Famos: "Volkslied reloaded"

Alte Schätze in neuer Form : Famos: Volkslieder in neuem Gewand

Crossover Wie uns die Alten sungen – diese Zeile kennen wir allenfalls als Zitat, kaum noch als erlebte Realität. Während andere Länder ihre Volkslieder pflegen, sind wir hierzulande seltsam erinnerungslos geworden.

Es scheint Fluch auf unserem Liedgut zu liegen, so groß ist angeblich die Nähe zu unguten Zeiten. Dabei waren es gerade die alten Volkslieder, die in Deutschland eine Art emotionale Brücke über den Sumpf jener zwölf Jahre bildeten.

Es hat in jüngster Zeit viele Versuche gegeben, das Band wieder abzuspielen, das in unseren Köpfen auf Stummschaltung geraten war. Berühmte Opernsänger traten vors Mikrofon und sangen die alten Lieder; öffentliche Mitsing-Aktionen verteilten sie unters Volk und staunten, was da doch noch fruchtbar war. Jetzt ist als Reanimationsmaßnahme ein Projekt mit einer wunderbaren CD auf den Markt gekommen, das auch künstlerisch von allerhöchster Dringlichkeit und Qualität ist. „Volkslied reloaded“ heißt die Offensive, und das Schöne ist, dass sie gleichermaßen populär wie raffiniert ist, einfühlsam und wagemutig.

Das Ensemble Quadro Nuevo, das auf Crossover-Projekte jenseits des Mainstreams spezialisiert ist, hat mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Leitung der Salzburger Dirigentin Elisabeth Fuchs 17 Volkslieder arrangiert und für Sony Classical produziert. Es ist ein faszinierender Reigen, in dem die berühmten Weisen von „Kein schöner Land“ bis zu „Der Mond ist aufgegangen“ eine Weltreise antreten und ihre Elastizität beweisen: Mal klingt es nach Tango, mal nach Minimal Music; mit Bandoneon, Saxofon, Congas, Klavier und einem kompletten Orchester werden alle Fenster geöffnet.

Das Ergebnis ist eine Sensation. Man hört die CD mit Begeisterung, Staunen, Nachdenklichkeit – und Wehmut. Gesungen wird nicht, aber das macht nichts, man summt ja aus vollem Herzen mit. Wolfram Goertz

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