WM 2018: Panama im Porträt

WM-Starter Panama im Porträt: Die „Rote Flut“ Panama erobert Russland

Zum ersten Mal überhaupt ist Panama bei einer WM-Endrunde dabei. Die Vorfreude ist gewaltig, und einfach so ergeben wollen sich die Zentralamerikaner nicht.

Schriftsteller Janosch wusste es schon vor vier Jahrzehnten, aber in diesen Tagen ist Panama sogar noch einen Tick schöner. Eine Mischung aus Vorfreude und Aufgeregtheit durchflutet das Land, die vier Millionen Menschen sehnen voller Neugier den 18. Juni herbei - den Tag, an dem Panamas Fußballer erstmals die WM-Bühne betreten.

"Das ist sensationell. Ich weiß, was die Qualifikation für die Menschen dort bedeutet", sagte Kevin Kuranyi dem SID. Der ehemalige deutsche Nationalspieler, dessen Mutter aus Panama stammt, war während der erfolgreichen Qualifikation immer wieder in Zentralamerika gewesen: "Das ist für ganz Panama ein Feiertag."

Die Worte des mittlerweile 36-Jährigen besitzen nicht nur wegen der erlebten Ereignisse in Panama einen wahren Kern. Tatsächlich unterzeichnete Staatspräsident Juan Carlos Varela nach dem entscheidenden Quali-Spiel ein Dekret, das den 11. Oktober zum Nationalfeiertag machte - zwar nur für einen Tag, aber immerhin. Varela trug dabei den Trainingsanzug der Nationalmannschaft, die wahlweise "La Marea Roja" (Die Rote Flut) oder "Los Canaleros" in Anspielung auf den Panama-Kanal genannt wird.

Die künstliche Wasserstraße soll nach der WM nicht mehr die große Attraktion des Landes sein, in Gruppe G will das Team von Trainer Hernan Gomez für Furore sorgen. "Unser Ziel ist es, Panama würdevoll zu vertreten und herauszustellen, für welchen Fußball wir stehen", sagte Gomez bei Sky Sports.

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Gegen die Mannschaften aus Belgien (18. Juni), England (24. Juni) und Tunesien (28. Juni) wird das aber alleine nicht reichen, um die forschen Ziele zu verwirklichen. "Wir wollen die Vorrunde überstehen und beweisen, dass unser Fußball wettbewerbsfähig ist", sagte Generalsekretär Eduardo Vaccaro, der von den ausgiebigen Feierlichkeiten nach der geglückten Qualifikation nur gehört hatte, weil er nicht im Lande weilte.

"Jeder ist auf die Straße gegangen und hat bis in die Morgenstunden gefeiert. Das war ein gigantisches Erlebnis für ein solch kleines Land", sagte Vaccaro, der sich durch die WM einen zusätzlichen Aufschwung in der Heimat erhofft.

Rund 4000 Fans, so die Hoffnung der Spieler und Funktionäre, werden den 11.000-Kilometer-Trip auf sich nehmen und ihr Team in Russland anfeuern. Das ist viel, wenn man bedenkt, dass Baseball noch immer die Sportart Nummer eins ist.

"Es gibt noch viel zu tun", sagte diesbezüglich Julio Cesar Dely Valdes, der beste Fußballer, den das Land bislang hervorgebracht hatte. Trotz einiger Talente - die U20 hatte es immerhin fünfmal seit 2003 zu einer WM-Endrunde geschafft - blieben die Erfolge im Seniorenbereich bislang aus. Das kann sich in Russland aber schlagartig ändern.

(sid)