Was hat Sie erwischt — Erkältung oder Allergie?

Triefnase, Halsweh und Co. : Was hat Sie erwischt — Erkältung oder Allergie?

Die Nase läuft und es kratzt im Hals. Doch nicht alles, was sich wie eine Erkältung anfühlt, ist auch eine. Lesen Sie hier, woran Sie merken, ob Sie unter einem Dauerschnupfen oder einer Allergie leiden.

Mehr als zwei Millionen Menschen kämpfen mit einer Triefnasen, obwohl sie nicht erkältet sind. Sie halten Symptome wie Kratzen im Hals oder Fließschnupfen für die ersten Symptome einer Erkältung.

Denn oft ist es schwer zu identifizieren, was einen eigentlich quält, wenn sich neben einer tropfenden Nase ein elendes Kratzen im Hals breit machen. Sind es erste Anzeichen einer Erkältung oder steckt eine Allergie dahinter? Auch Symptome wie Müdigkeit, Muskelschmerzen und sogar Fieber können auf beides hindeuten.

Das Fatale: Gerade bei Erkältungskrankheiten greifen viele zur Selbsttherapie. Wie aber kann der Laie feststellen, ob er den Schleimlöser und Bettruhe braucht oder ein Antiallergikum? Neue Fakten dazu liefert eine Umfrage der Apotheken-Umschau, die ergeben hat, dass beinahe zwei Drittel der Allergiegeplagten unter einer Reaktion auf Blütenstaub von Bäumen, Sträuchern und Gräsern leiden. Heuschnupfen ist die häufigste Allergie unter der die Deutschen leiden.

Manche Nase triezen nicht nur allergische Reize. Auch Faktoren wie vergrößerte Rachenmandeln oder Nasenspraymissbrauch können eine besondere Form des Schnupfens — die Rhinitis — auslösen. "Bei einigen Menschen führen schon leichte mechanische, thermische oder chemische Reize zu einer Überreaktion der Nasenschleimhaut", erklärt Dr. Uso Walter, Hals-Nasen-Ohrenarzt aus Duisburg und Vorsitzender des Ärztenetzwerks HNOnet NRW.

Trockene oder besonders staubige Luft machen den empfindlichen Schleimhäuten zu schaffen. Kälte setzt ihnen zu und auch Medikamente können bei ihnen der Grund für die Überreaktion des Immunsystems sein, die ihnen die Nase verstopft.

Der Einsatz normaler Nasensprays, der bei erkältungsbedingten Schnupfennasen Erleichterung bringen kann, ist in solchen Fällen kontraproduktiv. Besonders, wenn die abschwellenden Nasensprays immer wieder eingesetzt werden, setzt eine Gewöhnung der Schleimhäute ein. Sie wird noch stärker durchblutet. Das bewirkt, dass das Riechorgan noch weiter zuschwillt und gleichzeitig die empfindlichen Schleimhäute austrocknen.

Wer stattdessen den Verlauf und die Dauer seiner Krankheit genau beobachtet, kann schnell Aufschluss darüber bekommen, was ihn quält. Während bei einer Erkältung häufig Kopfschmerzen und einen kratzenden Hals als erste Symptome mit sich bringt, sind es bei Allergien oft Niesattacken oder ein juckender Rachen, mit denen das Übel beginnt.

Häufig wird das von einer juckenden Nase oder juckenden Augen begleitet. Die kommen bei einer Erkältung hingegen normalerweise nicht vor. Tränenede Augen hingegen schon. Außerdem gilt es in Sachen Nasensekret genau hinzuschauen. Während der Erkältungsschnupfen oft dickflüssig und gelblich ist, ist es bei Auftreten einer Allergie wässrig und klar.

Tritt eine vermeintliche Allergie jedes Jahr in etwa zur gleichen Jahreszeit auf, ist es zudem wahrscheinlich, dass sich eine Allergie dahinter versteckt, statt Erkältungsviren. Die nämlich halten sich nicht an den Kalender. Klingen die Beschwerden hingegen nach rund einer Woche ab, ist eine Erkältung der wahrscheinliche Auslöser.

Prasselt ein unaufhörlicher Dauerregen, wenn sich die ersten Symptome zeigen, ist der virale Schnupfen der wahrscheinlichere. Denn zumindest bei Pollenallergikern sorgt heftiger Niederschlag dafür, dass die belastenden Pollen aus der Luft "gewaschen" werden. Dem Allergiker geht es also bei Regen besser.

Durch Pollen ausgelöster Schnupfen überkommt die meisten schlagartig, wenn sie sich der fliegenden Pracht draußen aussetzen. Die Niesattacken lassen hingegen nach, wenn man sich in Innenräumen aufhält. Einem anderen Rhythmus unterliegt der virenbedingte Schnupfen. Er kommt drei Tage, bleibt drei Tage, geht drei Tage und lässt sich nicht davon beeindrucken, wo wir uns gerade aufhalten.

Während Schluckbeschwerden, ein kratzender Hals und produktiver oder trockener Husten Indiz für eine Erkältung sind, ist es bei einer Allergie meist ein akuter Husten, der besonders bei Kontakt mit dem Allergen auftritt und meist nicht für Tage bleibt.

Hat man mit einer chronischen Nasenreizung zu tun, der Rhinitis, helfen Kortisonsprays am besten. Sie lassen die sich wehrenden Schleimhäute abschwellen und helfen beim Durchatmen. Bei durch Viren verursachten Schnupfen leisten das abschwellende Nasensprays, die jedoch wegen der Gefahr einer Abhängigkeit nicht länger als drei Tage benutzt werden sollen.

Sowohl bei Allergie als auch Erkältung bringen Salznasensprays Erleichterung. Sie befeuchten die gereizt Nasenschleimhaut und lindern auf natürliche Weise die Beschwerden. Nicht jedermanns Sache, aber sehr wirkungsvoll ist in beiden Fällen auch das Spülen mit einer Nasendusche.

Dabei spült man mit geneigtem Kopf salzhaltige Lösung durch ein Nasenloch hinein und lässt es durch das andere wieder hinauslaufen. Auf diese Art und Weise spült man sowohl juckende Pollen wie auch lästige Viren aus dem Naseninnenraum und sorgt dafür, dass es bald wieder besser geht.

Wer Linderung für juckende Augen sucht, der kann es neben antiallergischen Augentropfen auch mit isotoner Salzlösung versuchen und auf diese Weise das gereizte Auge von herumfliegenden Allergenen wie Pollen, Staub oder Tierhaaren befreien.

Antihistaminika wie Cetirizin oder Loratadin in Tabletten-, Tropfen- oder Saftform wirken hingegen gleich systemisch — also auf den ganzen Körper. Sie dämmen allergischen Husten ebenso ein wie kribbelnde Nasen oder juckende Augen ein, indem sie den Botenstoff Histamin abfangen, der diese überschießende Immunreaktion verursacht.

Machen Sie den Selbsttest: Allergie oder Erkältung?

Hier geht es zur Infostrecke: Test – Allergie oder Erkältung?

(wat)