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Mehrkampf-Meeting Ratingen: Zehnkämpfer Niklas Kaul in Olympia-Form

Nach Mehrkampf-Meeting in Ratingen : Zehnkämpfer Kaul ist sich seiner Olympia-Form sicher

Der Weltmeister steigt beim Meeting in Ratingen nach acht Disziplinen aus, weil er vor Tokio kein Risiko eingehen will. Dabei war der erste Tag nicht gut verlaufen. Kai Kazmirek gewinnt nach 2019 erneut.

Niklas Kaul war mit dem Start desKostenpflichtiger Inhalt 24. Mehrkampf-Meetings beim TV Ratingen so gar nicht zufrieden gewesen. „Der erste Tag war scheiße, das muss man so offen sagen“, befand der Zehnkampf-Weltmeister. Zwar gilt der 23-Jährige ohnehin eher als Mann des zweiten Wettkampf-Tages, doch bei seiner Premiere in Ratingen machte der Mann vom USC Mainz eine wertvolle Erfahrung: „Dass man in einen Wettkampf geht und sagt: Ich mache drei Disziplinen und dann schauen wir mal – geht nicht. Da war die Einstellung falsch. So viel Erfahrung habe ich dann doch noch nicht. Das wird in Tokio anders sein“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Dort wird er bei den Olympischen Spielen starten, obwohl er auch in Ratingen nicht die Norm von 8350 Punkten erfüllte: Kaul stieg nach dem Stabhochsprung aus. „Wir haben überlegt, ob ein Weitermachen im Hinblick auf eine Top-Vorbereitung sinnvoll ist. Es ist ein Olympia-Jahr, und da zählt am Ende eben nur Olympia. Wir wollten kein Risiko eingehen, dass man sich hier noch verletzt“, sagte er. Er ist sicher, dass seine Form in Japan da sein wird. „Nach einem Tag wie Tag eins hier erwartet man das als Außenstehender vielleicht nicht, aber es sind Kleinigkeiten. Rein körperlich bin ich in einer super Verfassung, jetzt fehlen nur noch technische Details“, sagte er und ergänzte: „Ich habe ein gutes Gefühl. Ich weiß, dass die Form stimmt. Ich denke, es kann in Tokio Richtung Bestleistung gehen.“

Kostenpflichtiger Inhalt Die hatte er in Ratingen am zweiten Tag aufblitzen lassen: In der ersten Disziplin legte er über die 110 Meter Hürden in 14,38 Sekunden gleich eine persönliche Bestleistung hin. Damit verkürzte er den Rückstand auf das zur Halbzeit führende Trio Andreas Bechmann, Kai Kazmirek und Tim Nowak. Mathias Brugger (SSV Ulm), der den Lauf gewonnen hatte (14,28), sagte: „Niklas und ich hatten Punkte liegen lassen am ersten Tag und wollten direkt zeigen, dass es besser geht. Letzten Endes sind zwei gute Zeiten dabei rausgekommen.“ Das galt auch für die anderen Deutschen in dem Lauf, die bis auf Brugger alle persönliche oder Saison-Bestleistungen hinlegten. 

Wie man im Kugelstoßen zu möglichst vielen Punkten kommt, machte übrigens eine Siebenkämpferin allen Athleten in Ratingen vor: Odile Ahouanwanou landete mit ihren 15,79 Metern einen neuen Landesrekord für Benin, es war der weiteste Stoß des Tages überhaupt, sie setzte sich damit an die Spitze des Siebenkampfes und wurde erst ganz am Ende von der Kanadierin Georgina Ellenwood abgefangen. Beste Deutsche wurde Vanessa Grimm mit 6231 Punkten auf Rang vier, sie könnte es nun über das World Ranking zu Olympia schaffen. Anna Maiwald wurde Fünfte (6069).

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Der starke Auftritt der deutschen Athleten hätte ein volles Ratinger Stadion verdient gehabt, das Hygienekonzept des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) ließ aber nur 250 Personen auf die Tribüne, die sich weitgehend aus Ehrenamtlichen, Kampfrichtern und Sportler-Angehörigen zusammensetzten.

Sie sahen, wie sich der Stabhochsprung zur Drama-Disziplin entwickelte: Erst musste der Franzose Basile Rolnin mit drei ungültigen Versuchen bei seiner Einstiegshöhe seine Olympia-Träume begraben, dann erging es Nowak ebenso: Der Stab des Ulmers brach, er verletzte sich an der Hand, wurde von Sanitätern erstversorgt und dann aus dem Stadion geführt. Ganz bitter für den bis dahin Drittplatzierten. „Das mit Tim ist natürlich super schade, ich hätte mich gefreut, mit ihm zusammen nach Tokio zu fahren“, sagte Kaul.

Für ihn lief die Disziplin dagegen gut: Er überbot mit 4,90 Metern seine Saisonbestleistung. Kazmirek gewann mit 5,00 Metern und baute seine Führung aus. Bechmann wollte danach aussteigen, ein traumatisches Knochemarksödem am Sprunggelenk aus Götzis behinderte ihn. „Zehnkampf ist kein Gesundheitssport. Ich bin jetzt 21 und habe noch ein paar Jahre vor mir, da will ich das Risiko einer schwereren Verletzung nicht eingehen“, sagte er – und warf dann doch den Speer auf 53,35 Meter und lief die 1500 Meter. Er wurde Dritter hinter Brugger und Kazmirek, dem Sieger von 2019.