Amin Laschet in Paris: „Die Erlebnisgeneration wird immer kleiner“

Holocaust-Gedenken in Paris : „Die Erlebnisgeneration wird immer kleiner“

In Frankreich ist am 75. Jahrestag der Befreiung des NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz an die getöteten Juden des Landes erinnert worden. An der Zeremonie nahm auch Armin Laschet teil.

In der Pariser Holocaust-Gedenkstätte weihte Präsident Emmanuel Macron am Montag eine restaurierte Mauer mit den Namen der fast 76.000 Juden ein, die die Nazis von 1942 bis 1944 aus Frankreich deportiert hatten.

An der Zeremonie nahm auch der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), teil. Er ist Beauftragter für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Wenn man vor dieser Mauer mitten in Paris stehe, erklärte Laschet, dann werde die ungeheuerliche Dimension des Holocaust bewusst, der „ein Teil der Geschichte ganz Europas ist, und nicht nur ein Teil der deutschen Geschichte“. Ähnlich wie Präsident Macron betonte auch Laschet die überaus wichtige Bedeutung der Bildung, um die Erinnerung wach zu halten. „75 Jahre nach Auschwitz wird die Erlebnisgeneration immer kleiner“, die als Zeitzeugen den nachrückenden Generationen noch das Grauen des Holocausts vermitteln könnte. Aus diesem Grund sei es an der Zeit, neue didaktische und pädagogische Zugänge zu dem Thema zu erarbeiten.

Auch Präsident Macron sieht die große Gefahr, dass dieses Kapitel der Geschichte im Gedächtnis der Menschen verblasst. Er betonte, die Gesellschaft dürfe „nichts vergessen“. Dies gelte vor allem angesichts des wieder erstarkenden Antisemitismus, betonte der Staatschef vor 200 Gästen in Paris, darunter 50 KZ-Überlebenden. „Der Antisemitismus ist nicht das Problem der Juden, er ist unser aller Problem“, verkündete Macron - eine Botschaft, die ihm angesichts der aktuellen Entwicklung in Frankreich offensichtlich sehr am Herzen liegt. Nach neuen Angaben des französischen Innenministeriums stieg die Zahl antisemitischer Vorfälle in Frankreich im vergangenen Jahr auf 687 Fälle, das waren 27 Prozent mehr als 2018.

Ministerpräsident Armin Laschet und Frankreichs Jugendminister Jean-Michel Blanquer am Montag in Paris. Foto: Land NRW / RALPH SONDERMANN

Armin Laschet traf sich am Rand der Gedenkfeier in seiner Rolle als Beauftragter für die deutsch-französische Zusammenarbeit auch mit dem französischen Bildungsminister Jean-Michel Blanquer, um zu beraten, wie in Zukunft gegen besser gegen Antisemitismus und Rassismus vorgegangen werden kann. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den beiden Nachbarländern will er allerdings nicht auf den Bereich Geschichte begrenzt wissen. Zwar habe man im Rahmen der Unterzeichnung des Aachener Vertrages vor einem Jahr viele ehrgeizige Ziele formuliert, doch seitdem sei zu wenig in der Realität umgesetzt worden, kritisierte Laschet. So könnte etwa beim Aufbau deutsch-französischer Campus-Anlagen für Studierende und auch Auszubildende wesentlich mehr getan werden. „Im Bereich der Künstlichen Intelligenz wurden zwei oder drei mögliche Kooperationen identifiziert“, erklärte Laschet, das reiche aber nicht aus, denn wirklich passiert sei wenig. Auf diese Weise könne man nicht mit den USA und China konkurrieren, die auf diesem zukunftsweisenden Feld ganz anders zupacken würden. Wenn Europa wirklich nach Antworten auf diese wissenschaftlichen Herausforderungen finden wolle, forderte Armin Laschet, dann müsse mehr Dynamik vor allem in die deutsch- französische Zusammenarbeit gebracht werden.