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Etikettenschwindel - Wenn nicht drin ist was drauf steht

Der große Etikettenschwindel : Wenn nicht drin ist, was drauf steht

Die Hersteller der verschiedenen Supermarktprodukte tun alles, um die Verbraucher zum Kauf zu bewegen. Vor allem auf Etiketten wird getrickst. Biologisches Design, obwohl kein Bio drin ist, oder Aufschriften wie "zuckerfrei", obwohl eben doch Süße im Lebensmittel steckt, sind nur zwei Beispiele des großen Etikettenschwindels.

Nichts wird so regelmäßig frisch gekauft wie Lebensmittel. Was im Einkaufswagen landet, wird von einer Mischung aus Appetit und Notwendigkeiten bestimmt. Dabei sind einige Lebensmittel besonders beliebt, wie zum Beispiel Tomaten, Wurstwaren oder schwarze Oliven. Etwas milder im Geschmack als die grüne, landet sie gerne auf der Pizza, oder auch im Salat.

Was viele jedoch nicht wissen: Nur weil auf dem Etikett "schwarze Oliven" angegeben ist, muss das nicht stimmen. Tatsächlich sind die meisten schwarzen Oliven nur eingefärbt, und in Wahrheit grün. Mit dem Farbschwindel sparen die Hersteller vor allem Zeit. Denn die grünen Oliven hängen kürzer am Baum, sind dafür aber auch bitterer im Geschmack, als die länger gereiften schwarzen Früchte.

Angegeben werden muss die optische Täuschung auf den Etiketten nicht. Hinweise darauf finden Verbraucher nur im Kleingedruckten auf der Rückseite. Eindeutiger Hinweis sind die Bezeichnungen Eisen-II-Gluconat (E 579) oder Eisen-II-Lactat (E 585). Tauchen sie auf der Liste der Inhaltsstoffe auf, ist das Produkt zwar meist günstiger als das etwa aus der frischen Theke, um "echte" schwarze Oliven, handelt es sich dann allerdings nicht.

Naturkosmetik

Gerade in Sachen Kosmetik sind viele Verbraucher sensibel. Denn was auf die Gesichtshaut aufgetragen wird, sollte auf keinen Fall allergische Reaktionen oder auch nur Reizungen auslösen. Immer mehr setzen deshalb auf Naturkosmetik. Die allerdings hält bei weitem nicht immer was sie verspricht. Vielmehr betreiben die Hersteller hier Etiketten-Schwindel im großen Stil.

Das bedeutet, sowohl das Design der Verpackung als auch die Beschriftung mit "natürlichen Inhaltsstoffen" lassen zwar auf ein Bio-Produkt schließen, tatsächlich sind in den meisten Fällen jedoch künstliche Stoffe enthalten. Ein Bericht von Ökotest 2013 zeigte, dass oftmals sogar nur eine winzige Dosis natürlicher Substanzen enthalten ist. Der Rest ist rein chemisch, darunter Fette auf Erdölbasis oder künstliche Farb- und Konservierungsstoffe.

Aufgezählt werden hier sogar Firmen, die sich eindeutig als natürliche Kosmetik darstellen, wie etwa The Body Shop oder Yves Rocher. Um diesem so genannten "Greenwashing" zu entgehen, sollten Verbraucher nur zu Produkten mit Naturkosmetik-Siegeln greifen - und dann dennoch die Inhaltsstoffe etwa auf Paraffin prüfen.

Regional

Aber nicht nur der Inhalt, auch die Herkunft der Produkte ist für viele Verbraucher wichtig. Etwa 70 Prozent kaufen mehrfach pro Woche bewusst regionale Produkte. Doch auch hier ist der Etikettenschwindel groß: Für den Schwarzwälder Schinken beispielsweise muss das Schwein nicht irgendwo im Schwarzwald sein Dasein gefristet haben, es reicht, wenn das Fleisch zum größten Teil dort verarbeitet wurde.

Um solche Täuschungen zumindest einzugrenzen, wurde das blau-weiße Siegel "Regionalfenster" entwickelt. Das soll dem Käufer signalisieren, dass beispielsweise das Produkt mit dem Slogan "Gutes Stück Heimat" auch wirklich aus der Heimat ist. Allerdings garantiert das nicht unbedingt eine gute Versorgung der Tiere. Gerade um die geht es vielen Verbrauchern aber bei dem Gedanken an den "regionalen Bauernhof".

Beispielsweise wurde laut, dass der Discounter Lidl Hühnchen aus regionaler Zucht verkaufte. So weit so gut. Nur stammten die Tiere von der PHW-Gruppe (auch als Wiesenhof bekannt), die wiederum nicht nur Deutschlands größter Geflügelproduzent, sondern gegen die auch Vorwürfe wegen grausamer Tierhaltung, wie etwa die Haltung von Hühnern auf engstem Raum und sogar in den Müll geworfene Küken laut geworden sind.

Übrigens, Begriffe wie "Bauer", "Bauernhof" oder "Land" auf der Verpackung suggerieren zwar die Haltung auf einem Bauernhof, stimmen muss das jedoch nicht. Tatsächlich ist es Firmen erlaubt auf ihre Produkte etwa "Bauernhof Landglück" zu drucken, ohne das es diesen Bauernhof überhaupt gibt. Möglich wird das, durch die geschickte Auswahl von Wortbestandteilen. Rechtlich ist das erlaubt.

Laktosefrei

Immer mehr Menschen wird eine Lebensmittel-Allergie oder -unverträglichkeit diagnostiziert. Zu den häufigsten Formen gehört die Laktoseintoleranz, also die Unfähigkeit den in Milch enthaltenen Zucker aufzuspalten.

Folgen sind Übelkeit, Blähungen, Aufstoßen bis hin zu Durchfall und Erbrechen, je nach Schwere der Unverträglichkeit. Die Industrie hat Betroffene längst als eigene Zielgruppe erkannt, und diverse laktosefreie Produkte auf den Markt gebracht.

Was viele Konsumenten jedoch nicht wissen: in den meisten Fällen, ist in den Produkten trotz der Aufschrift "laktosefrei", sehr wohl Laktose enthalten. Nur hat der Hersteller gleichzeitig auch Laktase, also das Milchzucker spaltende Enzym beigemischt, sodass die Verdauung des Zuckers künstlich ermöglicht wird.

Fakt ist aber: Zunächst wird der Milchzucker konsumiert, und somit anverdaut. Wer sehr empfindlich ist, könnte deshalb leichte Symptome bemerken. Um wirklich auf die Belastung durch Laktose zu verzichten, sollte auf alternative Produkte aus Soja oder Nüssen umgestiegen werden.

Zucker

Eine der größten Irreführungen im Etikettenbereich, passiert jedoch mit Zucker. All zu oft wird dem Verbraucher ein Produkt als zuckerfrei verkauft, in dem tatsächlich noch etwas von dem süßen Stoff steckt.

Eine wahre Zuckerbombe sind beispielsweise so genannte "zuckerfreie" Müslis. Zwar mag darin kein zusätzlicher Zucker vorkommen, doch durch Trockenfrüchte und Süßmolkenpulver, ist eben doch jede Menge Süße enthalten. Für großes Aufsehen sorgte etwa ein Baby-Tee von der Firma Hipp. Die Verbraucherschützer von Foodwatch entdeckten, dass der Tee aus löslichem Granulat, entgegen dem Etikett und gängigen Ernährungsempfehlungen für Kinder, zu 97 Prozent aus Zucker bestand. Hipp nahm den Tee, der unter dem Markennamen Bebevita erschien, letztlich vom Markt.

Auch dürfen in so genannten "zuckerfreien" Lebensmitteln 0,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthalten sein. Zucker kann außerdem auch in Form von Enzymen in ein Getränk gemischt werden. Dann muss er ebenfalls nicht als solcher benannt werden.

Zucker kann also viele Erscheinungsformen haben, und muss auf dem Etikett nicht explizit erwähnt werden. Auf Nummer sicher gehen können Verbraucher, indem sie die Nährwerttabelle des Produktes prüfen. Dort vor allem die Menge der Kohlenhydrate.

Mengenrabatt

Wer im Supermarkt sparen will, hält neben dem Kauf von Discounter-Produkten auch Ausschau nach Mengenrabatten. Doch genau die sind oftmals reiner Trugschluss.

Ein Beispiel der Verbraucherzentrale : Die Standardgröße "Merci" erwarben die Tester für 3,69 Euro, die Großpackung der Pralinen für 6,99 Euro war im gleichen Supermarkt zu kaufen. Als die Verbraucherschützer den Grundpreis überprüften, stellte sich jedoch heraus, dass die große Packung mit 1,75 Euro pro 100 Gramm im Vergleich zur kleinen Packung mit 1,48 Euro pro 100 Gramm, deutlich teurer war.

Ähnliches ist bei Getränken oder auch Wurst- und Käseverpackungen zu beobachten. Deshalb sollte vor einem Kauf unbedingt der Grundpreis, also der Preis pro 100 Gramm oder pro Kilo, vergleichen werden. Schwierig wird das nur, wenn die große und die kleine Packung nicht etwa nebeneinander im Regal liegen, sondern eine der beiden an anderer Stelle im Markt etwa als Aktion angeboten wird.

Es zeigt sich, eine so alltägliche und eigentlich einfache Sache wie Einkaufen, ist in Wirklichkeit alles andere als simpel. Denn um beim Gang durch den Supermarkt tatsächlich das gewünschte Produkt zu finden, kann der Verbraucher eines nicht tun: sich auf das Etikett verlassen.

(ham)