Reiter: FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau kritisiert Alkoholexzesse

Skandale im Reitsport: Verbandspräsident verurteilt Alkoholexzesse

Er war selbst ein erfolgreicher Dressur- und Springreiter. Seit 2005 ist Breido Graf zu Rantzau Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Eineinhalb Wochen vor der WM in den USA ist die Lage im deutschen Reitsport angespannt. Es gibt Berichte über sexuelle Übergriffe. Ein Gespräch über die derzeitige Lage.

Die schweren Vorwürfe um Alkoholexzesse und sexuelle Übergriffe, die aus einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ hervorgingen, münden nun in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Koblenz. Dass junge Springreiter aus dem Nationalkader auf Turnieren Mädchen mit Alkohol und womöglich K.o.-Tropfen gefügig gemacht und sexuell missbraucht haben sollen, geht dem FN-Präsidenten Breido Graf zu Rantzau besonders nahe, wie er zugibt.

Graf zu Rantzau, Sie sind seit 2005 Präsident der FN. Steckt der deutsche Reitsport momentan in seiner bislang größten Krise?

Graf zu Rantzau Nein. Nach unseren Informationen handelt es sich hier um Einzelfälle. Die überwiegende Mehrheit unserer Kaderathleten aller Altersstufen benimmt sich gut und nimmt an solch grenzüberschreitenden Aktionen nicht teil. Dennoch macht es mich persönlich sehr betroffen und es geht uns allen im Verband an die Nieren, dass wir uns mit dem Thema sexualisierte Gewalt beschäftigen müssen.

Wie unvermittelt haben die Schlagzeilen und Vorwürfe von sexuellen Übergriffen und Alkoholexzessen Sie persönlich getroffen?

Graf zu Rantzau Wir stellen uns bereits seit geraumer Zeit der Herausforderung, dass einige junge Springreiter dem Alkohol übermäßig zusprechen. Uns sind bisher Einzelfälle bekannt. In genau diesen Fällen sind wir auch tätig geworden und haben Abmahnungen, Verwarnungen, Kader-Suspendierungen und Geldstrafen ausgesprochen, sofern ein Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte. Wir wussten bereits vor dem Erscheinen des Artikels, dass der Spiegel in diesem Bereich recherchiert.

Sie waren vor mehr als 50 Jahren selbst ein junger Reiter. Wie haben Sie Disziplin und Verhalten der Sportler damals erlebt?

Graf zu Rantzau Vor 50 Jahren war der Sport ein ganz anderer als heute. Es gab sehr viel weniger Turniere, die Reiter nahmen vielleicht an 15 Veranstaltungen im ganzen Jahr teil. Jedes einzelne davon war für sie ein Fest, während die Turniere heute für die Reiter tägliches Brot und vor allem Arbeit sind. Damals gab es bei jedem Turnier einen zünftigen Reiterball und da gab es auch den ein oder anderen, der mal einen über den Durst getrunken hat. Der Unterschied zu heute ist, dass dies dann in großer Gesellschaft geschah und nicht abseits, innerhalb von kleinen Privatpartys.

Was hat sich seither im Verhalten junger Reiter am stärksten verändert?

Graf zu Rantzau Unsere Sportler sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Wir haben es hier mit jungen Menschen zu tun, die den größten Teil ihres Lebens auf Turnieren mit ihren Familien und Freunden aus dem Reitsport verbringen. Sie gestalten auch ihre Freizeit auf den Turnieren. Die Zahl der Turnierveranstaltungen hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen und damit lastet auch ein erhöhter Druck auf den jungen Sportlern. Das darf aber keine Entschuldigung sein. Für uns gehören Alkoholkonsum und Spitzensport nicht zusammen, deshalb lehnen wir übermäßigen Alkoholkonsum kategorisch ab.

Wofür stand der Reitsport einst und wofür steht er heute? Welche Werte?
Graf zu Rantzau Der Pferdesport steht für die besondere Beziehung zwischen Pferd und Mensch, das macht ihn einzigartig. Das war schon immer so. Die Verantwortung für das Wohlergehen unserer vierbeinigen Sportpartner, der Respekt gegenüber allen am Pferdesport beteiligten Personen sowie die Einhaltung der Regelwerke und Richtlinien sind Grundlage unseres Sports.

Wie kann die FN zu einer Aufklärung konkret beitragen?

Graf zu Rantzau Wir können sportrechtliche Verfahren nur dann führen, wenn eine belastbare Tatsachenlage vorliegt. Jedem Hinweis, der uns in irgendeiner belegbaren Art und Weise vorgetragen wurde, sind wir nachgegangen. Ganz klar ist, dass wir jede Form von sexualisierter Gewalt auf das Schärfste verurteilen. Wir können aus vollem Herzen und mit Überzeugung sagen, dass wir sexuellen Übergriffen den Kampf angesagt haben - ebenso wie übermäßigem Konsum von Alkohol.