WM 2018: Portugal im Porträt

WM-Starter Portugal im Porträt: Bei Portugal hängt alles an Ronaldo

Portugal hat sich zum fünften Mal in Folge für die WM-Endrunde qualifiziert. Superstar Cristiano Ronaldo war wieder einmal der Retter.

Beim EM-Finale musste Cristiano Ronaldo am Spielfeldrand tatenlos zuschauen, als die Portugiesen auch für ihn den Titel gewannen. In der WM-Qualifikation war alles wieder normal: Der Superstar bewahrte den Europameister im Alleingang vor dem Aus.

Eigentlich hatte Nationaltrainer Fernando Santos den Weltfußballer in der vorletzten Partie auf dem Kunstrasen in Andorra schonen wollen. Doch ohne ihn drohte gegen den Fußballzwerg ein Unentschieden und damit der Gang in die Play-offs.

Nach seiner Einwechselung führte Ronaldo sein Team mit seinem 15. Tor in der Qualifikation doch noch zum Sieg und zum Finale um das Direktticket nach Russland gegen die Schweiz. "Er lässt uns nie im Stich", titelte die Sportzeitung A Bola. Beim entscheidenden 2:0 gegen die Eidgenossen schossen zwar die anderen die Tore, doch allen war klar: Ohne CR7 hätte der Europameister die WM verpasst.

Dabei schien sich Portugal bei der EURO in Frankreich ein wenig von Ronaldo emanzipiert zu haben. Von fünf Treffern in der K.o.-Runde erzielte er nur einen. Im Finale von Paris gelang der größte Triumph nach der frühen Verletzung sogar ohne ihn.

Doch davon war nach der EM nichts mehr zu spüren. Als Ronaldo zum Auftakt in der Schweiz fehlte, gab es ein 0:2 - und der Favorit hechelte fortan den Eidgenossen, die von Sieg zu Sieg eilten, hinterher. 15 der 30 portugiesischen Tore gegen die Färöer, Lettland, Ungarn und Andorra erzielte der Star von Real Madrid. Mittlerweile hat er seine Ausbeute in der Selecao auf 81 Treffer geschraubt - Platz drei in der ewigen Rangliste der Länderspieltorschützen.

Die extreme Abhängigkeit von ihrem Superstar ist die größte Schwäche des Europameisters. Deshalb zählen sich die Portugiesen, die in der Vorrunde auf den Nachbarn Spanien treffen, auch selbst nicht zu den Favoriten in Russland. "Wir müssen mit beiden Beinen auf dem Boden und bescheiden bleiben. Es muss Schritt für Schritt gehen", sagte Ronaldo.

Anders sieht es dagegen Luis Figo. Der frühere Weltstar meinte: "Portugal kann Weltmeister werden. Wir haben ein eingespieltes Team mit starker individueller Klasse."

Die kommt, abgesehen von Ronaldo, aber eher selten zum Tragen. Denn Trainer Santos setzt wie bei der EURO in Frankreich auf defensive Stabilität und gute Organisation. Die Kreativität ist begrenzt.

Außerdem haben sich einige Talente nicht wie erhofft entwickelt. Vor allem Renato Sanches, bei der EM zum Youngster des Turniers gewählt, ist den Vorschusslorbeeren nicht gerecht geworden. Bei Bayern München scheiterte er krachend und wurde an Swansea City ausgeliehen, doch auch beim walisischen Premier-League-Klub enttäuschte er. Sein Name fehlte fast folgerichtig im vorläufigen WM-Kader.

Ins Stocken geraten sind auch die Karrieren von Joao Mario und Andre Gomes, die nach den Wechseln zu Inter Mailand und dem FC Barcelona in ihren neuen Klubs nur zweite Wahl waren. Mario wurde bereits an West Ham United weitergereicht, Gomes steht bei Barca auf der Abschussliste. Ähnliches gilt für Stürmer Andre Silva bei AC Mailand.

(sid)
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