Nashville: USA töten wieder mit elektrischem Stuhl

Nashville : USA töten wieder mit elektrischem Stuhl

Robert Gleason jr. tritt mit einem Fluch aus dem Leben. Seine letzten Worte lauten sinngemäß: "Ihr könnt mich alle mal." Dann legt der Henker des Staatsgefängnisses von Greensville, Virginia, den Hebel um. Für einen kurzen Moment zischt und knirscht es. Wenig später ist der 42 Jahre alte Doppelmörder tot, hingerichtet auf dem "Old Sparky", dem elektrischen Stuhl.

Robert Gleason jr. ist am 16. Januar 2013 der bislang letzte, der im Namen des amerikanischen Volkes auf dem Holzstuhl durch Stromstöße exekutiert worden ist. Seitdem hat man in den USA "Old Sparky" wegen Grausamkeit nicht mehr eingesetzt. Doch nun kehrt Tennessee als erster US-Bundesstaat zum amerikanischsten aller Tötungswerkzeuge zurück. Der republikanische Gouverneur Bill Haslam hat vorgestern ein entsprechendes Gesetz in Kraft treten lassen. Die jüngste Serie von Pannen bei Hinrichtungen durch die Giftspritze, bei denen die Verurteilten lange leiden mussten, hätte ihm keine andere Wahl gelassen. Die Todeskandidaten sollten schließlich human sterben.

Zuletzt ist im Bundesstaat Oklahoma ein zum Tode verurteilter Mörder nach dem Abbruch seiner Exekution qualvoll an einem Herzinfarkt gestorben. Der Gefängnisleitung zufolge habe es bei seiner Hinrichtung Probleme mit der Gift-injektion gegeben. Der Fall hat Ende April weltweit für Schlagzeilen gesorgt, weil der Hingerichtete vor seinem Herzinfarkt wegen der unzureichenden Giftdosis 43 Minuten lang bei Bewusstsein mit dem Tod ringen musste.

Verantwortlich für die Probleme bei den Giftinjektionen sind Lieferengpässe für die Substanzen, die für den Todes-Cocktail von Nöten sind. Seit einigen Monaten verweigern weltweit Pharmazieunternehmen den Verkauf der Präparate an die Gefängnisse. Die Konzerne, die vornehmlich aus Europa kommen, unterstützen mit ihrem Boykott die Gegner der Todesstrafe. Als Folge daraus experimentieren jedoch viele Strafvollzugsbehörden mit unerprobten Medikamenten-Cocktails bei den Hinrichtungen.

Deswegen wollen neben Tennessee auch andere Bundesstaaten wieder mit dem elektrischen Stuhl töten. In Virginia wird bereits über "Old Sparkys" Wiedereinführung diskutiert. Der Bundesstaat Missouri will einen Schritt weitergehen und Hinrichtungen durch Erschießungskommandos durchführen lassen. Das berichtet die "Washington Post". Erschießen sei eine schnelle und effektive Methode, die von Fall zu Fall bedacht werden sollte. Häftlinge litten so weniger als bei der Verabreichung von Gift-Cocktails, zitiert die amerikanische Zeitung einen ranghohen Politiker.

Nach wie vor gibt es in rund 30 US-Bundesstaaten die Todesstrafe. Überall dort - bis neuerdings auf Tennessee - gilt die Giftspritze als primäres Todeswerkzeug. Die Zahl der Todesurteile geht jedoch seit Jahren zurück. Immer mehr Politiker lehnen sie aus Imagegründen ab. Zudem sprechen Richter weniger Todesurteile aus als noch in den 90er Jahren. Im vergangenen Jahr hat es in den USA 39 Hinrichtungen gegeben, 1999 sind es noch fast dreimal so viele gewesen.

Die Todesstrafe - Hier erfahren Sie mehr über die Hinrichtungsmethoden in den USA

(RP)