Düsseldorf: Das Smartphone als Spielekonsole

Düsseldorf: Das Smartphone als Spielekonsole

Auch Tablets und Set-Top-Boxen für den Fernseher werden zur Konkurrenz für die althergebrachten Geräte.

Der Videospielemarkt befindet sich derzeit in einem radikalen Wandel. Dank der großen Verbreitung von Smartphones und Tablets steigt die Zahl der Spieler enorm. Mobiles Spielen ist angesagt. Das hat nicht zuletzt der Hype um die kostenfreie App "Pokémon Go" gezeigt, bei der Spieler scharenweise mit ihren Smartphones durch die Innenstädte irrten, um kleine Fabelwesen einzusammeln.

Für klassische Videospiel-Konsolen und Spiele-PCs sind die immer komplexeren Smartphone- und Tablet-Spiele inzwischen zur ernstzunehmenden Konkurrenz geworden. Laut einer Studie der Hamburg Media School bekommen dies aber vor allem die tragbaren Konsolen zu spüren - etwa das Nintendo DS und die Playstation Vita. In dieses Bild passt, dass der japanische Unterhaltungskonzern Nintendo seine ablehnende Haltung gegenüber Smartphones aufgegeben hat und neben den Pokémons auch seine wohl bekannteste Figur, den hüpfenden Klempner Mario, erstmals aufs Smartphone brachte.

Doch den Abgesang auf die klassischen Konsolen zu starten, wäre verfrüht. Im Gegenteil: Der Druck ist derzeit noch eher belebend, nötigt er die etablierten Anbieter dazu, innovativer zu werden. So brachte beispielsweise Nintendo mit seiner Konsole Switch ein Zwitter-Gerät auf den Markt. Der Clou an der Switch: Am heimischen Fernseher begonnene Spiele können unterwegs durch einen unkomplizierten Umbau weitergespielt werden. Ähnliche Wege geht auch Microsoft mit seinem Angebot Play Anywhere: Bestimmte Spiele für die Konsole Xbox können - vorausgesetzt das Betriebssystem Windows 10 ist installiert - an jedem beliebigen Rechner weitergespielt werden.

Doch für wen kommt eine Konsole heute überhaupt noch infrage, und worauf sollten Käufer achten? Spielekonsolen eignen sich in erster Linie für die von der Fachwelt als Core-Gamer (Kern-Spieler) und Standard-Spieler bzeichneten Nutzer, während Gelegenheitsspieler mit den oftmals kostenfreien Spielen auf Smartphones und Tablets bedient sein dürften.

Die Playstation 4 Pro von Sony und Microsofts erst im November erschienene Xbox One X wetteifern vor allem um die Core Gamer. Für ungetrübten Spielspaß sollte ein extrem hochauflösender Fernseher (4K) vorhanden sein. Das Spielesortiment für beide Konsolen ist reichhaltig. Sonys Konsole hat bei den exklusiven Titeln die Nase vorn ("Uncharted", "Gran Turismo", "Horizon Zero Dawn"). Die Switch ist dagegen weniger technisch opulent ausgestattet, richtet sich dank ihrer Nintendo-typischen niedlichen Charaktere ("Zelda") vor allem an ein jüngeres Publikum, wobei die Japaner inzwischen auch immer mehr Titel für betagtere Gamer auf den Markt bringen.

Ein Trend, der sich schon bei den vergangenen Spielemessen abzeichnete, gewinnt langsam, aber sicher an Fahrt: Virtual Reality. Immer mehr Anbieter werfen Brillen auf den Markt, dennoch handelt es sich derzeit noch nicht um ein günstiges Vergnügen. Um beispielsweise Sonys Playstation 4 Pro fit für die virtuelle Realität zu machen, müssen Kunden noch einmal um die 400 Euro für Zusatzequipment wie Brille, Kamera und Spezial-Controller ausgeben. Die Autoren der Hamburg-Media-School-Studie gehen deshalb auch davon aus, dass die Hochphase der virtuellen Realität erst in der nächsten Dekade anbricht.

Eine weiter interessante Entwicklung der vergangenen Monate heißt Nostalgie: Nicht nur, dass die in den 80er-Jahren angesiedelte Mysterie-Serie "Stranger Things" Millionen Menschen rund um den Planeten begeisterte. Genau dieselbe Generation bekommt leuchtende Augen bei der Mini-Serie, die gerade von Sega und Nintendo auf den Markt geworfen wurde: In der Optik der alten Konsolen werden geschrumpfte Versionen mit vorinstallierten Spielen auf den Markt geworfen.

Ein Trend, der noch in den Kinderschuhen steckt, sich aber durchsetzen könnte und damit den klassischen Konsolen ebenfalls Konkurrenz machen könnte, sind Set-Top-Boxen wie Apple-TV oder Amazon Fire, über die schon heute zahlreiche Haushalte Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime empfangen. Ein Vorreiter in diesem Zusammenhang kommt aus dem Hause des Prozessoren-Herstellers Nvidia: Mit Shield TV (330 Euro) verbindet der Anbieter das Streaming mit dem Gaming. Weitere Anbieter dürften bald nachziehen.

(maxi)