WM 2018: Costa Rica im Porträt

WM-Starter Costa Rica im Porträt: Costa Rica hofft auf neues WM-Märchen

2014 in Brasilien war Costa Rica die Sensation schlechthin und hätte um ein Haar das WM-Halbfinale erreicht. Bei ihrer fünften WM-Teilnahme wollen die Ticos wieder überraschen.

Die wundersame Reise der Ticos durch Brasilien ist unvergessen, aber sie soll keine Einmaligkeit bleiben. Wie bei der Fußball-WM vor vier Jahren, will Costa Rica auch in Russland für Furore sorgen. "Unser Ziel muss es sein, das gleiche Niveau wie in Brasilien zu erreichen. Und wenn es mehr wird, warum nicht?", sagt Trainer Oscar Ramirez sehr selbstbewusst.

Der 53-Jährige war 1990 bei der ersten WM-Teilnahme der Ticos als Spieler dabei und trägt nun erstmals als Coach die Verantwortung. Er selbst hat sich einer Diät verschrieben, bis zur WM will er 14 Kilo Gewicht verlieren.

Ob seine Mannschaft in der Gruppe E gegen Brasilien, die Schweiz und Serbien so drahtig sein wird, wie es sich ihr Trainer vorgenommen hat, darf bezweifelt werden. Die jüngsten Tests im März sorgten nicht für die Annahme, dass die Qualität für eine nochmalige Viertelfinal-Teilnahme reicht. Das 1:0 in Schottland war zwar aufmunternd, das 0:1 gegen Tunesien dagegen wieder ernüchternd.

Die Ticos müssen sich nach wie vor auf ihre beiden bekannten Schlüsselspieler verlassen: Torwart Keylor Navas (31) und Kapitän Bryan Ruiz (32). Hoffnung macht außerdem das kürzliche Comeback von Stürmer Joel Campbell (25/Betis Sevilla) nach fünfmonatiger Verletzungspause, dafür bangen die Ticos nach einem Knöchelbruch um die WM-Teilnahme von Routinier Cristian Bolanos (33).

In Brasilien waren Navas und Ruiz die Hauptfiguren auf dem Weg durch die Gruppenphase, als England und Italien gegen die Mittelamerikaner strauchelten, und in den K.o.-Duellen gegen Griechenland und die Niederlande. Letztlich scheiterte "Europa-Schreck" Costa Rica im Viertelfinale gegen Oranje erst im Elfmeterschießen.

Ruiz weiß aber genau, dass diese traumhaften Wochen bei der insgesamt fünften WM-Teilnahme kaum zu wiederholen sind. "Wir können nicht sagen, dass wir es besser machen. Denn in Brasilien haben wir Unglaubliches geleistet", sagt der Spielmacher, der bei Sporting Lissabon wieder eine feste Größe ist, nachdem er zwischenzeitlich infrage stand.

Nationalheld Navas, mit Real Madrid zweimaliger Champions-League-Sieger, ist bei den Königlichen nicht unantastbar. Aber es ist dennoch möglich, dass er wieder in eine Verfassung wie 2014 kommt, als Navas sich für die europäischen Großklubs empfahl. "Wenn einem eine kostbare Ming-Vase aus dem Fenster des zehnten Stocks fällt", schrieb die spanische Sportzeitung AS damals, "dann wünscht man sich unten auf der Straße Keylor Navas."

Costa Rica erlebte im der WM-Qualifikation des Kontinentalverbandes CONCACAF ein Auf und Ab, die wechselhaften Leistung reichten aber für Rang zwei und das direkte WM-Ticket. Nun werden die Ticos "sehr, sehr hart" (Ruiz) dafür arbeiten, ihren Landsleuten wieder unvergessene Erlebnisse zu schenken.

Als 2014 die WM-Euphorie ihren Höhepunkt erreicht hatte, gingen in der Hauptstadt San Jose die Männer im Trikot der "Ticos" ins Büro, Mütter schminkten ihren Kindern die Nationalflagge ins Gesicht - selbst die Bäume in den Straßen wurden rot-weiß-blau bemalt. "Es ist wie im Märchen", schrieben die Zeitungen. Mit der Kraft ihres Lebensmottos Pura Vida - dem puren Leben soll dieses Märchen weitererzählt werden.

(sid)
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