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Veranstalter will nach Mönchengladbach: Mönchengladbach muss für "Rock am Ring" strenge Auflagen erfüllen

Veranstalter will nach Mönchengladbach : Mönchengladbach muss für "Rock am Ring" strenge Auflagen erfüllen

Das legendäre Musikfestival wird nach dem Willen des Veranstalters bald in Mönchengladbach stattfinden. Ein Antrag liegt der Stadt bereits vor. Auf dem ehemaligen Militärgelände JHQ wäre genug Platz für rund 80 000 Zuschauer.

Sechs mögliche neue Standorte gibt es für das Musikfestival "Rock am Ring". Doch für Veranstalter Marek Lieberberg steht Mönchengladbach ganz oben auf der Prioritätenliste: "Es gibt in ganz Deutschland keinen besseren Standort." Das hat er am Montag ausdrücklich betont.

Schon vor Monaten hatte Lieberberg sich das 420 Hektar große ehemalige Militärgelände JHQ im Stadtteil Rheindahlen angeschaut. "Das ist ein großartiger Schauplatz, ein unglaublich guter Ort, um Musik im Freien zu genießen", sagt er. Natürlich gebe es noch Fragen zu klären, aber "wir würden ,Rock am Ring' in Mönchengladbach sehr begrüßen". Einen Antrag für ein Musikfestival am ersten Juniwochenende 2015 hat Deutschlands größter Konzertveranstalter bei der Stadt schon gestellt. Ob dieser positiv beschieden wird, ist noch nicht geklärt. Geprüft werden müssen noch Auflagen hinsichtlich des Lärm- und Naturschutzes. Die Themen Sicherheit und Verkehr spielen ebenfalls eine Rolle.

Lieberberg schwärmt von Gladbach

Vergangene Woche war das Aus für "Rock am Ring" am Nürburgring bekanntgeworden. Grund für den Weggang aus der Eifel nach fast 30 Jahren ist laut Lieberberg die Kündigung des Vertrags seitens des Ring-Betreibers, dem Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn. Dessen Forderung sei wirtschaftlich nicht vertretbar. Lieberberg wolle niemanden unter Druck setzen, aber er sieht zumindest hinsichtlich der Infrastruktur keine Probleme in Mönchengladbach. Das Gelände sei sogar viel besser geeignet als das in der Eifel. "Außerdem ist die Stadt Musik-affin", sagt Lieberberg und spielt dabei auf die Konzerte im Hockeypark und im Borussiapark mit bekannten Rockgrößen wie Bruce Springsteen an. "Die Stadt könnte das Epizentrum der Musikfestivals werden."

In Nürburg soll es weiterhin ein Festival geben, dann jedoch mit einem anderen Veranstalter. Der Betreiber des Rings habe einen neuen Partner für ein Festival gefunden, hieß es gestern. Es sei die Deutsche Entertainment AG (Deag) aus Berlin. Weitere Details zu den Plänen sollen heute bekanntgegeben werden. Aber die Marke "Rock am Ring" nehmen Lieberberg und Sohn André mit - egal, wo der neue Standort der Veranstaltung sein wird.

Massive Zweifel in der Pfalz

Doch ob das reicht, bezweifeln zumindest in Rheinland-Pfalz einige. "Ich habe große Zweifel, ob die Institution ,Rock am Ring' zu verpflanzen ist", sagt Gereon Haumann, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Rheinland Pfalz. Das Konzept funktioniere eher am alten Ort mit neuem Veranstalter als umgekehrt: "Mönchengladbach ist gut beraten, die Erwartungshaltung nicht zu sehr in den Himmel schießen zu lassen. Der Aufprall könnte sehr hart sein."

Doch davon will man in der Vitusstadt momentan nichts wissen. Allein die Aussicht, die "Mutter aller Festivals" vor der Haustür zu haben, sorgt für Euphorie. Auf Facebook gibt es eine neue Fanseite: "Rock am Ring: Mönchengladbach sagt willkommen." Dort werden bereits Vorschläge gemacht, welche Bands demnächst in der Stadt auftreten könnten. Der enorme Zuspruch und die vielen tausend Gefällt-mir-Klicks haben Lieberberg gerührt. "Das ist die schönste Liebeserklärung von Fans, die man machen kann", sagt er. Und: "In Wacken steht eine ganze Gemeinde hinter ihrem Festival. Es wäre schön, wenn sich das in Mönchengladbach auch so entwickeln würde." In der Gemeinde in Schleswig-Holstein findet ein Heavy-Metal-Festival statt.

Weitere Gespräche

In Mönchengladbach will Lieberberg mit der Hockeypark-GmbH um Michael Hilgers zusammenarbeiten. Am vergangenen Freitag und Samstag hatte es bereits Gespräche gegeben. Am Wochenende am Nürburgring soll es ein weiteres Treffen geben. Auch für Hilgers hat der Standort viele Vorteile: "Es gibt eine gute Anbindung mit drei Autobahnen, mehrere Zufahrtsstraßen für das Festivalgelände, genug Platz für drei Bühnen, und für die Camper könnten noch umliegende Ackerflächen hinzugepachtet werden."

Doch noch ist es nicht so weit. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung mit rund 80 000 Zuschauern obliegt besonderen Sicherheitsauflagen. Seit der Katastrophe auf der Loveparade, bei der 2010 in Duisburg 21 junge Menschen infolge einer Massenpanik ums Leben kamen, gelten in NRW für Großveranstaltungen hohe Sicherheitsauflagen. "Es gibt ein Handlungskonzept, an dem sich die Städte orientieren können", erklärt eine Sprecherin des Innenministeriums. "Es obliegt den Ordnungsbehörden vor Ort, die Veranstaltung dann zu genehmigen."

Hohe Sicherheitsauflagen

Das Sicherheitskonzept des Innenministeriums umfasst 63 Seiten. Es gilt für Großveranstaltungen ab 5000 Besuchern im Freien. Darin enthalten sein müssen Lösungen für die Lenkung der Besucherströme und Ausweisungen für Fluchtwege und Auslaufflächen. Geregelt werden muss auch der An- und Abreiseverkehr und die Einsatzbereitschaft der Rettungs- und Sanitätsdienste. "Der Veranstalter muss das Konzept erarbeiten und der jeweiligen Kommune vorlegen, die das dann prüft", heißt es. Das sei teilweise ein ziemlich aufwendiges Verfahren. Viele Behörden und Ämter seien involviert.

Für viele Kommunen und Veranstalter sind die Auflagen häufig zu hoch. Straßen- oder Stadtfeste können die Anforderungen nicht erfüllen - oft aus finanziellen Gründen, manchmal aus Platzgründen. Sogar das "NRW-Fest" in Hückeswagen fiel im vergangenen Jahr aus, weil die Kommune die Sicherheitsanforderungen für die erwarteten 400 000 Besucher nicht erfüllen konnte.

Am kommenden Pfingstwochenende wird "Rock am Ring" noch ein letztes Mal am Nürburgring über die Bühne gehen. 2015 könnte das Festival dann in Mönchengladbach eröffnet werden.

Hier geht es zur Infostrecke: Netzreaktionen: Rock am Ring 2015 in Mönchengladbach

(RP)