Wahl des Bundespräsidenten: Kandidat Wulff geht auf Werbetour

Wahl des Bundespräsidenten : Kandidat Wulff geht auf Werbetour

Berlin (RPO). Bundespräsidentschaftskandidat Christian Wulff (CDU) will bei den Wahlmännern von Union und FDP für seine Wahl am 30. Juni werben. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe kündigte am Montag in Berlin an, dass Wulff die Wahlleute vor Ort besuchen wolle. Unterdessen appelliert Wullf an die Koalition, die Streitigkeiten niederzulegen. Seine Chancen auf die Wahl zum Bundespräsidenten könnten dadurch sinken.

Am Dienstag ist Wulff Gast in den Fraktionssitzungen von Union und FDP. In der CDU-Parteizentrale unterstützt ein Arbeitsstab den Präsidentschaftskandidaten. Der Zeitung "Die Welt" zufolge will Wulff schon kommende Woche auf "Bundes-Tour" gehen.

Im Bundesvorstand habe der niedersächsische Ministerpräsident angekündigt, er wolle zudem Einzel- und Gruppengespräche unmittelbar vor der Wahl anbieten, um das Ziel, jeden Wahlmann persönlich zu sprechen, zu erreichen. Insbesondere in den FDP-Landesverbänden gibt es große Sympathien für Wulffs Gegenkandidaten Joachim Gauck.

Gröhe zeigte sich unterdessen zuversichtlich, dass Wulff bereits im ersten Wahlgang gewählt wird. Wulff sei der "richtige Mann", verfüge über politische Erfahrung, habe ein klares Wertefundament und gehe offen auf die Menschen zu. An die SPD appellierte der CDU-Generalsekretär, Wulff denselben Respekt zukommen zu lassen, den die Union dem Kandidaten von SPD und Grünen, Gauck, entgegenbringe.

Wulff fürchtet um seine Wahlchancen

Wulff fürchtet unterdessen bei Fortsetzung des Koalitionsstreits um seine Wahlchancen. Wenn die Irritationen der letzten Wochen anhielten, werde das den einen oder anderen Wahlmann "sicher emotional mental beschweren", warnte der niedersächsische Ministerpräsident am Montag in Berlin.

"Und daher wünsche ich mir, dass da doch ein bisschen was für die Psyche der Beteiligten getan wird." Wulff bezeichnete es als beachtlich, dass sich CDU, CSU und FDP von Anfang an auf einen Kandidaten verständigt hätten. Dieses Einverständnis sei ein hohes Gut, "eine Chance für Geschlossenheit", sagte der CDU-Politiker. "Das sollte jedem Beteiligten bewusst sein."

In einem Live-Chat appellierte Wulff an die Koalition, zur Zusammenarbeit zurückzukehren. Das WM-Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft habe am Sonntagabend gezeigt, was Teamwork zustande bringe: "Da hat jeder den Fehler des anderen ausgeputzt und nicht ausgenutzt. Das muss auch in der Politik so sein."

Dort gehe es beim Ringen um den besten Weg zwar auch manchmal hart zu, aber am Ende müsse der Stil gewahrt werden: "Man muss sich in der Politik nicht lieben, aber man muss den anderen achten, respektieren. Ansonsten verfehlt man total seine Vorbildfunktion", mahnte Wulff.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Koalition nominiert Christian Wulff

(apd/ddp/felt)