Täuschungsmanöver für das Immunsystem: Wenn eine Allergie die zweite gleich mit sich bringt

Täuschungsmanöver für das Immunsystem : Wenn eine Allergie die zweite gleich mit sich bringt

Als wäre es nicht genug, Pollenallergiker zu sein, sind viele von ihnen doppelt und dreifach gestraft. Denn sie haben zudem ein Problem mit bestimmten Obst- und Gemüsesorten. Mit ein paar Tricks kann man diese Nahrungsmittel aber für viele gefügig machen.

Es ist das Immunsystem, das im doppelten Sinne verrücktspielt. Es gerät in Aufruhr, weil es harmlose Stoffe — wie zum Beispiel Pollen — für Krankheitserreger hält und attackiert. Ist diese Überreaktion einmal da, schießt die körpereigene Abwehrzentrale auch gegen Stoffe, die der Eiweißstruktur der Pollen sehr ähnlich ist. Sie kann nicht unterscheiden, ob das Allergen von der Polle oder von einem Lebensmittel stammt. Infolgedessen kann es auf den Lippen oder im Rachen jucken, Schleimhäute röten sich oder sie schwellen an.

Schwere allergische Reaktionen nehmen zu

Birkenpollenallergikern kann es mit Soja so gehen. Sorge macht den Experten, dass in den letzten Jahren die Empfindlichkeit auf die Hülsenfrucht deutlich zugenommen hat. Was für die einen ganz normale Nahrungsmittel sind, kann so für Allergiker höchst gefährlich werden. Schwere Reaktionen wie Nesselsucht oder Atemnot bis hin zum allergischen Schock können die Folge sein. "Seit Beginn der Datenauswertung nehmen sie kontinuierlich zu: die schweren, durch eine Allergie ausgelösten Symptome, die zum Tod führen können", stellt die Deutsche Dermatologische Gesellschaft hierzu fest.

Gefahr ist besonders in Verzug, wenn Allergiker übersehen, dass Lebensmittel, bei denen sie es nicht vermuten, Bestandteile der Allergieauslöser enthalten sind. So sind Sojaproteine zum Beispiel häufig in Nahrungsmitteln als Emulgatoren und Bindemittel eingesetzt. Margarine, Mayonnaise, Salatsoßen, Kaffeeweißer, Fischkonserven, Ketchup, Süßigkeiten, Aufschnitt und selbst Brot können Soja beinhalten, sagt Marianne Rudischer, ernährungsmedizinische Beraterin der Barmer GEK.

Tricks, um Nahrungsmittel zu entschärfen

Folgt auf den Biss in den Apfel ein pelziges Gefühl auf der Zunge, ist Vorsicht geboten. Denn Äpfel werden für rund 70 Prozent der Menschen, die allergisch auf Birkenpollen reagieren, zum Problem. Sie haben zudem häufig eine Kreuzallergie auf Haselnüsse, Kirschen, Sellerie oder Möhren. Bevor man diese Nahrungsmittel aber von seiner persönlichen Zutatenliste streicht, lohnt es sich auszuprobieren, ob man zum Beispiel mit gekochten Varianten gegenüber den rohen klarkommt. Denn durch das Erhitzen werden manchmal die allergieauslösenden Eiweiße zerstört und machen danach keinen Ärger mehr. Einen Apfel für wenige Sekunden in der Mikrowelle zu erhitzen, kann schon ausreichen.

So kann der Apfel auf der Zunge Ärger schlagen, beißt man herzhaft hinein. Zum Kompott gekocht aber mundet er auch dem Allergiker ohne Beschwerden. Zudem ist es möglich, dass manche Apfelsorten vertragen werden, andere hingegen nicht. Der Naturschutzbund (NABU) berichtet darüber, dass es vor allem die alten Apfelsorten sind, die besser vertragen werden. Sorten wie Cox Orange, Boskop oder Renette können häufig auch Allergiker genießen, ohne nachher zu leiden.

Eine Schlüsselrolle spielen dabei die sogenannten Polyphenole. Sie kommen in Pflanzen als Farb- oder Geschmacksstoffe vor und sind vor allem in alten Apfelsorten enthalten. Weil sie den Apfel nach dem Anschnitt schneller braun werden lassen und zudem zu einem säuerlichen Geschmack führen, der nicht bei allen Sorten erwünscht ist, züchtete man sie heraus. Zum Nachteil der Pollenallergiker.

Darum aber von vornherein auf alles zu verzichten, macht nach Auffassung des Deutschen Allergie- und Asthmabundes in Mönchengladbach keinen Sinn. Wer auf Nummer sicher gehen will, der kann über einen Pricktest auf der Haut oder einen IgG-Test übers Blut herausfinden, was er nicht verträgt, ohne dass er sich in Gefahr begibt oder Dinge meidet, die kein Problem darstellen.

Hier geht es zur Infostrecke: Das sind Kreuzallergien

(wat)
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