Düsseldorf: Jubel im Schauspielhaus um Thomas Manns "Felix Krull"

Düsseldorf: Jubel im Schauspielhaus um Thomas Manns "Felix Krull"

Moritz Führmann gewinnt der Rolle alle Facetten ab.

Es braucht manchmal nicht viel, um gutes Theater zu machen: eine Bühne, die hier schwarz und fast leer ist. Einen brillanten Text, den Thomas Mann 1954, im Jahr vor seinem Tod, fertigstellte. Eine Idee, die der Schauspieler Moritz Führmann gemeinsam mit Regisseurin Nora Schlocker für das Düsseldorfer Schauspielhaus realisierte. Und etwas Bühnentechnik, die Illusionen ermöglicht und die Fantasie auf Reisen schickt.

Ein einziger Mime wird an diesem Abend das Stück "Felix Krull – Episoden aus dem Leben eines Hochstaplers" anpacken, er gibt sich dafür nicht viel mehr als eine Stunde Zeit. Er wird reduzieren, eindampfen, das Wesentliche herausschälen, einer Figur eine Seele einhauchen, die allzu Menschliches mit hintersinniger Doppelbödigkeit vorspielt. Dieser Krull ist der vielleicht bekannteste Hochstapler der deutschen Literatur. Ein Gauner und Gigolo, ein begnadeter Betrüger, der das Blenderkunsthandwerk wie kein zweiter versteht. Und er hat ausgeprägte narzisstische Züge, weswegen ihm die Requisite einen gerahmten Spiegel an die Hand gibt.

Bevor an diesem glänzenden Abend das Sprechtheater eröffnet wird, gibt es Musik, ein animierendes Präludium, das der Pianist Klaus Lothar Peters feinsinnig anstimmt. Schlager, Arien oder Volkslieder, auch Wagner-Zitate werden den kurzweiligen Abend immer wieder untermalen, kleiden Stimmungen in Töne und Harmonien. Brillant assistiert Peters dem Schauspieler – mitunter formieren sich die beiden zu einem Paar, das im Duett singt.

Dann hebt Moritz Führmann an zu seinem langen Monolog, in dessen Verlauf er virtuos weitere Personen einbezieht. Ein verwickeltes Rollenspiel ist das Solo. Er trägt Anzug, Hemd, Lackschuhe. Das Hemd weist Seitenschlitze auf, in denen unsere Hauptperson später ihre Hände verstecken, ihre Arme verschränken oder gar verknoten kann. Noch windet er sich nicht, noch beginnt er ganz gelassen mit seiner Erzählung, dem Lebensbericht eines Mannes, der mehrsprachig parliert.

Die Vorlage sollte man im Kopf haben. Oder aber man stürzt sich vorbehaltlos auf die ausgewählten Lebensabschnitte des Krull. Der Musterungsprozess, dem er sich, einen epileptischen Anfall vortäuschend, entzieht. Die Reise nach Paris, der Liftboy-Job, die Liebe. Ach, wie Führmann dies alles so treffend spielt, so sorgsam redet, so behende seinen Körper biegt und aus der Haut schlüpft. Die Blicke, die Mimik sind kunstvoll und überwältigend. Es ist ein Schauspielerabend – das Publikum jubelt dem Meister zu.

(RP)
Mehr von RP ONLINE