1. Sport
  2. Fußball
  3. Nationalelf

Wembley: Joachim Löw baut seine Mannschaft um

Nationalelf spielt in Wembley : Jogi Löw baut seine Mannschaft um

In England spielt der BVB-Block. Die Diskussion um Schonung für die Bayern hält der Coach für populistisch.

Samstag wird in Dortmund wahrscheinlich die deutsche Meisterschaft entschieden. Das jedenfalls befürchtet so mancher, der Bayern München für stark genug hält, bei Borussia Dortmund zu gewinnen. Und natürlich ist es die Zeit für wilde Verschwörungstheorien. Eine besagt, dass Bundestrainer Joachim Löw an einer frühzeitigen Entscheidung im Bundesliga-Machtkampf maßgeblich beteiligt ist. Diese Theorie geht so: Löw hat in Italien auf einen Bayern-Block gesetzt, heute im Londoner Wembleystadion gegen England (21 Uhr/Live-Ticker) lässt er fünf Dortmunder ran. Die Münchner Philipp Lahm und Manuel Neuer ruhen sich bereits auf dem heimischen Sofa aus. Deswegen ist der Tabellenführer am Samstag viel frischer als sein Verfolger.

Löw gehört selbstverständlich nicht zu den Anhängern dieser Theorie. "Sie glauben doch nicht, dass sich Jungs von 23, 24, 25 Jahren, die an diesen Rhythmus gewöhnt sind, darüber beschweren", sagte der Bundestrainer gestern, "wenn ich die Spieler frage, dann wollen alle spielen." Tatsächlich haben Neuer und Lahm das sogar unterstrichen, bevor Löw sie aus Mailand nach Hause schickte.

Die Diskussion über einen vermeintlichen Vorteil der Bayern und noch mehr die Annahme, er könne Partei sein in der Auseinandersetzung um die nationale Spitze, brachte den führenden Übungsleiter der Nation beim Treffen mit den Medien vor der Begegnung mit den Briten hörbar in Schnappatmung. Empört stellte er fest: "Das Spiel Dortmund gegen Bayern ist nicht mein Thema. Und bei mir hat sich auch noch niemand beschwert — kann sein, dass es der eine oder andere Vereinsoffizielle tut. Aber, ganz ehrlich: Das ist mir nicht ganz so wichtig."

Weidenfeller vertritt Neuer

Wichtiger finde er die "Gelegenheit, den einen oder anderen Spieler auf Schlüsselpositionen zu testen". Schließlich gebe es bis zur Nominierung des WM-Aufgebots im kommenden Mai nur noch die Partie in England und die Begegnung mit Chile am 5. März 2014 in Stuttgart. Deshalb vertritt Roman Weidenfeller Stammtorwart Neuer. Der Dortmunder Schlussmann ist mit 33 Jahren der älteste Torwart-Debütant der Länderspielgeschichte. "Er hat einen fantastischen Eindruck hinterlassen", erklärte Löw.

  • Nationalmannschaft : England - Deutschland: Fakten
  • "Wenn das unser Problem ist, machen wir was falsch" : Löw von Dikussionen um BVB und Bayern genervt
  • Länderspiel gegen England : DFB-Team: Mit der U-Bahn zum Abschlusstraining

Sicher ist, dass er auf dem Feld viele seiner Dortmunder Kollegen trifft. Mats Hummels wird mindestens eine Halbzeit als Innenverteidiger spielen. Marcel Schmelzer verteidigt auf der linken Außenbahn. Sven Bender übernimmt die Rolle des Sechsers von Sami Khedira. Und Marco Reus soll über die linke vordere Mittelfeldposition kommen. Die Spieler finden das, ganz im Einklang mit Löw, ziemlich gut. "Es ist für jeden schön, in Wembley gegen England zu spielen", versicherte Schmelzer. Er sagte den Zeitungen der Funke-Gruppe allerdings auch: "Es geht darum, ob man die Pause am Freitag hat oder am Dienstag." Jeder könne sich selbst die Frage beantworten, ob das einen großen Unterschied ausmache. Das war jetzt nicht unbedingt aus dem Wörterbuch des Bundestrainers.

Bundesliga-Gipfel wirft Schatten voraus

Schmelzer wird allerdings Trost in der Tatsache finden, dass doch noch ein paar Münchner mitmischen werden auf dem heiligen Rasen von Wembley. Toni Kroos gilt als Kandidat für den Platz neben Sven Bender im defensiven Mittelfeld, Jerome Boateng könnte Hummels nach der Pause ablösen, Mario Götze wird als Alternativbesetzung für die Position der Nummer zehn gehandelt, für die Julian Draxler vorgesehen ist. Und Thomas Müller kann jede offensive Rolle spielen. Löw betonte, er werde Sorge tragen, "dass niemand in den zwei Spielen in Italien und England 90 Minuten spielen muss — wenn es irgendwie machbar ist". Dabei rollte er mit erkennbar geringer Begeisterung für das Thema mit den Augen.

Fast genauso wenig Enthusiasmus entlocken ihm die englischen Medien, die sein Team als eine B-Mannschaft bezeichnet haben und diese Aufstellung für geradezu ehrverletzend halten. "Ich darf mal daran erinnern, dass wir 2008 in Berlin ein Testspiel gegen England hatten, das da ohne Rooney, Gerrard und Lampard antrat", sagte Löw. Die Briten gewannen übrigens mit 2:1. Von einer B-Elf sprach niemand. Vor allem nicht hinterher.

(RP)