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Düsseldorf: Buh-Chöre im ausverkauften Schauspielhaus

Düsseldorf : Buh-Chöre im ausverkauften Schauspielhaus

Düsseldorfs neuer Intendant Günther Beelitz erreicht nicht ganz sein Ziel mit der O'Casey-Premiere.

Man kann es dem Düsseldorfer Publikum nicht so leicht recht machen. Die Theatergänger der Landeshauptstadt gelten als extrem schwierig, vielleicht sogar kapriziös. Zuletzt sind sie weggeblieben, haben ihrem Theater mehrheitlich die kalte Schulter gezeigt. Zu viele Querelen wegen mehrerer Intendantenwechsel und wegen Nachrichten über angeblich unsolide Finanzführung werden wohl daran mit Schuld gewesen sein. Man sprach in Düsseldorf öfter über Personal und Millionenlöcher als über die künstlerischen Leistungen oder die Qualität der Produktionen.

Vor 100 Tagen nun wurde mit Günther Beelitz ein neuer Intendant für zwei Jahre berufen, der die Dinge richten soll; Konsolidierung der Finanzen und Beruhigung an allen Fronten versprachen sich die Stadt Düsseldorf und das Land NRW von dem aus dem Hut gezauberten 76-Jährigen, der bereits einmal vor Jahrzehnten das Haus am Gustaf-Gründgens-Platz sehr erfolgreich geführt hatte. Ihm zur Seite agiert Alexander von Maravic als erfahrener Hüter der Finanzen.

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Mit der Sonder-Premiere am Sonntagabend setzt Beelitz erste Zeichen gegen den akuten Publikumsschwund. Er will länger spielen als vom Vorgänger vorgesehen, um mehr Einnahmen generieren zu können. Er will mit einer kostengünstigen Drei-Personen-Produktion ein Publikum ansprechen, das sich für eine leichte Sommerkomödie interessiert, die mit drei Schauspielern besetzt wurde, die rund 20 Jahre älter sind als im Urtext des Iren Sean O'Casey vorgesehen. Doch es erscheint wie verhext: "Das Ende vom Anfang" war ein Flop. Dabei war das Schauspielhaus mit rund 700 Besuchern nahezu ausverkauft. Auch der Besetzungszettel gab Anlass zur Vorfreude: Marianne Hoika, Winfried Küppers und Wolf Aniol - drei wirklich gute, anerkannte Mimen - würden unter der Regie von dem vor allem als Schauspieler bekannten Michael Abendroth das turbulente Dreipersonenstück über die drastische Umkehrung von Geschlechterrollen aufführen. Ein Mann streitet sich mit seiner Frau über den Wert von Arbeit - das war zur Zeit der Uraufführung, 1937 in Dublin, nicht viel anders als heute. Am Ende geht sie die Wiese mähen, und er übernimmt die Dinge des Alltags. Ein Freund stößt zum selbst ernannten Haushaltsmanager. Gemeinsam verwandeln sie die im alten Bauernstil zusammengebastelte Küche in ein Trümmerpanorama.

Mehr als männliches Versagen bietet dieses nur 21 Seiten starke Bühnenstückchen nicht. Die Inszenierung alleine muss es richten, das Komische will entwickelt werden, das Groteske muss sich langsam und unaufhaltsam anbahnen, zuspitzen. Dies aber gelingt auf Anhieb nicht. Stattdessen übermüden zu starke Übertreibung, zu viele Materialschlachten den nach Tiefsinn lechzenden Zuschauer. Dabei spielen die Schauspieler gut, vielleicht nur mitunter zu hektisch.

Nach 70 Minuten quittiert das Publikum die Leistung mit Buh-Chören, die den mageren Applaus überdröhnen. "Bauerntheater" zischte man sich hinterher zu. Auch andernorts ist das Stück durchgefallen, etwa 2009 am Münchner Cuvilliés-Theater in der Inszenierung von Dieter Dorn. Vielleicht weil es in der alten Form nicht in die neue Zeit passt. Und weil nichts so schwer zu inszenieren ist wie das Leichte.

Nächste Vorstellung heute, 19.30 Uhr

(RP)