Facebook-Chef in Berlin: Mark Zuckerbergs Charme-Offensive verpufft

Facebook-Chef zu Gast in Berlin : Zuckerbergs Charme-Offensive verpufft

Vor allem aus Deutschland schlägt dem sozialen Netzwerk viel Kritik entgegen. Der Firmenchef versucht die Wogen bei seinem Berlin-Besuch zu glätten. Erfolgreich ist dieses Unterfangen jedoch nur bedingt.

Seinen Deutschland-Besuch dürfte sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg (34) anders vorgestellt haben. Eigentlich war der Gründer des in die Kritik geratenen sozialen Netzwerks nach Berlin gekommen, um die Wogen nach den zahlreichen Datenskandalen und der Debatte um Fake-News und Hetze im Netz zu glätten. Doch viel Gegenliebe schlug ihm bei seinem mehrtägigen Europa-Besuch nicht entgegen. Stattdessen gab es Kritik von Verbraucherschützern, Politikern und Aktivisten.

Am Dienstag standen für den Facebook-Chef mit ranghohen Politikerinnen auf dem Programm. Katarina Barley, Bundesjustizministerin und Spitzenkandidatin der SPD bei der Europawahl, ätzte nach ihrem Treffen: „Mark Zuckerberg spricht seit einem Jahr viel über die Verantwortung von Facebook für Gesellschaft, Demokratie und die Privatsphäre von mehr als zwei Milliarden Menschen. Doch zu spüren ist davon wenig.“ Facebook habe durch sein Verhalten viel Vertrauen verspielt. Der Internet-Milliardär hatte sich am Wochenende auf den Standpunkt gestellt, es müsse eine weltweit einheitliche Regulierungen bei Themen wie dem Datenschutz oder im Kampf gegen politische Manipulationen bei Wahlkämpfen geben. Ein gefundenes Fressen für Barley. Die returnierte den Ball gleich: „Facebook hätte bereits heute alle Möglichkeiten, um unabhängig von staatlicher Regulierung höchstmöglichen Datenschutz für die User zu garantieren“, sagte sie. „Stattdessen vergeht kaum ein Monat ohne einen neuen Sicherheitsskandal.“ Tatsächlich musste das soziale Netzwerk erst vor wenigen Tagen zugeben, dass es Passwörter von Hunderten Millionen Nutzern auf einem Server gespeichert hatte, ohne diese ordnungsgemäß zu verschlüsseln. Auch die Tatsache, dass ein Rechtsterrorist im neuseeländischen Christchurch 50 Menschen in zwei Moscheen erschoss und die Taten live bei Facebook übertrug, brachte dem Konzern viel Kritik ein.

Zudem muss sich Zuckerberg dem Vorwurf erwehren, urheberrechtlich geschützten Inhalten kostenfrei über Facebook zu verbreiten. In einem Gespräch mit Springer-Chef Matthias Döpfner kündigte er etwas vage an, Facebook könnte einen separaten Bereich für Medieninhalte einrichten. Das Online-Netzwerk wolle stärker „hochwertige und vertrauenswürdige News“ hervorheben, sagte Zuckerberg. Dabei schloss er auch Lizenzzahlungen an teilnehmende Medienunternehmen nicht aus. Zugleich betonte er, der Plan stehe noch ganz am Anfang und Facebook wolle ihn gemeinsam mit der Branche entwickeln.

Weniger schmeichelhafte Reaktionen gab es zudem auf ein Treffen mit Annegret Kramp-Karrenbauer im Adenauer-Haus – die allerdings vor allem die Gastgeberin betrafen. Ein Sprecher verbreitete über Twitter ein Foto der Begegnung, das prompt im Netz für viel Häme sorgte: Kramp-Karrenbauer hatte zum konservativen Hosenanzug leuchtend weiße Turnschuhe gewählt, während der sonst legerer auftretende Zuckerberg mit Anzug, Krawatte und Lederschuhen erschien. Dem Sprecher zufolge habe der Gast mit Kramp-Karrenbauer über Datenrechte, Verantwortung sozialer Netzwerke, Schutz vor ausländischer Einflussnahme und Chancen von Künstlicher Intelligenz diskutiert. (mit dpa)

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