WM 2018: England im Porträt

WM-Starter England im Porträt: England als Mitfavorit? "Packt nicht zu viele Unterhosen ein!"

Die 50 Jahre Leiden sind längst voll, England hofft aber unbeirrt auf bessere Zeiten. Russland dürfte für die junge Mannschaft allerdings zu früh kommen.

Die berüchtigte Yellow Press gibt sich nach über fünf Jahrzehnten voll Pleiten, Pech und Pannen keinen Illusionen mehr hin. Die englischen Fans, schreibt das Boulevardblatt The Sun, sollten vor ihrer Abreise nach Russland lieber "nicht zu viele Unterhosen" einpacken. Selbst Nationalspieler Kyle Walker sagt: "Wir müssen realistisch sein. Um die WM zu gewinnen, bräuchte es ein Wunder."

Der einzige WM-Titel liegt bald 52 Jahre zurück, in einem WM-Halbfinale spielten die Erfinder des modernen Fußballs zuletzt 1990. Gary Lineker stand damals beim unglücklichen Aus gegen die deutsche Elf auf dem Platz, jetzt hofft die Stürmerlegende auf ein Ende der langen Leidenszeit. England dürfe sich auf eine "neue goldene Generation" freuen, sagt der TV-Experte. Jedoch: Noch ist diese wohl zu jung. "Uns fehlt die Erfahrung", gibt Walker zu.

Fußball-England hat 2017 international sein bestes Jahr seit 1966 erlebt: Die U17 und U20 wurden Weltmeister - das war den Young Lions zuvor nie gelungen. Die U19 gewann die EM, die U21 scheiterte dort erst im Elfmeterschießen an der DFB-Auswahl. Der Nachwuchs, scherzte der ehemalige Nationalspieler Peter Crouch ob all dieser ungewöhnlichen Erfolge, habe "keine Achtung vor der Tradition".

Allein: Russland, wo zunächst die machbare Gruppe G mit Belgien, Panama und Tunesien wartet, kommt für die meisten Talente zu früh. Auf der Insel hoffen sie daher auf Katar 2022. Topstar Harry Kane (Tottenham Hotspur), nach dem Abschied von Rekordtorschütze Wayne Rooney Sturmführer, wäre dann 29 und wie einige andere im besten Profialter. Auf Sicht, meint Chelseas Teammanager Antonio Conte, werde die englische Nationalmannschaft "sehr schwer zu schlagen" sein.

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Und in Russland? Man dürfe "vorsichtig optimistisch" zur WM blicken...", schreibt der Guardian, aber, ach, die dunklen Jahre wirken nach: "... auch wenn nächsten Sommer dann doch wieder alles zusammenbrechen könnte."

Teammanager Gareth Southgate sieht der WM mit "großem Glauben" entgegen. Die Tests gegen Deutschland, Brasilien (je 0:0), in den Niederlanden (1:0) und gegen Italien (1:1) gaben Anlass zu Hoffnung, zeigten aber auch Schwächen auf. Southgate hat noch immer keine klare Nummer 1 gefunden, seine Abwehrformation ist ebenso offen wie die Kapitänsfrage. WM-Favoriten wie Brasilien seien den Three Lions in mancherlei Hinsicht "noch Lichtjahre voraus", gab Southgate zu.

Müssen die Lightning Seeds also irgendwann von "60 years of hurt" singen? "Sie haben sehr viele gute junge Spieler, eine starke Liga. Wenn sie es einmal schaffen, als starke Mannschaft aufzutreten, gehören sie mit zu den WM-Favoriten", sagt Bundestrainer Joachim Löw. Wenn...

2014 in Brasilien war schon in der Vorrunde Schluss, bei der EM 2016 im Achtelfinale gegen Island. Englands letzter Sieg in einem K.o.-Spiel liegt zwölf Jahre zurück. Kurz: Unterhosen für höchstens zweieinhalb Wochen sollten in Russland reichen.

(sid)