Höchste Form militärischer Ehrerbietung: Großer Zapfenstreich für Horst Köhler

Höchste Form militärischer Ehrerbietung : Großer Zapfenstreich für Horst Köhler

Berlin (RPO). Zwei Wochen nach seinem Rücktritt als Bundespräsident wird Horst Köhler am Dienstag mit dem Großen Zapfenstreich durch die Bundeswehr verabschiedet. Es ist die höchste Form militärischer Ehrerweisung deutscher Soldaten.

Die Zeremonie hat eine weit in die Militärgeschichte zurückreichende Tradition und darf nur zu besonderen Anlässen aufgeführt werden.

Die Ursprünge liegen in der Zeit der Landsknechte des 16. Jahrhunderts. Damals gab ein Truppenführer in Gasthöfen und Tavernen mit einem Streich auf die Zapfen der Getränkefässer den Beginn der Nachtruhe bekannt - daher der Name "Zapfenstreich". Danach durften die Wirte nicht mehr an die Soldaten ausschenken. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieses Signal durch Trompeten-, Flöten- und Trommelspiel musikalisch angereichert.

Das Zeremoniell entstand in seiner heutigen Form im frühen 19. Jahrhundert in der Zeit der Befreiungskriege, als das Ritual durch ein kurzes Abendlied ergänzt wurde. Der preußische König Wilhelm III. befahl zudem im Jahr 1813 in einem Erlass, nach dem eigentlichen Zapfenstreich ein Gebet sprechen zu lassen. Wilhelm Wieprecht, Direktor des preußischen Musikkorps, stellte erstmals eine ausführliche Spielfolge für das militärische Ritual zusammen.

Der Große Zapfenstreich der Bundeswehr besteht heute aus dem "Locken" der Spielleute, dem Auftritt des Musikkorps und der berittenen Truppen, einem Gebet und dem Abspielen der Nationalhymne. Kritiker des Großen Zapfenstreichs sehen das militärische Zeremoniell in der unmittelbaren Tradition von preußischen Paraden und Hitlers Fackelzügen und sprechen von einem Symbol des preußischen und deutschen Militarismus.

(AFP/csr)