Pollen: Allergiker reagieren auch im Winter mit triefender Nase

Heuschnupfen mitten im Winter? : Allergiker reagieren schon jetzt auf Haselpollen

Wenn die Augen jucken und die Nase trieft, gehen bei Allergikern direkt die Warnsignale an: Es sind Pollen in der Luft. Nur der Winter bietet für sie eine Verschnaufpause. Nicht so dieses Jahr. Schon seit November sind wieder Pollen unterwegs, warnt der Polleninformationsdienst.

Im Frühling werden die Tage wieder länger und die ersten Pflanzen beginnen zu blühen und zu grünen. Was die meisten Menschen erfreut, ist für Allergiker die schwierigste Zeit im Jahr. Denn im Frühling und Sommer fliegen die meisten Pollen in der Luft.

Seit einigen Jahren aber beobachten Experten, dass viel Bäume mit ihrem Pollenflug immer früher dran sind. "Es gibt Leute die sagen: Ende November hat mein Heuschnupfen doch gerade erst aufgehört und jetzt fängt es wieder an", berichtet der Mannheimer Allergologe Professor Ludger Klimek.

Vor allem die Haselpollen sind in diesem Jahr wieder sehr früh dran. Sie wurden bereits im Saarland, im Rhein-Main-Gebiet, am Oberrhein, im Neckartal und im westlichen Niedersachsen gemessen, berichtet die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID).

Das hat auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) gemerkt.
Die ersten Anfragen von geplagten Pollenallergikern kamen schon im Dezember. "Es sieht so aus, dass es die ersten Beschwerden schon Weihnachten gegeben hat", sagt Patientenberaterin Anja Schwalfenberg.

Der Eindruck täuscht nicht. Früher hat die Hasel erst im Februar geblüht. "Es gibt immer mehr Jahre, in denen die Haselnusspollen teilweise schon Ende Dezember fliegen", sagt Professor Karl-Christian Bergmann, Allergologe und Vorstand der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst.

Schon wenig Pollen führen zu Symptomen

Laut der mit dem Deutschen Wetterdienst erstellten Pollenflug-Vorhersage, ist in weiten Teilen Deutschlands eine messbare, wenn auch geringe, Belastung durch Haselpollen zu verzeichnen.

Das Probelm: "Am Beginn einer Pollensaison können bereits wenige Pollen genügen, um Symptome herbeizuführen", so der PID. Denn nach der allergenfreien Zeit reagiert der Körper schon auf geringe Mengen stärker als im späteren Verlauf der Pollensaison.

Erste Symptome betreffen vor allem die Nase in Form von Juckreiz, Niesen und laufender Nase. Zumindest am Anfang reagiert das Auge noch nicht so stark. Es ist also nur wenig mit Rötungen und Tränen zu rechnen.

Schnell reagieren sollten Pollenallerigker dann, wenn sie einen trockenen Husten entwickeln. Er kann auf den Beginn von Pollenasthma hinweisen und sollte unbedingt untersucht werden, so die PID.

Der Polleninformationsdienst misst an etwa 55 Stellen in Deutschland den Pollenflug. Die Informationen können Betroffene beispielsweise auf der Pollen-App einsehen. Sie gibt den Pollenflug für bestimmte Standorte an, und kann auch berechnen, wie stark ein Allergiker in etwa auf die Belastung reagieren wird.

Viele Pollen fliegen früher

Die Birke sei im Schnitt auch zwei Wochen früher dran. Dieser Baum kann für Allergiker eine große Rolle spielen: 50 Prozent der Summe aller Baumpollen, die bei Pollenallergikern Heuschnupfen auslösen, stammen laut Allergologe Bergmann von der Birke. Patienten, die auf Baumpollen allergisch reagierten, bemerkten den früheren Pollenflug.

Die Blühzeit für Gräserpollen von Ende Mai bis Mitte Juli sei geblieben. Aber die Blühzeit für Kräuterpollen wie Beifuß und Ambrosia gehe länger, bis in den Oktober rein, erläutert der Allergologe. Bis in den November hinein wurden vom DAAB auch noch blühende Brennnesseln gesichtet.

Der Allergologe Klimek kennt noch die Regel von früher, dass Pollenallergiker vier bis sechs Wochen im Jahr Beschwerden haben. Heute sei das teilweise umgekehrt. "Die Zahl derjenigen, die auf verschiedene Pollen reagieren, hat dramatisch zugenommen", sagt der Mediziner.

Wer auf eine Pollenart reagiere, habe tendenziell ein Risiko, das dies auch für weitere Pollen gelte. "Es ist letztlich eine Eigenschaft der Immunreaktion, dass der Körper im Laufe der Zeit auf immer mehr Dinge allergisch reagiert", sagt Klimek. Verschnaufpausen können dadurch kürzer werden.

Drei Allergie-Phasen

Bei den Patienten, die während der ganzen Blütezeit Beschwerden haben, sieht Klimek drei Phasen. Zuerst eine starke Reaktion auf die ersten Pollen. Die Reaktion lässt dann etwas nach, aber es kommt zu Entzündungen in den Schleimhäuten. "Die Betroffenen haben dann zusätzlich Kopfschmerzen, eine verstopfte Nase, gereizte Schleimhäute, die sich wie wund anfühlen", sagt Klimek.

Trotzdem würden aber nach einer aktuellen Untersuchung nur zehn Prozent der Allergiker medizinisch richtig behandelt, sagt DAAB-Patientenberaterin Schwalfenberg. Allergien würden oft nicht ernst genug genommen, auch von Ärzten und Krankenkassen. "Allergie ist keine Bagatell-Erkrankung", stellt sie dagegen fest. Werde diese nicht behandelt, könne daraus Asthma entstehen.

(ham)
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