Nach Tod von Maximilian Reinelt: Der deutsche Achter schaut nach vorne

Deutschland-Achter : Einer fehlt am Ruder

Der Tod des ehemaligen Team-Kollegen Maximilian Reinelt beschäftigt den deutschen Achter nach wie vor.

Wenn Martin Sauer an seinen gestorbenen Team-Kollegen denkt, geht es um Fahrradhelme. „Ich fahre seit zehn Jahren mit dem Rad zum Stützpunkt. Max kam irgendwann und fragte: ,Junge, wieso ziehst du eigentlich keinen Helm auf? Wenn du auf den Bordstein knallst, ist der Schädel futsch. Ist ja schon ein bisschen doof’.“ Damit hatte Max Reinelt, von 2010 bis 2016 fester Bestandteil im Deutschland-Achter, Martin Sauer überzeugt. Ihn, der seit zehn Jahren das Elite-Team des deutschen Rudersports als Steuermann anführt. Sauer lächelt bei der Erinnerung an seinen ehemaligen Teamkollegen und Freund, der am 9. Februar im Alter von nur 30 Jahren an einem plötzlichen Herztod gestorben war. Doch trotz der Trauer soll dieser Schock das Team nicht daran hindern, in der kommenden Regatta-Saison Bestleistungen zu erzielen. Mit zwei Zugängen (Christopher Reinhardt und Laurits Follert) und einem Ausnahmesportler als Vorbild startet der Deutschland-Achter am 31. Mai bei den Europameisterschaften in Luzern (Schweiz) die Mission Titelverteidigung.

„Eins habe ich von Max gelernt: Es wäre eine Ausrede zu sagen, dass sein Tod irgendwas damit zu tun hat, was wir aufs Wasser bringen“, sagt Martin Sauer. „Jetzt erst recht“ wäre eher Max Reinelts Motto gewesen, sagt auch Schlagmann Hannes Ocik, der seit 2013 im Achter mitfährt. Die Ansprüche der Ruderer bleiben auf höchstem Niveau: Bei der Weltmeisterschaft in Linz-Ottensheim Ende August will das Team von Trainer Uwe Bender den Titel-Hattrick klarmachen und auch gleich das Ticket für Olympia 2020 in Tokio lösen. Dort wäre eine Goldmedaille doch ganz nett, oder? Die letzte gewann der Achter 2012 in London – mit Maximilian Reinelt, einem großen Vorbild für das gesamte Team.

„Max war der Knaller“, sagt Hannes Ocik, der mit Reinelt in einer Wohngemeinschaft gelebt hatte. „Er hat mir die perfekte Harmonie zwischen Leistungssport, Studium und Familienleben vorgelebt.“ Manchmal habe er bis nachts um vier gelernt, und sei dann um 6.30 Uhr zum Training wieder aufgestanden, erzählt Ocik. Und auch nachdem der Medizinstudent 2016 seine Karriere beendet hatte, habe er weiter trainiert, erinnert sich Richard Schmidt, der 2012 zusammen mit Reinelt und Sauer Gold in London holte. Den Einer, den Reinelt dafür vom Deutschen Ruderverband (DRV) zur Verfügung gestellt bekommen hatte, will die Mannschaft nun in Gedenken an Max Reinelt am kommenden Sonntag auf seinen Namen taufen. Eine wichtige Geste für viele aus dem Team, denn so ganz begreifen können sie den Tod ihres Freundes noch nicht. „Als die Nachricht kam, hat mich das total rausgebracht“, sagt Malte Jakschik. Drei Jahre lang ist er mit Max Reinelt im Zweier gefahren, hatte dabei mehr Zeit mit Reinelt als mit seiner Frau verbracht. „Es hat aber auch gezeigt, dass es jeden Tag vorbei sein kann“, so Jakschik.

Deshalb machen sich die Athleten auch Gedanken über ihre eigene Gesundheit. „Ich habe mich gefragt, ob das alles so seine Richtigkeit haben kann, wenn so ein Athlet einfach umfällt und tot ist. Bei Max ging man ja davon aus: der ist gesund wie kein anderer“, sagt Ocik. Mehr oder noch umfangreichere Gesundheitschecks würden deshalb aber nicht gemacht, sagt Trainer Uwe Bender. Es bleibe bei einer intensiven Untersuchung pro Jahr. Trotz allem hat man Konsequenzen aus dem Tod Reinelts gezogen – mit einer Aufklärungskampagne, die ehemalige Athleten beim „Abtrainieren“ nach der Karriere begleiten soll.

Doch nicht nur mit dieser Initiative wird Max Reinelt im Team Deutschland-Achter weiterleben – das was er verkörperte, seine Denkweise, sein Anspruch, seine Einstellung, im Sport wie im Leben, all das bleibt dem Team für die Zukunft erhalten. „Der Geist schwingt schon ein bisschen mit“, sagt Hannes Ocik.

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