Europas Klimasünder: Ryanair stößt so viel CO2 aus wie Kraftwerke

Kohleausstieg : Ryanair landet in Top Ten der Klimasünder

Die irische Fluggesellschaft gehört zu den zehn größten Kohlendioxid-Emittenten in Europa. Damit hat es erstmals ein Unternehmen ohne Kraftwerke in die schmutzigen Top Ten geschafft. RWE ist mit drei Kraftwerken in den Top Ten vertreten.

Das Ranking der größten Klimasünder in Europa war bislang von Braunkohle-Kraftwerken dominiert. RWE und die ostdeutsche Leag tauchen hier stets mehrmals auf. Doch nun hat es erstmals ein Unternehmen ohne Kraftwerke unter die schmutzigen Top Ten geschafft: Der irische Billigflieger Ryanair stieß im vergangenen Jahr 9,88 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) aus, sieben Prozent mehr als im Vorjahr, und landete damit auf Platz zehn. Das geht aus Zahlen der EU-Kommission hervor, die die Brüsseler Denkfabrik T&E (Transport&Environment) aufbereitet und veröffentlicht hat.

Angeführt wird das Ranking vom polnischen Kraftwerk Belchatow in der Nähe von Lodz, hier steht das größte Braunkohlekraftwerk der Welt, es kam 2018 auf 38,35 Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Es folgen die RWE-Kraftwerke Neurath (32,16 Millionen) und Niederaußem (25,93 Millionen). Nach dem Leag-Kraftwerk im brandenburgischen Jänschwalde (22,81 Millionen) folgt das RWE Kraftwerk Weisweiler (16,79 Millionen). Und dann auf Platz zehn eben der irische Billigflieger.

„In Bezug auf das Klima ist Ryanair die neue Kohle“, erklärte Andrew Murphy, Luftfahrt-Experte von T&E. Ryanair wies die Kritik zurück und sagte, man sei seine CO2-arme Airline.

Und wie steht die Lufthansa da? Die größte deutsche Fluggesellschaft hat ebenfalls Millionen Passagiere transportiert. Doch sie steht nicht in den Top Ten. Hier zeigen sich die Schwächen dieser Statistik, denn sie erfasst nur die innereuropäischen Flüge, und bei denen ist Ryanair besonders stark. Interkontinental-Flüge, wie Lufthansa viele hat, bleiben in dieser Statistik außen vor. „Es mag sein, dass die Lufthansa größere CO2-Emissionen hat als Ryanair“, sagte ein T&E-Sprecher auf Anfrage. Zumal nach einer weiteren, am Mittwoch von T&E veröffentlichten Statistik die CO2-Emissionen von Easyjet im vergangenen Jahr um 11,0 Prozent gestiegen sind, die von Lufthansa um 9,6 Prozent und die von Ryanair um 6,9 Prozent.

Für die Denkfabrik ist die Sache klar: Bei der Luftfahrt habe Europas Klimapolitik in besonderer Weise versagt, so Andrew Murphy. Der Sektor sei zu wenig reguliert und zu wenig besteuert. Es sei Zeit, Kerosin endlich angemessen zu besteuern und die Airlines zur Anschaffung sparsamerer Flugzeuge zu zwingen.

Tatsächlich stand bislang vor allem der Energiesektor im Fokus der Klimaschützer, hier hat die Kohlekommission den Weg zum Ausstieg gewiesen. Verkehr und Wärme blieben bislang ungeschoren.

Immerhin eine gute Nachricht gibt es: 2018 sind die Treibhausgasemissionen in Deutschland nach einer Prognose des Umweltbundesamtes um mehr als vier Prozent auf 869 Millionen Tonnen zurückgegangen. Dies lag auch am milden Winter, es wurde weniger Kohle, Öl und Gas verbrannt. Zudem ließ der lange Sommer den Sonnenstrom ansteigen.

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