Allergie: Gibt es bald erste Impfung gegen Heuschnupfen?

Allergie : Gibt es bald die erste Impfung gegen Heuschnupfen?

Rund 16 Millionen Deutsche leiden an Heuschnupfen. Bricht der Frühling an, bedeutet das für sie tränende Augen und eine triefende Nase. Hilfsmittel gibt es nur wenige. Jetzt sagen Forscher, bald könnte eine Impfung gegen Pollenallergie kommen. Nur drei Piekser sollen dann Abhilfe schaffen.

Wer auf Baum- und Gräserpollen reagiert, hat bislang drei Möglichkeiten: Entweder er akzeptiert die juckenden Augen und die triefende Nase. Oder er nimmt Antihistamine. Die wirken zwar gegen die Symptome, machen aber auch müde.

Option drei ist eine sogenannte Desensibilisierung. Dabei werden mehrere Spritzen mit den reizauslösenden Pollenallergenen unter die Haut verabreicht. So soll der Körper mit der Zeit eine Abwehrstrategie entwickeln und nicht mehr auf die Partikel reagieren. Die Behandlung ist jedoch nicht nur kostenintensiv - sie dauert auch mindestens drei Jahre und hat deutliche Nebenwirkungen.

In etwa fünf Jahren könnte diese Therapie überflüssig werden. Dann, so sagen Forscher voraus, soll es möglich sein, Menschen gegen die negativen Folgen der blühenden Natur zu impfen. An einer solchen Lösung arbeitet seit geraumer Zeit das österreichische Pharmaunternehmen Biomay gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien und der TU München.

Im Gegensatz zum Wirkstoff der üblichen Desinsibilisierung soll der neue Wirkstoff BM32 nur kleine Eiweiß-Abschnitte der Pollenallergene enthalten, und somit auch weniger Nebenwirkungen haben.

Für die Entwicklung des Impfstoffes wird ein Verfahren verwendet, dass in der Medizin immer populärer wird: Krankmachende Viren werden im Labor unschädlich gemacht und so umfunktioniert, dass sie eine bestimmte Immunreaktion hervorrufen.

Bahnbrechende Erfolge mit dieser Therapieform erzielten erst kürzlich Wissenschaftler der amerikanischen Duke Universität. Sie injizierten einen entschärften Polio-Virus in den Hirntumor von über 20 Patienten, um eine gezielte Immunreaktion auszulösen. Das Ergebnis: In mehreren Fällen wurde der Hirntumor von innen heraus zerstört, und die Patienten überlebten ihre Krankheit.

Gegen die reizende Reaktion von Pollen wollen die Forscher den Hepatitis-Virus zum Einsatz bringen. Die Viren können keinen Schaden mehr anrichten und wirken nur noch als Transportmittel. Auf ihren Hüllen sind kleine Abschnitte der Pollenallergene angebracht, die von dem Virus zu den Immunzellen gebracht werden. Die werden in der Folge angeregt, eine harmlose Form von Antikörpern zu bilden.

Atmet der Patient nach einer solchen Impfung Pollen aus der Luft ein, fangen die neuen Antikörper sie schon auf der Schleimhaut ab, und die krankmachenden Anteile der Pollen werden wirkungslos. Der Körper bleibt unbelastet und schüttet keine Entzündungs-Botenstoffe aus, die vor der Impfung für rote Augen und eine triefende Nase gesorgt haben.

Insgesamt drei Spritzen sollen Allergiker verabreicht bekommen, um anschließend gegen Pollen immun zu sein. Die erste Spritze erfolgt im Herbst, um über den Winter hinweg stabil zu bleiben. Vor der anstehenden Pollensaison werden dann die eigentlichen drei Spritzen verabreicht. Anschließend sollen Patienten für mehrere Jahre beschwerdefrei sein.

Erste Tests mit BM32 erwiesen sich Anfang des Jahres 2015 als erfolgreich. Laut "Welt online" soll 2017 die letzte Studienphase starten. Ab 2020 könnte der Impfstoff dann für den Handel zugelassen werden.

(ham )
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