Bernd Lewerenz ist neuer Vorsitzender des Sportverbands Dormagen

Interview: Neuer Chef des Sportverbands Dormagen : „Wir sind Mittler zwischen Sport und Politik“

Der frühere Leiter des Sportservice im Rathaus ist Nachfolger von Claus Radke. Er setzt weiter auf Teamarbeit im Vorstand.

Herr Lewerenz,  was ist Ihr Antrieb gewesen, Vorsitzender des Sportverbands zu werden?

Bernd Lewerenz Der bisherige Vorsitzende Claus Radke wollte kürzer treten und sich aus diesem Amt zurückziehen. Ich war schon Beisitzer und bin halt gefragt worden. Ich habe dann eine Nacht darüber geschlafen. Weil klar war, dass der Geschäftsführer bleibt und der erfahrene Radke stellvertretender Vorsitzender, habe ich gerne zugesagt.

Für Sie ist es eine Art „Seitenwechsel“: Vom Leiter des Sportservice im Rathaus zum Chef der Dormagener Sportler. Wird das nicht schwierig, weil Sie sich als Rathaus-Mitarbeiter dann auch mal kritisch in Richtung Verwaltung positionieren müssen?

Lewerenz Das will ich nicht ausschließen. Aber bisher wird sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet. So ist bei den Sitzungen des Sportverbandsvorstands immer ein Mitarbeiter des Sportservice dabei. So mancher Konflikt zwischen Sportservice, Vereinen und Politik wurde vom Sportverband gelöst.

Was wird unter Ihrer Regie anders? Was haben Sie vor?

Lewerenz Wir werden weiterhin gut als Team zusammenarbeiten. Inhaltlich wird sicher ein Arbeitsschwerpunkt sein, dafür mit zu sorgen, dass alle Kinder in Vereinen von ausgebildeten Übungsleitern und Trainern  betreut werden. Für die dafür benötigen Gelder haben wir mit der Sparkasse einen wichtigen Partner. Ein weiteres, wichtiges Projekt ist „Bewegt älter werden“, das im vergangenen Jahr gestartet ist. Dort ist der Sportverband als Dachorganisation dabei. Ähnlich wie bei dem Projekt „Pro fit“ für Kinder geht es darum, dass es nach Tests und Untersuchungen auch Anschlussmaßnahmen gibt, damit sich tatsächlich etwas verändert und verbessert.

Welche Lobby hat der Sport in Dormagen?

Lewerenz Die Infrastruktur, die die Stadt dem Sport und den Sportlern biete, ist nicht schlecht. Sie wird durch den geplanten Bau der Dreifachhalle noch besser. Stadt und Politik wissen um die Bedeutung und das Gewicht der Sportvereine mit ihren fast 20.000 Mitgliedern.  Dort funktioniert zum Beispiel Integration sehr gut, mitunter auch ohne Sprachhürden.

Es fällt auf, dass keine Frau im Vorstand dabei ist…

Lewerenz Das ist in der Tat bedauerlich. Wir hatten vor Jahren zwei weibliche Vorstandsmitglieder. Es ist mitunter nicht leicht, Kandidatinnen dafür zu gewinnen.

Wie sehen Sie die Sportlandschaft aufgestellt? Was ist gut, was ist noch zu tun?

Lewerenz Dormagen hat das Glück, über leistungssporttreibende Vereine und über sechs Stützpunkte zu verfügen: drei Landes- und drei Bundesstützpunkte. Im Fechten und Ringen ist Dormagen sehr gut positioniert, der Handball-Zweitligist tut ihr ebenso sehr gut, auch wenn es schwierig ist, ein solches Niveau in einer Stadt dieser Größe zu halten.

Stimmt das Etikett „Sportstadt Dormagen“ noch?

Lewerenz Das ist auch eine Sache der Definition. Schaut man dann nur auf die Ergebnisse des Leistungssport? Oder ist man auch eine Sportstadt, wenn man sagen könnte, dass alle Kinder nach Beendigung der Grundschule schwimmen können? Ich denke, die Mischung macht’s. Dormagen ist Modellkommune beim Landesförderprojekt „Komm-Sport“, das alles ist sehr positiv. Aber es heißt nicht, dass wir nicht noch besser werden und mehr schaffen können. Klar ist, dass wir Medienpräsenz und erfolgreichen Leistungssport brauchen, um junge Menschen für Sport zu begeistern. Ein Beispiel: Durch die hohe Präsenz von Fußball im Fernsehen werden 90 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen Mitglied in einem Fußballklub – auch wenn dann nicht alle dort bleiben.

Wie müssen sich Vereine künftig positionieren, um erfolgreich zu sein? Wie kann der Sportverband unterstützen?

Lewerenz Die Vereine haben die Zeichen der Zeit erkannt und den Wettbewerb mit kommerziellen Anbietern angenommen. Belege sind die vielfältigen Kursusangebote oder Mitgliedschaften auf Zeit. Beispiel: Zuletzt kam ein Angelsportverein und bat um Hallenzeiten, weil er „Zielwerfen“ anbieten wollte. Ein anderes: Der SuS Gohr widmet sich mit Erfolg dem Boule-Sport. Man darf den Aspekt nicht unterschätzen, dass kommunale Sportstätten auch eine soziale Heimat für viele sind. Als Sportverband sehen wir uns als Mittler zwischen Vereinen und der Politik, zwischen Vereinen und dem Sportservice im Rathaus. Gerade wenn es Probleme gibt oder irgendwo hakt, dann können sich Vorstände an uns wenden.

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