Moyland: Schloss Moyland holt den Himmel auf Erden

Moyland : Schloss Moyland holt den Himmel auf Erden

Für Museum Schloss Moyland hat Petrit Halilaj den Himmel auf die Erde geholt: Hier liegen Teile seines Himmels auf dem weißen Boden der Ausstellungshalle. Halilaj, der den Kosovo auf der Biennale in Venedig vertritt, entwickelte für die Ausstellung "Super Visions" in Moyland eine Installation aus Innsbruck weiter, wo er ein Himmelsrad unter der Decke des Kunstraums gegen den Sonnenlauf kreisen ließ. Jetzt ist der dort unerreichbare Himmel greifbar geworden, man darf mitten in die Himmelsteile treten und ist von Wolken und Sonnenbildern umgeben. "Weil er für Dich ist, mein Liebling", begründet der Titel der Arbeit.

Ein anderer "Liebling" liegt im Mittelteil der Ausstellungshalle auf der Erde. Halb struppiger Kingkong, halb riesiger Gulliver, hat er die Augen wie im Schlaf geschlossen, den Kopf auf den angewinkelten Arm gebettet. So erträgt das struppige Tier in aller Stille, ausgebeutet zu werden. Denn kleine Menschen scheren ihm den Pelz, andere zapfen seine Augenflüssigkeit ab, sein Blut, wieder andere schälen ihm die Haut vom Leib. Es sind Männlein mit roten, gelben und blauen Helmen, die mit an Leonardo da Vinci erinnernden Maschinen arbeiten. Sie haben Leitern und Gerüste gebaut, die auf das für sie riesige Tier führen. Sie transportieren ihre Ausbeute in Handwägelchen auf verschlungenen Wegen ab.

"Give us, Dear" (Gib uns, Liebling), heißt diese große, über vier Meter lange Installation von Matthias Böhler & Christian Orendt. Geradezu brutal trotz aller niedlichen Männlein führt sie vor, wie der Mensch die Kreatur ausbeutet und alles von ihr verwertet. Tatsächlich sind alle von den Männlein geschaffenen Maschinen und Fahrzeuge aus Produkten des Tiers entstanden. Warum sie dies tun, das bleibt im Verborgenen.

"Super Visions" zeigt mit Böhler & Orendt, Petrit Halilaj, David Shrigley, Heiner Franzen und Eva von Platen sechs Künstler mit teils an Street- und Pop-Art erinnernden Arbeiten. So galoppiert Heiner Franzens Pferd – comicartig aus dem Tarkowski-Film "Andrej Rubljow" entlehnt – in einer Endlosschleife über die Wand.

"Museum Schloss Moyland stellt damit fünf aktuelle Positionen vor, die einen Schwerpunkt im Bereich der Zeichnung haben", sagt Stefanie Heckmann, Kuratorin der Ausstellung. Mit ihren aus den Zeichnungen sich entwickelnden Installationen greifen sie auch in den Raum. "Anregungen für ihre Werke ziehen die sechs Künstler aus alltäglichen Erfahrungen ebenso, wie aus Comic, Film oder Internet", sagt Heckmann.

"Super Visions. Zeichen und Sein" Museum Schloss Moyland. Eröffnung heute, 16. 2., 18 Uhr. Bis 30. Juni, Di bis So 11-17 Uhr.

(RP)
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