Steve Bannon: Donald Trumps Rechtsaußen gibt die Richtung vor

Steve Bannon im Porträt : Trumps Rechtsaußen gibt die Richtung vor

Steve Bannon ist Chefstratege im Weißen Haus und der Meinung, man müsse die globale Elite entmachten. Der neue US-Präsident hört auf ihn. Wohin drängt er Trump? Eine Reise in Bannons Vergangenheit könnte Aufschluss geben.

Es ist ein Film voller apokalyptischer Bilder. Dunkle Sturmwolken ziehen auf, gläserne Bürotürme stürzen ein, ganze Straßenzüge stehen in Flammen. "Es muss Phasen geben, in denen wir uns des Alten entledigen", kommentiert ein Sprecher die Szenen der Verwüstung.

Als Steve Bannon den Streifen mit dem Titel "Generation Zero" drehte, waren seit der Finanzkrise gerade mal zwei Jahre vergangen. Die Pleite von Lehman Brothers, so lautete die Kernbotschaft seines Films, bedeute viel mehr als einen Crash an der Wall Street, nämlich einen Wendepunkt der Geschichte, ebenso chaotisch wie notwendig. Nach Bannons Theorie wiederholen sich alle 80 bis 100 Jahre Momente, in denen die alte Ordnung zertrümmert und zugleich der Grundstein für eine neue gelegt wird. Amerikas Unabhängigkeitskriege, der Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten, die Große Depression: Um einen Einschnitt ähnlicher Größenordnung habe es sich bei der Finanzkrise gehandelt.

Rüstzeug der Tea-Party-Bewegung

Als der düstere Film produziert war, wurde er zum ideologischen Rüstzeug der Tea-Party-Bewegung, jener rechten Rebellen, die in ihrer Analyse bisweilen ganz ähnlich klangen wie linke Kritiker des Systems. Vom Sozialismus für Reiche und Kapitalismus für den großen Rest ist in "Generation Zero" die Rede: Verantwortungslose Banker hätten am Glücksrad gedreht, wohl wissend, dass der Steuerzahler mit Rettungspaketen einspringen würde, falls es schief ging. Schon damals prägte Bannon die Metapher von den vergessenen Männern und Frauen, die Donald Trump später in seine Wahlkampfreden einflechten sollte. Nur war er damals noch ein obskurer Populist. Heute ist er Chefstratege im Weißen Haus, ein Strippenzieher, der den ersten Amtswochen des Präsidenten Trump seinen Stempel aufdrückt.

Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat

Nicht nur, dass Bannon zum ständigen Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat ernannt wurde, was George W. Bush seinem Politikstrategen Karl Rove ebenso verwehrte wie Barack Obama seinem Vordenker David Axelrod. In einem Duell mit dem Minister für Heimatschutz, schreiben amerikanische Zeitungen, hat er seine Macht bereits spüren lassen. Als Trump verfügte, Bürgern aus sieben Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit vorläufig nicht mehr einreisen zu lassen, wies Bannon den verunsicherten Ex-General John Kelly an, den Bann auch dann anzuwenden, wenn einer der Betroffenen eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung (Green Card) besitzt. Worauf Kelly erwidert haben soll, dass er einer Order nur Folge leiste, wenn sie vom Präsidenten selber komme.

Es ist eine Episode, die zweierlei deutlich macht. Zum einen den Machtanspruch des Strategieberaters, zum anderen die Grenzen, an die er irgendwann stoßen könnte. Besonnenere Köpfe wie Rex Tillerson und James Mattis, der Außen- und der Verteidigungsminister, dürften dem Brandstifter Paroli bieten. Wann sie es tun und ob sie die Kraftprobe gewinnen, gehört zu den spannendsten Fragen, über die das politische Washington momentan diskutiert.

Typisch für die Seiteneinsteiger, die mit Trump die große Bühne betraten, ist die Biografie des Mannes, der nichts dagegen hat, wenn man ihn mit der finsteren Kinofigur des Darth Vader vergleicht. In ein Elternhaus geboren, in dem der Demokrat John F. Kennedy verehrt wurde wie ein Idol, kreuzt Bannon auf Zerstörern der Marine auf den Weltmeeren, bevor er aus Enttäuschung über Jimmy Carters Iran-Politik an die Wall Street wechselt. Dort heuert er bei Goldman Sachs an, ehe er mit anderen Goldman-Aussteigern eine kleine Investmentbank gründet, die sich aufs Filmgeschäft spezialisiert. Eher unverhofft scheffelt er mit Anteilen an der TV-Sitcom "Seinfeld" ein Vermögen.

Dann traf er Andrew Breitbart

Später lernt er Andrew Breitbart kennen, den Gründer der gleichnamigen Internet-Plattform. Nach Breitbarts Tod übernimmt er dessen Website, die er im Wahlkampf 2016 zu einem Propaganda-Instrument in Diensten Trumps umfunktioniert. Zum Lohn dafür holt ihn der Tycoon in sein Team, als einen Berater, der sich um die großen Linien kümmern soll.

Wie Bannon die Welt sieht, hat er selten so klar formuliert wie 2014 auf einer Konferenz des Vatikan. Früher, dozierte er, habe der Westen aus einer Ansammlung judäo-christlich geprägter Nationalstaaten bestanden, die eine humane Form des biblischen Kapitalismus praktiziert und kulturell homogene Gemeinwesen gefördert hätten. Dann aber habe die "Partei von Davos", wie er sie nach dem Austragungsort des Weltwirtschaftsforums nannte, Globalisierung, Multilateralismus und Vielfalt gepredigt und damit die moralischen Fundamente jener Welt untergraben. Ergo komme es beim fälligen Umsturz darauf an, die globale Elite zu entmachten und sich von Neuem auf den Nationalstaat zu besinnen.

Im Übrigen, orakelte er vor Monaten in einer Radioshow, münde der "existenzielle" Konflikt mit radikalen Dschihadisten schon bald in eine große bewaffnete Auseinandersetzung im Nahen Osten. Obendrein, prophezeite Bannon, "werden wir in fünf bis zehn Jahren einen Krieg im Südchinesischen Meer führen".

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