Matthias Zachert wird Nachfolger: Lanxess trennt sich überraschend von Chef Heitmann

Matthias Zachert wird Nachfolger : Lanxess trennt sich überraschend von Chef Heitmann

Nachfolger wird der frühere Lanxess-Finanzchef Matthias Zachert. Heitmann war mit dem Aufsichtsrat zerstritten über die Strategie.

Große Überraschung beim Chemie-Konzern Lanxess: Der Aufsichtsrat vereinbarte am Sonntag in einer Sondersitzung die Trennung von Konzern-Chef Axel Heitmann. "Der Aufsichtsrat hat die einvernehmliche Beendigung der Tätigkeit von Axel Heitmann als Vorsitzender des Vorstands zum Ablauf des 28. Februar 2014 beschlossen", teilte das Dax-Unternehmen am Sonntagabend mit.

Zu seinem Nachfolger ernannte der Aufsichtsrat mit Wirkung spätestens zum 15. Mai 2014 Matthias Zachert. Der 46-jährige Zachert ist derzeit Finanzvorstand beim Pharmakonzern Merck — und bei Lanxess kein Unbekannter. Er war bereits früher als Finanzchef bei dem Leverkusener Unternehmen tätig, das mittlerweile seine Zentrale nach Köln verlegt hat. Zachert hatte einst eine Lehre zum Industriekaufmann bei Mercedes gemacht, dann Betriebswirtschaft studiert und Karriere beim Bäckerkonzern Kamps AG gemacht. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Bis zur Rückkehr von Zachert werde der derzeitige Lanxess-Finanzvorstand Bernhard Düttmann die Aufgaben von Heitmann wahrnehmen, erklärte der Aufsichtsrat weiter.

Die Ablösung von Heitmann kommt überraschend. Sein Arbeitsvertrag wäre eigentlich noch bis 2017 gelaufen. Doch der Aufsichtsrat war mit seiner Arbeit nicht zufrieden. Die Ablösung erfolgte einstimmig, hieß es.

Lanxess leidet als großer Autozulieferer dramatisch unter der Flaute am Automarkt, musste die Preise für Kautschuk-Reifen kräftig senken und hatte zudem ein großes Sparpaket aufgelegt. 1000 von 17.000 Arbeitsplätzen werden bis Ende 2015 gestrichen. "Heitmann und der Aufsichtsrat waren uneins über die Strategie, wie man aus diesem tiefen Tal wieder herauskommt", hieß es in Konzernkreisen. In der offiziellen Mitteilung las sich das so: "Lanxess steht vor großen Herausforderungen, beispielsweise hinsichtlich Marktkapazitäten und Geschäftsportfolio. Der Aufsichtsrat hält deshalb den Zeitpunkt für gekommen, einer neuen Führung Verantwortung zu übertragen, um diesen Herausforderungen zu begegnen."

Noch Ende des Jahres hatte das ganz anders geklungen. Zwar rechnete der Konzern nach dem Rekordergebnis im Jahr 2012 für 2013 mit einem Gewinneinbruch. Doch Heitmann hatte in seinem letzten Interview Ende Dezember noch erklärt: "Auch wenn die Preise auf niedrigem Niveau verharren, werden wir unser Ergebnis verbessern." Die Verbesserung findet nun ohne den 1959 in Hamburg geborenen Chemiker statt. Das ist bitter für ihn. Denn zunächst hatte Heitmann Lanxess nach der Abspaltung von Bayer zu großen Erfolgen geführt. Die Gewinne sprudelten, die Aktie des einst als "Bayers Resterampe" geschmähten Konzerns ging ab. Höhepunkt war der Aufstieg in den Dax. Mit Pomp hatte Heitmann auch noch die Umsiedlung der Zentrale von Leverkusen nach Köln gefeiert. Alles vorbei. Heitmann geht — und wie lange Lanxess noch im Dax bleibt, ist auch offen.

(anh)
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