WM 2018: Japan im Porträt

WM-Starter Japan im Porträt: Akira Nishino - mit nur zwei Monaten Vorlaufzeit zur WM

Zwei Monate vor Beginn der WM tauschte die japanische Fußball-Nationalmannschaft noch einmal ihren Trainer aus. Die Hoffnungen ruhen nun auf Akira Nishino, der die Mannschaft in einem sportlichen Tief übernimmt.

Die brisanteste Personalie verkündete der japanische Fußballverband bereits 68 Tage vor dem Anstoß der Weltmeisterschaft - aber die hatte es in sich: Nach rund drei Jahren lösten die Blauen Samurai den Vertrag mit ihrem Trainer Vahid Halilhodzic überraschend auf. Für ihn übernahm der Japaner Akira Nishino die in der Krise befindliche Mannschaft, welche er in Russland mit extrem kurzer Vorlaufzeit in die K.o.-Phase führen soll.

Sein Führungsstil war dem 65 Jahre alten Halilhodzic zum Verhängnis geworden. "Die Kommunikation mit den Spielern und das gegenseitige Vertrauen haben abgenommen", begründete Verbandspräsident Kozo Tashima im April die Entscheidung. Die zuletzt schwachen Ergebnissen gegen Mali (1:1) und die Ukraine (1:2) seien nicht ausschlaggebend für die Trennung gewesen.

Vielmehr brachten fragwürdige Personal-Entscheidungen Halilhodzic in die Schusslinie. Der Ex-Coach war bekannt, des Öfteren auf große Namen und Stammkräfte wie Shinji Kagawa zu verzichten - mit ausbleibenden Erfolg: Japan liegt auf Platz 60 der Weltrangliste, so schlecht stand die Auswahl in den vergangenen 18 Jahren nicht mehr da.

"Es gibt Bereiche, in denen dem japanischen Fußball etwas fehlt und er sich nicht weiterentwickeln konnte", sagte Nishino bei seinem Amtsantritt, betonte jedoch zugleich: "Ich glaube nicht, dass die Mannschaft auseinandergebrochen ist. Wir schöpfen unser Potenzial nicht voll aus."

Die Mission des 63-Jährigen liegt auf der Hand: das Achtelfinale erreichen und im Idealfall darüber hinauskommen. Seit 1998 qualifizierten sich die Japaner jedes Mal für die WM-Endrunden. Doch die vergangenen Weltmeisterschaften liefen für die Japaner nicht zufriedenstellend.

Bei ihren fünf Teilnahmen erreichte der viermalige Asienmeister bei der Heim-WM 2002 und 2010 die Runde der besten 16. Bei den anderen drei Endrunden war bereits in der Gruppenphase Schluss. 2014 gelang den Männern aus Nippon nicht einmal ein Sieg.

"Ich spüre eine große Verantwortung", sagte Nishino. Er trainierte die japanische Nationalmannschaft bereits bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta für drei Spiele, schlug dabei unter anderem Brasilien um die Weltstars Ronaldo, Roberto Carlos und Rivaldo mit 1:0. Vor seinem erneuten Engagement war er als Technischer Direktor für den japanischen Verband tätig gewesen. Die Druck auf dem neuen Trainer ist groß - das ist spürbar.

Die Aufgaben bei der sechsten WM-Teilnahme werden jedoch unangenehm. Japan erledigte die Pflichtaufgabe WM-Qualifikation zwar souverän und löste als vierte Mannschaft vorzeitig am vorletzten Spieltag der Qualifikation das WM-Ticket, doch Nishinos Mannschaft ist in Gruppe H mit Kolumbien, Polen und dem Senegal lediglich der Außenseiter - trotz wohl zahlreicher Unterstützung aus der Bundesliga.

Makoto Hasebe (Eintracht Frankfurt), Gotoku Sakai (Hamburger SV), Yuya Osako (1. FC Köln), Yoshinori Muto (Mainz 05), Takuma Asano (VfB Stuttgart), Genki Haraguchi und Takashi Usami (beide Fortuna Düsseldorf) haben berechtigte Hoffnungen, in Russland dabei zu sein. Auch der zuletzt stark aufspielende Tatsuya Ito (Hamburger SV) hat sich in jüngerer Vergangenheit ins Blickfeld des neuen Trainers gespielt.

"Der japanische Fußball hat seine eigene Spielweise, die Fähigkeiten, Disziplin und Organisation beinhaltet", sagte Nishino. "Ich möchte das als Basis verwenden, um darauf aufzubauen."

Viel Zeit hat der neue Trainer dafür nicht.

(sid)
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