Marktcheck Vegane Lebensmittel — zu viel Fett und Salz

Hamburg · Veganer leben im Schnitt vier Jahre länger als Fleischesser. Doch ganz so heil wie die vegane Welt zu sein scheint, ist sie offenbar nicht. Denn auch hier müssen Käufer mit Etikettenschwindel rechnen. Viele Produkte enthalten außerdem zu viel Fett oder Salz, hat die Verbraucherzentrale Hamburg herausgefunden.

Vegane Produkte im Test
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Eigene gesundheitliche Probleme, Massentierhaltung oder der Wunsch abzunehmen gehören zu den zehn häufigsten Gründen für Menschen auf tierische Produkte zu verzichten, so das Ergebnis einer groß angelegten Studie der Universität Jena. Tatsächlich enthalten vegane Produkte oft weniger gesättigte Fettsäuren, die als ungesund verschrien sind, weil sie die ungünstigen LDL- Cholesterinwerte steigen lassen. Das begünstigt das Entstehen einer Arterienverkalkung. Solche Fettsäuren sind häufig in tierischen Produkten wie Wurst, Milch, Sahne und Butter enthalten.

Anders ist das bei mehrfach ungesättigten Fettsäuren, zu denen auch die Omega-3-Fettsäuren zählen. Sie wirken der Bildung von Blutgerinnseln entgegen, schützen vor Herzrhythmus-Störungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer sich nun vegan — also ohne tierische Lebensmittel ernährt — tut etwas für seine Gesundheit. Gesund ernährt er sich darum trotzdem nicht zwangsläufig.

Etikettenschwindel, zu viel Fett und Salz

Eine Untersuchung von 20 Lebensmitteln durch die Verbraucherzentrale Hamburg deckt Schwachstellen auf, die die Vegan-Gemeinde erschüttern mögen. Denn vier der getesteten Lebensmittel enthielten zu viel Fett, fünf hatten einen zu hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren und weitere schnitten wegen ihres hohen Salzgehalts schlecht ab. Andere fielen den Verbraucherschützern durch Etikettenschwindel unangenehm auf oder wegen mangelnder Transparenz, was Bezeichnung und Herkunft der Inhaltsstoffe angeht.

So prangt auf dem veganen Sprühsahne-Ersatz Soyatoo aus Reisdrink der Aufdruck "bester Reis auf Erden". Neben dem löblichen Attribut, das sich der Hersteller selbst verliehen hat, sticht der Sahneersatz beim Test der Verbraucherzentrale allerdings durch den hohen Anteil gesättigter Fettsäuren heraus: 11 Gramm pro 100 Gramm Sahneersatz sind es, die sich durch den Einsatz von Kokosfett hineinschmuggeln. Damit liegt der Anteil der unlieben Fettsäuren zwar immer noch um die Hälfte unter dem herkömmlicher Schlagsahne, sagen die Verbraucherschützer, doch täuscht auch das nicht über den Etikettenschwindel hinweg.

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Foto: shutterstock/ Lorenz Timm

Irreführung von Verbrauchern

Ähnlich verhält es sich bei einer veganen Margarine des Herstellers Landkrone. "Bio-Plus-3 Omega 3" prangt auf dem Deckel gleich neben einer Walnuss-Abbildung. Auch hält die Verbraucherzentrale für einen Etikettenschwindel. Denn der Anteil der gesunden Fettsäuren, der aus Walnüssen in das Produkt kommt, liegt bei mageren 2,5 Prozent. Auch hier wiegen Palm- und Kokosöl im Inhalt deutlich schwerer. Außerdem bemängeln die Verbraucherschützer hier, dass die Herkunft der Hauptzutat im Dunkeln bleibe. Der Hersteller rechtfertigt den großen Walnuss-Aufdruck gegenüber den Prüfern unter anderem mit der Allergen-Gefahr, die von den Nüssen ausgehe.

Auch bei Aromen und Zusatzstoffen schneiden viele der im Marktcheck untersuchten Produkte nicht so ab, wie es die Tester gehofft hätten: Vor allem die Produktion von Fleisch-, Wurst- und Käseimitaten gehe meist mit einem größeren Einsatz von Aromen und Zusatzstoffen einher, weil die Herstellung oder ein annehmbarer Geschmack sonst nach Auskunft der Hamburger Verbraucherschützer sonst gar nicht möglich wäre. "Veganer sollten wissen, dass es sich bei den speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Fertiglebensmitteln nicht um naturreine Produkte handelt", sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale.

Tierische Herkunft nicht ausgeschlossen

Was sie zudem bemängelt ist, dass der Käufer selbst nicht feststellen könne, ob die als vegan gekennzeichneten Lebensmittel es tatsächlich auch sind. "Möglich ist, dass sie zum Beispiel Hilfsstoffe enthalten, die doch tierischer Herkunft sind", sagt Schwartau. Denn was fehlt ist ein einheitliches staatliches Vegan-Siegel. Stattdessen verzieren zum Teil von Herstellern selbst kreierte Label die Verpackungen. Produkte werben zudem durch merkwürdige Bezeichnungen wie "ethisch" zum Kauf.

Wer aus Gründen des Klimawandels auf eine vegane Ernährung setzt, der sollte sich beim Einkauf entsprechender Produkte erst Recht Zeit lassen und die Etiketten studieren. Denn die Verwendung von Zutaten wie Kokosfett, Palmöl, Sojabohnen oder Mandeln ist für die Umwelt nicht in jedem Fall gut. Oftmals werden sie nämlich in Monokulturen angebaut oder kommen von fern her, was dazu führt, dass mehr schädliches CO2 in die Atmosphäre gelangt.

Insgesamt raten die Verbraucherschützer Veganern dazu, Produkte mit reichlich Palm- oder Kokosöl nicht zu häufig auf den Speiseplan zu nehmen. Auch, wenn sie sich grundsätzlich gegenüber Mischkostlern insgesamt durch die vegane Ernährung bereits fettärmer ernähren.

(wat)