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Reit-WM 2018: Tierschützer kritisieren Distanzreiten

Tote Pferde beim Distanzreiten : Ist das noch Sport - oder schon Tierquälerei?

Im Distanzreiten werden die ersten Medaillen der Weltreiterspiele vergeben. Tierschützer kritisieren diese Disziplin heftig. Immer wieder sterben bei den Rennen Pferde.

Ein beschaulicher Tagesritt sieht anders aus. Stolze 160 Kilometer in rund sieben Stunden legen Pferde und Reiter zurück, wenn am Mittwoch (ab 13 Uhr MESZ) im Distanzritt die ersten Medaillen der Weltreiterspiele in Tryon vergeben werden. Stets begleitet wird der Sport von Negativschlagzeilen, viel zu häufig kommt es zu Knochenbrüchen, kollabierenden oder gar toten Pferden. Nun flammt die Kritik wieder auf.

So wandten sich sechs deutsche FEI-Tierärzte eine Woche vor WM-Start in einem offenen Brief besorgt an den Weltverband. Wie bei anderen Turnieren auch sei die WM-Strecke in Tryon "präpariert und nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustand, sie ist gerade und flach", schrieben sie: "Als Folge dieser Entwicklung kann deutlich schneller geritten werden." Jedoch erhöhe eine "höhere Geschwindigkeit das Risiko, dass Pferde überbeansprucht werden, drastisch", auch Unfälle mit Todesfolge häuften sich nach Ansicht der Tierärzte.

Und diese sind mit ihren Bedenken nicht allein. Auch dem Verein Deutscher Distanzreiter und -fahrer (VDD) geben jüngste Zwischenfälle "Anlass zu großer Sorge", das schrieben sie ebenfalls in einem offenen Brief an die FEI. Dazu gehören "ein totes Pferd bei einem hochdotierten Ritt auf Top-Niveau in Europa, schockierende Bilder von den Europameisterschaften der Jungen Reiter, und, einmal mehr, Spitzen-Distanzpferde, die für positive Dopingergebnisse sorgen".

Erst Mitte August kollabierte ein Pferd beim Rennen im britischen Euston Park und starb. Das traditionelle Event wurde unter anderem von einem Unternehmen des Scheichs Mohammed Bin Rashid Al Maktoum aus Dubai gesponsert - wie auch der Distanzwettbewerb bei den Weltreiterspielen. "Aus diesem Grund sind wir sehr besorgt um das Wohl der Pferde und hegen ernste Zweifel daran, dass ihre Sicherheit während der Ritte in Tryon an erster Stelle stehen wird", schrieb der VDD weiter.

Der Scheich ist im vor allem im arabischen Raum beliebten Distanzreiten kein unbeschriebenes Blatt. Der mächtige Emir von Dubai ist selbst Distanzreiter, im Umgang mit seinen Pferden soll er immer wieder verbotene Medikationen verwendet haben. Viele Tierschutzskandale bis hin zur Quälerei gingen in den vergangenen Jahren zudem auf das Konto von Reitern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

Der große Einfluss der VAE im Distanzsport beunruhigt auch die sechs deutschen FEI-Tierärzte. "Die Organisation von großen Distanzritten befindet sich derzeit über den Sponsor Meydan hauptsächlich in den Händen von Dubai", schrieben sie. Dies führe dazu, dass "sie die FEI hinsichtlich der Auswahl der Offiziellen beeinflussen können".

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Bei der Distanz-WM 2016 in Samorin/Slowakei hätten demnach "die Offiziellen ihren Einfluss geltend gemacht, um Reitern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten einen Vorteil zu verschaffen, indem Pferde, die bereits von außerhalb des Vet-Gates als lahm beurteilt werden konnten, trotzdem passieren durften", monierten die Veterinäre.

Während des 160-km-Ritts gibt es fünf Zwangspausen zwischen den einzelnen Streckenabschnitten, in denen Tierärzte in sogenannten Vet-Gates den aktuellen Fitnessstatus der Pferde kontrollieren. Tiere, die die vorgeschriebenen Pulswerte nicht erreichen oder Anzeichen von Lahmheit aufweisen, werden disqualifiziert.

Vor vier Jahren bei den Weltreiterspielen in der Normandie konnte aber auch dies Negativschlagzeilen nicht verhindern. Ein Pferd erlag nach einem Sturz seinen schweren Verletzungen, nur 38 von 165 Startern erreichten das Ziel. Was der Weltverband als Erfolg der Tierärzte verbuchte, kritisierten Tierschützer als zu hohe Belastung für die Pferde. Auch deshalb betonte der VDD nochmals: "Tierschutz ist essenziell für die Zukunft unseres Sports und muss oberste Priorität haben."

(sid/sef)