Bowe Bergdahl ist in Deutschland eingetroffen

Taliban lassen US-Soldaten nach fünf Jahren frei : Bowe Bergdahl ist in Deutschland eingetroffen

Während die Taliban die Freilassung des US-Soldaten Bowe Bergdahl im Austausch gegen fünf afghanische Häftlinge aus dem US-Lager Guantánamo Bay bestätigten, haben die Eltern gemeinsam mit US-Präsident Barack Obama eine Pressekonferenz im Garten des Weißen Hauses gegeben. Inzwischen befindet sich Bergdahl in Deutschland.

Der US-Soldat Bowe ist am Sonntag in einem US-Militärkrankenhaus in Deutschland eingetroffen. Das Krankenhaus in Landstuhl teilte am Sonntag mit, dass Bergdahl zur Behandlung aufgenommen worden sei.

Der 28-Jährige wurde ins Landstuhl Regional Medical Centre, das größte Lazarett der US-Streitkräfte außerhalb der USA, gebracht, wie die US-Streitkräfte berichteten. Der Unteroffizier werde zunächst medizinisch und psychologisch untersucht. Zu seiner Verfassung machte der Sprecher keine Angaben.

Die Ärzte seien sich der Umstände bewusst, die Bergdahl durchlebt habe und würden die Geschwindigkeit der Reintegration an seine Bedürfnisse anpassen, hieß es weiter. Es blieb offen, wie lange er in Deutschland bleiben wird, bevor er zur weiteren Behandlung nach Texas gebracht werden soll.

"Bowe ist niemals vergessen worden"

Nach der Freilassung hatten sich Obama und die Eltern des 28-Jährigen mit bewegenden Worten bei allen beteiligten Helfern bedankt. "Bowe ist niemals vergessen worden", sagte Obama mit Robert und Jani Bergdahl an seiner Seite am Samstagabend im Rosengarten des Weißen Hauses.

Robert Bergdahl deutete an, dass sein Sohn, der am Samstag zunächst in einem Krankenhaus in Afghanistan betreut wurde, kein Englisch mehr verstehen könne. Er sprach ihn daher im afghanischen Dialekt Dari an und sagte (auf Deutsch übersetzt): "Ich bin Dein Vater, Bowe."

"Im Namen des amerikanischen Volkes hatte ich die Ehre, seine (Bergdahls) Eltern anzurufen, um unsere Freude darüber auszudrücken, dass sie seine sichere Heimkehr erwarten können", erklärte Präsident Obama. Die Eltern Bergdahls äußerten in einer Erklärung Freude, Erleichterung und Dankbarkeit. "Wir können es nicht abwarten, unseren einzigen Sohn in die Arme zu schließen", zitierte CNN Mutter und Vater.

Taliban bestätigen Austausch

Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag, Aufständische hätten Bergdahl am Samstagabend in den Distrikt Alischah in der Provinz Chost gebracht. "Dann landeten die Hubschrauber der Feinde und übernahmen ihn." Bergdahl habe nach der fast fünfjährigen Gefangenschaft ein Abschiedsgeschenk von den Taliban bekommen. "Der US-Soldat erhielt einen afghanischen Turban, der ein Symbol Afghanistans ist, als Geschenk der Mudschaheddin."

Die fünf im Austausch freigelassenen Taliban-Anführer würden am Sonntag im Golf-Emirat Katar erwartet, hieß es in einer Mitteilung der Aufständischen. Dort würden sie von Vertretern des Taliban-Verbindungsbüros in Doha und des Führungsrates der Taliban in Empfang genommen. "Sie werden mit ihren Familien in Katar bleiben und ein normales Leben führen."

Bergdahl spielte Badminton mit den Taliban

In seiner fast fünfjährigen Geiselhaft bei den Taliban hat Bergdahl eine Vorliebe für afghanischen Grünen Tee entwickelt und mit seinen Entführern Badminton gespielt. Das sagte ein Kommandeur des mit den radikalislamischen Taliban verbündeten Haqqani-Netzwerkes am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. Bergdahl war demnach nach seiner Entführung im Juni 2009 zunächst in Ostafghanistan und schließlich vom Haqqani-Netzwerk im pakistanischen Stammesgebiet Nord-Waziristan versteckt worden. "Er mochte Kawa", den afghanischen grünen Tee, sagte der Kommandeur. "Er hat den ganzen Tag viel Kawa getrunken, den er sich meist selbst zubereitet hat."

Bergdahl habe auch viel Badminton gespielt und oft beim Kochen geholfen, berichtete der Kommandeur. Der US-Soldat habe Badminton "geliebt" und "vielen Kämpfern das Spiel beigebracht". Beim Essen habe Bergdahl Gemüse bevorzugt "und nur ein- oder zweimal die Woche um Fleisch gebeten". Die Landessprachen Paschtu und Dari spricht der heute 28-Jährige den Angaben zufolge mittlerweile fließend. Obwohl seine Bewacher versuchten, ihn über den Islam aufzuklären und ihm auch entsprechende Bücher besorgten, hielt Bergdahl lieber an christlichen Traditionen fest, wie der Haqqani-Anführer berichtete. Wenn Feste wie Ostern oder Weihnachten anstanden, habe der Soldat aus dem US-Bundesstaat Idaho seinen Bewachern schon Wochen vorher davon erzählt. Er habe dann auch "mit ihnen zusammen gefeiert".

Hagel: Bergdahl war in Lebensgefahr

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat unterdessen um Verständnis für die Vereinbarung mit den Taliban zur Freilassung Bergdahls geworben. Der US-Kongress sei davon nicht vorab informiert worden, weil die Regierung Informationen gehabt habe, dass Bergdahl in Lebensgefahr war, sagte Hagel am Sonntag bei einem Besuch in Afghanistan.

Er bezog sich auf Geheimdiensterkenntnisse, wonach die Sicherheit und die Gesundheit des 28-Jährigen gefährdet gewesen seien. Das Militär habe schnell handeln müssen, um Bergdahls Leben zu retten.

Die Vereinbarung hatte bei der Opposition in Washington heftige Kritik ausgelöst. Der Austausch gegen fünf afghanische Guantánamo-Häftlinge sei illegal vonstatten gegangen, erklärten die Republikaner Howard McKeon und James Inhofe am Samstag.

McKeon und Inhofe verwiesen darauf, dass die US-Regierung gesetzlich verpflichtet gewesen wäre, den Kongress 30 Tage vor der Verlegung von Insassen aus Guantánamo zu informieren. Zudem hätte sie erklären müssen, wie sie der Bedrohung durch die Terrorverdächtigen begegne.

Das Weiße Haus begründete die Vereinbarung mit den Taliban mit "einzigartigen und zwingenden Umständen". Auf die Kritik der beiden Parlamentarier erklärte die Regierung, man habe so schnell gehandelt wie möglich, als es eine Chance auf Bergdahls Freilassung gab.

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(dpa/AP)