Musical „Chicago“ im Capitol in Düsseldorf: Gute-Laune-Abend unter Mörderinnen

Musical „Chicago“ im Capitol : Gute-Laune-Abend unter Mörderinnen

Im Capitol feierte das Musical „Chicago“ Premiere. Es erzählt von zwei Frauen, die aus dem Gefängnis heraus Karriere machen.

Schon der Auftakt mit „All That Jazz“ gerät schmissig: Fesche Tänzer und aufreizend gekleidete Tänzerinnen fegen über die Bühne, und Samantha Peo hat als Velma Kelly ihr erstes zündendes Solo. Dem Publikum wird eine Geschichte über Mord, Habgier, Korruption, Gewalt und Verrat angekündigt, „lauter Dinge, die uns lieb und teuer sind“, wie es heißt.

Bis Sonntag gastiert im Capitol das Broadway-Musical „Chicago“, das mit der Musik von John Kander und den Texten von Fred Ebb zum Welterfolg wurde. 1975 uraufgeführt, ist die Mords-Posse so frisch und mitreißend wie eh und je. Schauplatz ist der Knast von Chicago. In der Gangsterstadt sitzen in den 1920er Jahren samt und sonders bildhübsche Mörderinnen ein. Mit unverhohlener Lust singen die sechs Damen im „Cell Block Tango“ von ihren Schandtaten. Sie haben ihre Ehemänner und Liebhaber mit Arsen, Messern und Schusswaffen ins Jenseits befördert. Selber schuld, die Jungs, warum haben sie sich auch schlecht benommen oder ihre Frauen betrogen?

Eiskalt und verführerisch zugleich, sind die Killer-Ladies Velma Kelly (Samantha Peo) und Roxie Hart (Carmen Pretorius) die Stars hinter Gittern. Beide glänzen stimmlich wie schauspielerisch. Besonders bei Samantha Peo verwundert es, wo sich in diesem schmalen Körper so viel Power und eine solche Stimme verstecken können. Und hat man je eine dreckigere Lache gehört? Aber auch die zwei Satansbraten sind der mächtigen „Kittchen-Königin“ Mama Morton (Ilse Klink) ausgeliefert. Die Herrin der Schlüssel gewährt Privilegien, lässt sich ihre Gefälligkeiten aber üppig bezahlen. Mit ihr sollte man es sich nicht verderben, ihr Song „Bist du gut zu Mama, ist Mama gut zu dir“ klingt wie eine Drohung. Denn was, wenn nicht?

Doch das ist nichts gegen den aalglatten Anwalt Billy Flynn (Craig Urbani). Mit Haifisch-Miene behauptet er, die Liebe ginge ihm über alles („All I Care About is Love“). Sein wahrer Götze aber ist das Geld. Regelmäßig taucht der Winkeladvokat bei seiner momentanen Favoritin im Gefängnis auf, legt Finten aus und intrigiert. Aber er haut die Mädels eben auch raus, so lange die Dollars sprudeln. Der Presse bindet er Bären auf, das Gericht versucht er mit rührseligen Schicksalen der „Unschuldslämmer“ zu erweichen.

Auf der Bühne spielen die Musiker (Leitung: Bryan Schimmel) live. In „Chicago“ wird Englisch gesprochen und gesungen. Die Texte, die an beiden Seiten in roter Schrift mitlaufen, machen das Verständnis kinderleicht. Die Handlung lebt von dem Wechselspiel, der Rivalität und dem notgedrungenen Zusammenschluss der beiden Protagonistinnen. Zunächst ist die brünette Velma der Knast-Star. Obwohl sie einen Doppelmord an ihrem Mann und ihrer Schwester begangen hat, hofft sie mit des Anwalts Hilfe auf Freispruch.

Doch dann kommt die blonde Roxie. Velma lässt sie hochmütig abblitzen, bis sie merkt, dass die Neue noch abgebrühter ist als sie selbst. Doch auch Roxie, die ihren Liebhaber erschossen hat, darf sich nicht in ihren Erfolgen sonnen. Sie bekommt ihre Lektion, als die reiche Killer-Kitty, die gleich vier Menschen auf dem Gewissen hat, in den Fokus des gierigen Anwalts gerät. Am Ende aber tanzen Roxie und Velma wieder in die Freiheit, während die Zuschauer von ihren Stühlen aufspringen und das Ensemble stürmisch feiern. Auch durch einige ausufernde Passagen wie der Sprechgesang bei „Roxie“ wird das schwungvolle Musical kaum ausgebremst. „Chicago“ hat zwar keine wirklichen Ohrwürmer zu bieten, aber man vermisst sie auch nicht. Ein Gute-Laune-Abend.

Info „Chicago“ wird von Donnerstag bis Samstag jeweils ab 19.30 Uhr im Capitol-Theater gezeigt. Samstag und Sonntag gibt es zudem Vorstellung ab 14.30 Uhr. Karten unter 0211 274000 und im Internet: www.westticket.de

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