Tauziehen um OSZE-Beobachter: Erneut Tote und Verletzte in der Ostukraine

Tauziehen um OSZE-Beobachter : Erneut Tote und Verletzte in der Ostukraine

Auch nach der Präsidentenwahl flauen die Kämpfe in der Ukraine nicht ab. Das Schicksal festgesetzter OSZE-Beobachter bleibt unklar. Der deutsche Diplomat Ischinger gibt sein Vermittleramt angeblich ab.

Bei neuen schweren Gefechten zwischen ukrainischen Sicherheitskräften und militanten Separatisten sind mindestens zwei Menschen getötet und acht verletzt worden. Im Zentrum der Kämpfe stand erneut die Stadt Slawjansk im Osten der früheren Sowjetrepublik. Hier seien beim nächtlichen Vorrücken von Regierungseinheiten zwei Zivilisten erschossen und vier verletzt worden, sagte ein Sprecher der prorussischen Aktivisten am Samstag.
Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.

Im Fall der festgesetzten OSZE-Beobachter sagte Separatistenführer Wladimir Rogow, die vier Männer aus Dänemark, Estland, der Schweiz und der Türkei stünden unter "Spionageverdacht". "Wir unterhalten ständigen Kontakt mit der OSZE-Mission. Sie weiß Bescheid, dass mit ihren Jungs alles okay ist", sagte Rogow in der Großstadt Donezk.

Ein anderer Sprecher der Aktivisten betonte, möglicherweise würden die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) gegen inhaftierte Gesinnungsgenossen ausgetauscht. Derzeit werden zwei OSZE-Teams in der Ostukraine vermisst.

Russisches Außenministerium für Fortsetzung des Dialoges

Die russische Tageszeitung "Kommersant" berichtete, dass der OSZE-Ukraine-Beauftragte Wolfgang Ischinger seinen Posten verlassen werde. Das Mandat des deutschen Diplomaten sei am Tag der ukrainischen Präsidentenwahl am 25. Mai abgelaufen, wurde Roland Bless von der OSZE zitiert. Ischinger hatte nach seiner Ernennung im Mai dreimal den Runden Tisch zur nationalen Einheit moderiert.

Das russische Außenministerium sprach sich für eine Fortsetzung dieser Dialogrunden aus. Dabei sollten alle politischen Kräfte und alle Regionen des Landes vertreten sein, unterstrich ein Sprecher des Außenamtes in Moskau. Er forderte die Führung in Kiew erneut zum sofortigen Ende der "Anti-Terror-Operation" gegen Separatisten auf.

Tschetschenien: Kämpfer nicht von Regierung geschickt

Bei einem Schusswechsel nahe des ukrainisch-russischen Grenzpostens Djakowo wurden drei Soldaten verletzt. Etwa 80 unbekannte Angreifer hätten den Posten mit Granatwerfern attackiert, sagte ein Armeesprecher in der Hauptstadt Kiew. Die Sicherheitskräfte hätten das Feuer erwidert und seien von einem Kampfjet des Typs Suchoi Su-27 unterstützt worden. Die Angreifer hätten sich später zurückgezogen.

Der Republikchef der russischen Konfliktregion Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, wies Berichte zurück, in der Ukraine würden Kämpfer aus der Kaukasusregion offiziell an der Seite der Separatisten kämpfen. "Ich kann nicht ausschließen, dass dort tschetschenische Freiwillige kämpfen, aber die Berichte über eine tschetschenische Sondereinheit sind absolut unwahr", betonte Kadyrow der Agentur Interfax zufolge.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Kämpfer des Vostok Bataillons

(dpa)