihren Wirkungsstätten in Afrika und Südamerika mit zurück nach Knechtsteden, wo sie zum Staunen über Gottes Geschöpfe anregen sollten.

Nach einem mindestens 25-jährigen Dornröschenschlaf sind sie in diesem Jahr aus der Vergessenheit wieder aufgetaucht: Hunderte von Insekten, Dutzende Vögel, aber auch Schlangen, Raubkatzen oder Fische wurden von den beiden Ausstellungsmachern Pater Konrad Breidenbach und Ethnologin Belinda Peters, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Spiritanerordens in Deutschland, auf Dachböden, in Abstellkammern und Kellern wiedergefunden und zusammengetragen. Bewusst haben sie darauf verzichtet, die Sammlung unter naturkundlichen Aspekten zu zeigen. Zwar konnten alle Tiere mit Hilfe von Mitarbeitern der in Knechtsteden ansässigen Biologischen Station bestimmt werden; „dem Besucher aber werden sie wie vor 100 Jahren, eben wie in einer Wunderkammer präsentiert“, erklärte Peters. „In einer Zeit ohne Fernsehen und Internet, in der selbst Fotografien und Filme eine Rarität waren, sollten die Präparate dem staunenden Besucher einen Eindruck von den fremden Lebenswelten in Übersee geben.“

Trotz Berühr-Verbots der Exponate fordert dieser kuschelige Vertreter der nordischen Tierwelt per Schild auf: „Knutsch mich, ich bin ein Elch!“ Foto: Carina Wernig

Wegen der großen Nachfrage wurde die Ausstellung „Wunderkammer Knechtsteden“ um dreieinhalb Monate verlängert. Für Kinder wurde ein anspruchsvolles und spannendes Begleitheft mit Rätseln und Wissenswertem entwickelt, das erstmals Anfang Oktober zum Staunen, Entdecken und Kennenlernen anregte – und so einen anderen Zugang zur Sammlung der Spiritaner ermöglichte. „Mit so einem Erfolg hatten wir nicht gerechnet“, sagte Pater Breidenbach. „Wir erhalten viele Zuschriften, dass die Ausstellung nicht abgebaut, sondern permanent in Knechtsteden zu sehen sein sollte“, berichtete der Ordensmann weiter. Ob der Spiritanerorden dafür notwendige Räume, das Personal und das Geld finden kann, sei noch unklar, hieß es im Oktober.

Was so aussieht wie eine Morgenstern-Waffe, ist ein Igelfisch. Foto: Carina Wernig

Der Förderverein für das Missionshaus Knechtsteden um den Vorsitzenden Hermann-Josef Lenz möchte die zoologische Sammlung der Spiritaner unterstützen, wie Vorstandsmitglied Stephan Großsteinbeck Ende November bei der Auflistung der Projekte für 2019 erläuterte. „Parallel zur Ausstellung erstellen die Spiritaner mit Fachleuten bis 31. Dezember ein Konzept für Konservierung, Aufbewahrung und eventuelle Präsentation“, präzisierte Großsteinbeck. Da der Förderverein satzungsgemäß auch für das ehemalige völker- und naturkundliche Museum in Knechtsteden (Missionsmuseum) zuständig ist, wird der Vorstand über weitere Schritte vom Missionshaus informiert. „Geplant sind Konservierungsmaßnahmen, um einen Schädlingsbefall zu beseitigen und zu verhindern. Dies ist notwendig, um die Sammlung zu erhalten“, erklärte er. Neben der zoologischen Sammlung verfügt das Missionshaus über eine umfangreiche ethnologische Sammlung, die zuletzt im Missionsmuseum gezeigt wurde und seit 1995 eingelagert ist. „Auch für den Erhalt dieser Sammlung, die das kulturelle Erbe der Spiritaner darstellt, werden wir uns einsetzen“, so Großsteinbeck.