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Rettung für Griechenland: So funktioniert ein Schuldenschnitt

Rettung für Griechenland : So funktioniert ein Schuldenschnitt

(RP). Nach der Einschätzung von Volkswirten müssten Griechenland mindestens 50 Prozent seiner Schulden erlassen werden, damit die Rettungsaktionen nicht ins Uferlose gehen. Das heißt: Die Gläubiger des Landes müssten auf etwa 180 Milliarden Euro an Forderungen verzichten.

Noch ist Griechenland nicht pleite. Noch beteuern die Politiker in Athen stets ihren Sparwillen und die eiserne Bereitschaft, die Bedingungen ihrer europäischen Partner für die Auszahlung der nächsten Kredittranche erfüllen zu wollen.

Treueschwüre der Politik

Noch leisten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Treueschwüre, dass sie die Griechen auf jeden Fall vor der Staatspleite bewahren wollen. Doch hinter den Kulissen wird offenbar längst auch dieses Szenario durchgeplant, also ein Teilerlass der griechischen Schulden. Wie funktioniert so ein Schuldenschnitt, und was kostet er die Beteiligten?

Voraussetzungen

Damit es zum Teil-Erlass kommt, müsste die Troika von Experten, die derzeit in Athen ist, erst feststellen, dass die Griechen nicht in der Lage sind, die Kreditbedingungen zu erfüllen. Dann würden die acht Milliarden Euro, die als nächste Tranche fließen sollten, nicht mehr ausgezahlt. Griechenland würde sich im Oktober für zahlungsunfähig erklären und könnte also seine Schulden nicht mehr bedienen.

Vorgehensweise

Bei einem "Haircut", wie der Schuldenschnitt in der Fachsprache heißt, würden dann die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, um wenigstens noch etwas von ihrem investierten Geld wiederzusehen. Der bislang prominenteste Fall einer Staatspleite war der von Argentinien vor knapp zehn Jahren. Dabei ging es um 100 Milliarden Dollar Anleihe-Schulden. Die Gläubiger des südamerikanischen Krisenlandes sahen damals fast drei Viertel ihres ursprünglichen Investments nicht mehr wieder.

Höhe

Griechenland hat derzeit insgesamt Schulden von etwa 360 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 157 Prozent der Leistung, die die gesamte griechische Volkswirtschaft in einem Jahr erbringt. Nach den Maastricht-Kriterien (die allerdings nicht nur die Griechen nicht erfüllen) sind nur 60 Prozent der Wirtschaftsleistung erlaubt.

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz schlägt für Athen einen "Haircut" von 50 Prozent vor. Das heißt: Griechenland hätte sozusagen auf einen Schlag "nur" noch 180 Milliarden Euro Schulden. Das Rating des Landes würde sich möglicherweise leicht verbessern. Damit wäre die Kreditwürdigkeit wieder höher, und Griechenland könnte sich irgendwann wieder Geld an den Kapitalmärkten besorgen.

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Betroffene

Das wären zum einen die Staaten in Europa, aber vor allem die Banken auf dem Kontinent, die teils massiv in griechische Staatspapiere investiert haben. Bei den deutschen Banken waren es bis zu 40 Milliarden Euro. Größter Einzelgläubiger ist nach dem mehrfachen Kauf europäischer Anleihen die Europäische Zentralbank (EZB), die nominal 140 Milliarden Euro an Hellas-Anleihen hält.

Ihre Anteilseigner — also die Mitgliedsstaaten der Euro-Zone —müssten im Bedarfsfall Kapital nachschießen. Unter den europäischen Geschäftsbanken scheinen derzeit französische Institute wie die Société Générale und Crédit Agricole stark im Feuer zu stehen. Wenn aber die Erweiterung des europäischen Rettungsfonds (EFSF) politisch unter Dach und Fach ist, kann dieser Fonds den Banken auch Anleihen abkaufen und gleichzeitig Kredite an die Staaten geben, damit die ihre Banken stützen können. So oder so würde aber der Steuerzahler in Europa in starkem Maß für die Pleite mithaften.

Notenbanken

Um aktuell die Lage zu entspannen, haben die EZB sowie die Notenbanken der USA, Großbritanniens, Japan und der Schweiz noch einmal billiges Geld bis ins Frühjahr 2012 zur Verfügung gestellt. Das läuft über drei Zuteilungsgeschäfte im Oktober, November und Dezember. Die Ankündigung hat gestern den Dax noch einmal deutlich angeschoben.

Hier geht es zur Infostrecke: Das Lexikon der Euro-Krise

(RP)